Gipfel: Türkei gegen Rasmussens Kandidatur
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GipfelTürkei gegen Rasmussens Kandidatur

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat seinen Widerstand gegen eine Ernennung des dänischen Regierungschefs Anders Fogh Rasmussen zum NATO-Generalsekretär bekräftigt.

Ob die Türkei ein Veto gegen den Dänen einlegen wird, sagte Erdogan am Freitag nicht. Fogh Rasmussen bestätigte unterdessen erstmals offiziell, dass er für das Amt kandidiert.

Eine Sprecherin seiner Liberalen Partei sagte im dänischen Fernsehsender TV2, Fogh Rasmussen habe seine Parteikollegen am Freitagmorgen vor seiner Abreise zum NATO-Gipfel in Baden-Baden und Strassburg über seine Bewerbung informiert. Der Ministerpräsident wird seit Wochen als Spitzenkandidat für die Nachfolge von Amtsinhaber Jaap de Hoop Scheffer genannt. Selbst nahm er zu den Spekulationen bislang nicht Stellung und erklärte, er konzentriere sich auf seine Rolle als dänischer Regierungschef.

Unter den westlichen NATO-Staaten geniesst der 56-Jährige breite Unterstützung. Zittern muss Fogh Rasmussen noch um die Zustimmung der Türkei. Erdogan hat insbesondere die Weigerung des dänischen Regierungschefs kritisiert, den kurdischen Satellitensender Roj TV zu schliessen. Die Türkei betrachtet Roj TV, der sein Programm aus Dänemark ausstrahlt, als Propagandasender kurdischer Rebellen. «Die NATO ist eine Organisation, zu deren Pflichten es gehört, Frieden sicherzustellen», sagte Erdogan in London. «Aber das Sprachrohr der Terrororganisation in meinem Land sendet aus Dänemark.»

Darüber hinaus ist Fogh Rasmussen in dem neben Neumitglied Albanien einzigen muslimischen Mitgliedstaat der NATO wegen der Mohammed-Karikaturen umstritten, die 2006 in einer dänischen Zeitung erschienen. «Wie kann jemand, der damals keinen Beitrag zum Frieden machte, jetzt zum Frieden beitragen?», sagte Erdogan. (dapd)

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