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Türkei-Ferien werden gratis umgebucht

Die grossen Reiseveranstalter reagieren auf die jüngsten Anschläge auf türkische Badeorte und schicken ihre Kunden an sicherere Destinationen. Die Umbuchungen kosten nichts.

Die grossen Schweizer Reiseveranstalter reagieren auf die jüngsten Anschläge auf türkische Badeorte: Kuoni, Hotelplan und TUI Suisse bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen an. Schweizer Kunden vor Ort waren nicht direkt betroffen von den Anschlägen.

Wer bei einem der drei Veranstalter eine Reise in eine betroffene Region wie Antalya gebucht hat, kann spesenfrei auf eine andere Destination umbuchen. Das Angebot gilt für Reisen bis Ende Oktober, wie bei den drei Reiseunternehmen am Dienstag zu erfahren war.

Erste Kunden wählten bereits ein anderes Ferienziel. Von den jeweils mehreren hundert Kunden von Kuoni, Hotelplan und TUI Suisse in der Südtürkei wolle aber niemand vorzeitig nach Hause reisen, hiess es auf Anfrage weiter.

Sollte die Ersatz-Destination teurer sein, müsse der Kunde die Mehrkosten übernehmen, präzisierte Hotelplan-Sprecher Hans-Peter Nehmer.

Keine Annullierungen

Zu Annullierungen kam es bei keinem der drei Veranstalter. Dies wäre aber auch mit Kosten verbunden, da massgebliche Stellen wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in seinen Reisehinweisen nicht von Türkeireisen abraten.

Auf der EDA-Internet-Site wird Türkei-Reisenden empfohlen, «wachsam und vorsichtig» zu sein. Das Aussenministerium weist auf verschiedene Anschläge der vergangenen Jahre hin, auch auf Touristendestinationen im Westen des Landes.

In diesem Zusammenhang erwähnt das EDA auch die Drohung der «Freiheitsfalken Kurdistans» (TAK) vom April, Anschläge auf Touristenzentren zu verüben. Eine weitere Aktualisierung der Reisehinweise sei derzeit nicht vorgesehen, sagte EDA-Sprecherin Carine Carey auf Anfrage.

Mit Verweis auf die Gefahr terroristischer Anschläge betont das EDA auf seiner Site, es gebe keinen Anlass, generell von Reisen in Risikogebiete abzuraten. Es sei unmöglich, Anschläge vorauszusehen. Eine solche Empfehlung würde zudem das Ziel des Terrorismus unterstützen, Unsicherheit und Angst zu schüren.

Einbruch der Türkei-Buchungen

Die Türkei galt bis vor kurzem als Trenddestination. In den vergangenen zwei Jahren habe es jährliche Zuwachsraten von 20 bis 30 Prozent gegeben, sagte Hotelplan-Sprecher Nehmer. In diesem Jahr sei es zu einem Einbruch der Türkei-Buchungen um rund 30 Prozent gekommen.

Für Türkeireisen sei der Zenit erreicht worden. Und dann hätten auch negative Nachrichten wie der Ausbruch der Vogelgrippe, der Streit um die Mohammed-Karikaturen sowie wiederholte Anschläge zum Rückgang beigetragen. (sda)

Bombenanschläge in der Türkei in den vergangenen drei Jahren

Die Anschlagsserie an der türkischen Mittelmeerküste und in Istanbul vom Montag steht in einer Reihe von Anschlägen in den vergangenen Jahren. Seit vergangenem Jahr häufen sich die Angriffe militanter kurdischer Extremisten.

2003

15. November - Bei Anschlägen mit Autobomben vor zwei Synagogen in Istanbul sterben 30 Menschen. 146 Menschen werden verletzt. Nach Einschätzung der Behörden tragen die Anschläge die Handschrift der Extremisten-Organisation Al-Kaida.

20. November - 32 Menschen werden bei Anschlägen auf die Filiale der britischen Grossbank HSBC und das britische Konsulat in Istanbul getötet.

2004

17. Mai - Kurz bevor der britische Premierminister Tony Blair der Türkei einen Besuch abstatten soll, explodieren vier kleine Bomben vor Filialen der HSBC-Bank in Ankara und Istanbul.

24. Juni - Vor einem Besuch von US-Präsident George W. Bush in der Türkei werden bei einem Anschlag auf einen Bus in Istanbul vier Menschen getötet, 15 werden verletzt.

28. September - Zwei kleine Bomben explodieren vor Niederlassungen der HSBC-Bank, ein dritter richtet sich gegen einen türkisch-amerikanischen Verband in der Hauptstadt Ankara.

2005

30. April - Im westtürkischen Ferienort Kusadasi explodiert nahe des Atatürk-Denkmals eine Bombe, die entschärft werden soll. Ein Toter, vier Verletzte.

2. Juli - Sechs Menschen werden in der östlichen Provinz Bingöl durch einen Sprengsatz getötet, den kurdische Untergrundkämpfer in einem Zug gezündet haben.

6. Juli - Eine Bombe zerstört einen Kleinbus im Ferienort Kusadasi. Bei dem Anschlag kommen mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter eine Britin und eine Irin.

10. Juli - Im Küstenort Cesme verletzt eine Papierkorb-Bombe 20 Touristen, darunter einen Briten und einen Russen.

23. Juli - In einem Lokal unterhalb der Galatabrücke in Istanbul explodiert Sprengstoff. Ein niederländischer Tourist und ein Kellner werden verletzt.

2. August - Neun Menschen, darunter ein Franzose, werden in Antalya verletzt, als in Abfallkörben mehrere Bomben explodieren.

18. September - Bei Manavgat explodiert in einem Reisebus eine Gepäckbombe, dann bricht Feuer aus. Zwei Türken sterben.

9. November - Ein Mensch wird bei einem Bombenanschlag in Semdinli in der Nähe zur irakischen und iranischen Grenze getötet.

2006

9. Februar - In einem Internet-Cafe nahe des Flughafens von Istanbul explodiert eine Bombe. Ein Mensch wird getötet, 16 weitere werden verletzt.

13. Februar - Sechs Menschen werden bei einem Bombenanschlag auf einen Supermarkt im europäischen Teil Istanbuls verletzt, einer davon schwer. Die «Freiheitsfalken Kurdistans» (TAK) bekennen sich zu der Tat. Sie drohen in der Folge mit Anschlägen gegen Touristenzentren und fordern Ausländer auf, von der Türkei fernzubleiben.

31. März 2006: Bei einer Explosion in Istanbul werden ein Strassenverkäufer getötet und 13 weitere Menschen verletzt.

15. Juni 2006: Im von Touristen besuchten Altstadtbezirk Eminönü von Istanbul detoniert ein Sprengsatz: Vier Verletzte.

25. Juni - Vier Menschen werden bei einem Anschlag an den Wasserfällen von Manavgat getötet, 28 weitere verletzt. Die Bombe explodiert in einem Picknick-Bereich des Parks. Die Wasserfälle liegen rund 100 Kilometer östlich von Antalya am Mittelmeer. Die TAK bekennen sich zu der Tat.

25. August - Zwei Bomben explodieren in der südtürkischen Stadt Adana. Vier Menschen werden verletzt.

28. August - In Marmaris und der Touristenhochburg Antalya an der Mittelmeerküste sowie in Istanbul explodieren innert 24 Stunden fünf Bomben. Drei Einheimische kommen ums Leben. Dutzende von Menschen werden verletzt. Die TAK bekennen sich zu allen Anschlägen.

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