Aktualisiert

Türkei bestraft Schweizer Unternehmen

Die angespannten Beziehungen zwischen der Schweiz und der Türkei sind um eine Irritation reicher. Das türkische Verteidigungsministerium hat die Pilatus Flugzeugwerke in Stans bei der Ausschreibung für ein neues Trainingsflugzeug ausgeschlossen.

Pilatus als Schweizer Unternehmen könne bei der Ausschreibung nicht mitmachen, hiess es laut Pilatus-Chef Oscar J. Schwenk in dem Brief aus der Türkei. Ein Grund für die Absage sei darin nicht mitgeteilt worden, sagte Schwenk am Mittwoch auf Anfrage und bestätigte einen Bericht des «Tages-Anzeigers».

Das Nidwaldner Unternehmen konnte damit eine Offerte gar nicht erst einreichen. «Das ist unglaublich und in unserer Firmengeschichte noch nie passiert», sagte Schwenk.

Auftrag von 500 Millionen Franken

Seit vier Jahren habe man die Ausschreibung vorbereitet. Mit dem Trainingsflugzeug PC-21 habe Pilatus auch ein absolut geeignetes Produkt. Das Auftragsvolumen für die geplatzte Offerte bezifferte Schwenk gegenüber der Nachrichtenagentur SDA mit mindestens 500 Mio. Franken.

Als Unternehmen könnte Pilatus in der Sache jedoch nichts mehr tun. «Das ist nun ein staatspolitisches Problem», sagte Schwenk. Er vermutet eine Retourkutsche aus Ankara angesichts der Verstimmungen zwischen der Schweiz und der Türkei wegen des Armenier-Genozids.

Bern schaltet sich ein

Der türkische Boykott der Pilatus Flugzeugwerke hat denn auch die Schweizer Behörden auf den Plan gerufen. «Wir verfolgen die Angelegenheit mit grosser Aufmerksamkeit», sagte Carine Carey, Sprecherin beim Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Das EDA habe den Fall auf diplomatischer Ebene in Ankara und Bern «zur Sprache gebracht», sagte die Sprecherin, ohne Einzelheiten nennen zu wollen. Auch das Departement von Volkswirtschaftsminister Joseph Deiss hat sich der Angelegenheit angenommen.

Deiss habe Pilatus-Chef Schwenk versichert, sich bei einem Besuch in der Türkei für die Lösung des Problems einzusetzen, sagte Deiss-Sprecher Christophe Hans. Bislang steht jedoch immer noch kein Termin fest, nachdem Ankara einen ursprünglich September 2005 geplanten Besuch von Deiss auf unbestimmt verschoben hatte.

EDA interveniert

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat über diplomatische Kanäle sowohl in Ankara wie auch in Bern bei den türkischen Behörden interveniert, sagte Sprecherin Carine Carey. Zu den Resultaten der Intervention konnte sie noch keine Angaben machen. (sda)

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