Angebliches Terror-Verfahren: Türkei nimmt Schweiz-Kurdin den Pass weg
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Angebliches Terror-VerfahrenTürkei nimmt Schweiz-Kurdin den Pass weg

Die Baslerin Dilan* (33) besuchte nichtsahnend Ende August das türkische Konsulat in Zürich, als ihr wegen Terrorverdacht den Pass weggenommen wurde.

von
mhu
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Dilan* (33) ahnte nichts, als sie Ende August für einen Routinebesuch das türkische Konsulat in Zürich besuchte. Wegen Terrorverdacht wurde ihr der Pass weggenommen, wie sie am Sonntag, 29. September, dem «Sonntagsblick» erzählte.

Dilan* (33) ahnte nichts, als sie Ende August für einen Routinebesuch das türkische Konsulat in Zürich besuchte. Wegen Terrorverdacht wurde ihr der Pass weggenommen, wie sie am Sonntag, 29. September, dem «Sonntagsblick» erzählte.

Keystone/Walter Bieri
Zwar habe sie in den sozialen Medien ab und an Erdogans Regierung kritisiert. Doch der Terrorismus-Vorwurf sei völlig abwegig.

Zwar habe sie in den sozialen Medien ab und an Erdogans Regierung kritisiert. Doch der Terrorismus-Vorwurf sei völlig abwegig.

Screenshot Google Maps
Die Baslerin hat kurdischen Wurzeln habe nun auch um ihre Verwandten, die in der Türkei leben, Angst. Sie frage sich, ob sie verhaftet werden.

Die Baslerin hat kurdischen Wurzeln habe nun auch um ihre Verwandten, die in der Türkei leben, Angst. Sie frage sich, ob sie verhaftet werden.

Screenshot Google Maps

Sie ahnte nichts, als sie Ende August für einen Routinebesuch das türkische Konsulat in Zürich besuchte: Als sie die Baslerin Dilan* (33) das Diplomgebäude betrat, wartete auf die Frau mit kurdischen Wurzeln «eine böse Überraschung», wie der «Sonntagsblick» berichtet.

Die Beamten hätten den Pass der jungen Frau beschlagnahmt. Gegenüber der Zeitung sagte sie: «Mir wurde gesagt, dass in der Türkei ein Strafverfahren gegen mich laufe. Ich würde per Haftbefehl gesucht.» Die Baslerin habe protestiert, weil sie den Pass zurück wollte. Doch der Konsulats-Angestellte habe ihr gedroht, sie gleich an Ort und Stelle festzuhalten.

Gesucht wegen angeblicher Terrorpropaganda

Dilan sei geschockt gewesen und habe das Konsulat sofort verlassen. Den Haftbefehl könne sie sich nicht erklären. Jedoch fand ihr Anwalt in der Türkei heraus, dass sie wegen angeblicher Terrorpropaganda im Internet gesucht wird. Laut Dilan sei dies ein absurder Vorwurf, zwar habe sie in den sozialen Medien ab und an Erdogans Politik kritsiert. Doch der Terrorismus-Vorwurf sei völlig abwegig.

In der Schweiz sei es der erste Fall dieser Art. In Deutschland oder der Österreich sei die Praxis jedoch schon länger bekannt: Wer mit der türkischen Art der Regierung nicht übereinstimme, bekomme das auch im Ausland zu spüren, so der «Sonntagsblick» weiter.

Angst um ihre Verwandten in der Türkei

Zu gross sei Dilans Furcht vor dem türkischen Staat, als das sie ihren Namen in der Zeitung lesen wolle. Dabei sei sie in der Schweiz geboren und lebe hier ihr ganzes Leben lang. Angst habe die junge Frau aber nicht nur um sich, sondern um ihre Verwandten in der Türkei. Sie frage sich, ob sie verhaftet würden.

Dilan habe weder eine Passkopie noch eine schriftliche Begründung für die Massnahme erhalten. Auch das sei unrechtsmässig. Betroffene Personen müssten schriftlich darüber aufgeklärt werden, auf welcher Rechtsgrundlage in ihre Freiheit eingegriffen werde. Das sei ein Grundprinzip der europäischen Menschenrechtskonvention, heisst es im Artikel.

Von einem Spitzel verraten?

Auf Anfragen des «Sonntagsblick» hätten sowohl das türkische Konsultat in Zürich sowie die Botschaft Ankaras in Bern nicht reagiert. Das Aussendepartement (EDA) hätte Dilan beschwichtigt, als sie um Hilfe bat.

EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger nahm gegenüber dem «Sonntagsblick» wie folgt Stellung: «Die Vergabe und der Entzug von Reisepässen obliegen der ausstellenden ­Behörde des Herkunftslandes der jeweiligen Staatsangehörigen.»

Dilan fühle sich hilflos und verstehe nicht, warum die Schweizer Behörden sie nicht unterstützen. Seit Wochen sei die Baslerin nun quasi staatenlos. Der fehlende Pass könne auch zum Problem werden, wenn sie ihre Schweizer Niederlassungsbewilligung verlängern müsse.

Die Kurdin glaubt, dass die türkischen Behörden durch ein Spitzel auf sie gekommen seien.

Viele Schweizer Türken fürchten sich vor Türkei

Wie die NZZ im Juli dieses Jahres berichtete, fürchten sich auch viele Schweizer Kurden vor einer Reise in die Heimat. Vor allem solche, die kritische Inhalte auf Social Media teilen oder an Demonstrationen mitmachen, befürchten irgendwann in der Türkei verhaftet zu werden.

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