Politische Spannungen: Türkei-Ferien günstig wie nie – aber keiner will hin
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Politische SpannungenTürkei-Ferien günstig wie nie – aber keiner will hin

Schwierige Zeiten für den türkischen Tourismus: Nachdem letztes Jahr die Buchungen bereits nachliessen, verzeichnen Reisebüros nochmals einen massiven Rückgang.

von
J. Furer
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Eigentlich ein beliebtes Ferienziel in der Südtürkei: Fethiye.

Eigentlich ein beliebtes Ferienziel in der Südtürkei: Fethiye.

Wikipedia/Flickr by Astolath
Auch Bodrum, das an der türkischen Ägais liegt, ist ein beliebter Badeferienort.

Auch Bodrum, das an der türkischen Ägais liegt, ist ein beliebter Badeferienort.

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Wie auch das in der Südtürkei gelegene Antalya ...

Wie auch das in der Südtürkei gelegene Antalya ...

Wikipedia/

Terroranschläge, ein Putschversuch, eine heftig umstrittene Verfassungsreform und Konflikte mit westlichen Staaten wie Deutschland und den Niederlanden um Propaganda-Auftritte türkischer Minister: Es sind turbulente Zeiten, mit denen sich die Politik und Bevölkerung in der Türkei beschäftigen muss – und die derzeit europaweit Schlagzeilen machen.

Nicht nur politisch sorgen die Verhältnisse in der Türkei für viel Wirbel, auch im Tourismus sind die Spannungen spürbar. In Schweizer Reisebüros gehen die Ferien-Buchungen für die Türkei im Vergleich zum Vorjahr massiv zurück – obwohl auch schon letztes Jahr markante Rückgänge wegen der nach Terroranschlägen angespannten Sicherheitslage registriert wurden. Gordana Mrsic, Sprecherin von Kuoni: «Wir stellen dieses Jahr einen Buchungsrückgang von bis zu 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fest.» Betroffen seien nicht nur Reisen in die Metropole Istanbul, sondern insbesondere an früher beliebte Badeorte am Schwarzen Meer und Mittelmeer.

Fast keine Buchungen nach Istanbul

«Wir stellen keine Erholung der Lage fest – im Gegenteil. Die Kunden sind nach wie vor verunsichert und wollen nicht in der Türkei Ferien machen», sagt Mrsic. Und dies, obwohl die Preise im Sinkflug seien. Mrsic: «Wegen der fehlenden Nachfrage sind Ferien in der Türkei sehr günstig geworden.»

Bei Hotelplan Suisse sieht die Situation nicht anders aus: «Nachdem wir letztes Jahr im Herbst einen Rückgang von 60 Prozent bei den Buchungen hatten, verzeichnen wir dieses Jahr im Frühling nochmals eine Rückgang von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr», sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Dieser sei vor allem auf die mangelnde Nachfrage nach Ferien in türkischen Badeorten zurückzuführen. Aber auch Reisen nach Istanbul seien weniger begehrt.

Türkei wird zur Last-Minute-Destination

«Wir stellen zudem fest, dass zwar vereinzelt Buchungen vorhanden sind, diese aber kurzfristig getätigt werden», so Huguenin-dit-Lenoir. Das, obwohl dieses Jahr ein Frühbucher-Jahr sei. «Wir denken, dass liegt daran, dass die Leute die Situation und Sicherheitslage in der Türkei kurzfristig einschätzen wollen.»

Auf die veränderten Umstände und die sinkende Nachfrage hat Hotelplan Suisse reagiert: «Wir haben im Vergleich zum letzten Jahr eine gewisse Anzahl an Kapazitäten herausgenommen», sagt Huguenin-dit-Lenoir. Sprich: «Hotelplan Suisse bietet im Vergleich zum Vorjahr weniger Plätze in Flugzeugen an und hat auch das Hotelangebot nach unten angepasst.» Zudem seien auch die Preise nach unten angeglichen worden. Huguenin-dit-Lenoir: «Ende April haben wir beispielsweise ein Angebot für eine Woche Ferien in Side in der Südtürkei inklusive Flug, Transfer und Übernachtungen in einem 5-Sterne-Hotel all inclusive für 499 Franken.»

«Unsere Kunden fühlen sich in der Türkei nicht mehr sicher»

Spürbar ist der Buchungsrückgang auch bei TUI – obwohl das Unternehmen vorwiegend Ferien an Badeorten in der Südtürkei anbietet: «Diese sind rund 300 Kilometer von Istanbul entfernt. Dennoch haben wir ein Minus von zehn Prozent», sagt Sprecherin Bianca Schmidt.

Durch den Verlust an Türkei-Buchern würden aber andere Destinationen gewinnen, beispielsweise Spanien oder Griechenland. Schmidt: «Obwohl die Lage in den touristischen Badeferienorten ruhig ist, bevorzugen unsere Kunden mehrheitlich andere Destinationen.»

Swiss fliegt nicht in die Türkei

Auch bei der Fluggesellschaft Swiss spürt man die sinkende Nachfrage: «Im Sommerflugplan 2016 hatten wir Flüge nach Istanbul und Izmir angeboten. Beide Destinationen wurden aus dem Flugprogramm genommen. Die Swiss fliegt zurzeit nicht in die Türkei», sagt Sprecherin Meike Fuhlrott. Grund dafür sei auch die Verschlechterung der Sicherheitslage gewesen.

Hinzu komme aber auch das starke Wachstum der teilstaatlichen Turkish Airlines, das zu Überkapazitäten und einem starken Preisverfall auf der Strecke Zürich–Istanbul geführt habe. Dass die Swiss aber irgendwann wieder in die Türkei fliegt, will man nicht ausschliessen: «Wir bewerten auf der Basis des Potenzials und der jeweiligen Marktgegebenheiten Destinationen immer wieder neu.»

EDA warnt vor Angriffen auf Ausländer in der Türkei

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die Reisehinweise für die Türkei aufgrund der aktuellen Lage angepasst. Das EDA warnt davor, dass es vor, während und nach der Abstimmung am 16. April 2017 über ein landesweites Referendum über Verfassungsänderungen zu politischen Spannungen, Demonstrationen und Ausschreitungen kommen könne. Auch Proteste gegen Ausländerinnen und Ausländer würden wegen der kritischen Berichterstattung im Ausland nicht ausgeschlossen werden können. Deshalb rät das EDA: «Lassen Sie erhöhte Wachsamkeit walten, und meiden Sie Kundgebungen jeder Art.»

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