Aktualisiert 14.02.2020 23:27

Syrien

Türkei schiesst zweiten Regime-Helikopter ab

Die türkische Armee oder von ihr unterstützte Rebellen haben im Nordwesten Syriens einen Helikopter der syrischen Armee abgeschossen – zum zweiten Mal in dieser Woche.

von
gux
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In der umkämpften syrischen Provinz Idlib wurde am Freitag ein Helikopter der syrischen Regierungstruppen abgeschossen.

In der umkämpften syrischen Provinz Idlib wurde am Freitag ein Helikopter der syrischen Regierungstruppen abgeschossen.

AP/Ghaith Alsayed
Die abgeschossene Maschine sei von Aleppo aus über die Frontlinie geflogen, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Die abgeschossene Maschine sei von Aleppo aus über die Frontlinie geflogen, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Ghaith Alsayed
Zuvor hätten russische Kampfflugzeuge Ziele im Gebiet westlich von Aleppo angegriffen, erfuhr Reuters von Rebellen und Augenzeugen. Die Kampfjets seien nach dem Abschuss des Hubschraubers abgezogen worden.

Zuvor hätten russische Kampfflugzeuge Ziele im Gebiet westlich von Aleppo angegriffen, erfuhr Reuters von Rebellen und Augenzeugen. Die Kampfjets seien nach dem Abschuss des Hubschraubers abgezogen worden.

Ghaith Alsayed

Bereits am Dienstag war in der umkämpften Provinz Idlib im Nordosten Syriens ein Helikopter Typus Mi-17 der syrischen Luftwaffe abgeschossen worden. Der Abschuss hat nicht nur für die Rebellen und Extremisten grosse Symbolkraft: Das Assad-Regime verwendet Mi-17-Helikopter, um Fassbomben abzuwerfen und unvorstellbare Zerstörung am Boden anzurichten.

Noch ist unklar, welche Miliz für die zwei Abschüsse verantwortlich ist. Einige Beobachter und Aktivisten machen den Al-Qaida-Ableger Hayat Tahrir al-Sham (HTS) verantwortlich und vermuteten darüber hinaus, dass «der in grosser Höhe fliegende Militärhubschrauber mit neu aus der Türkei geliefertem Material an Bord getroffen wurde.» Ankara schickt seit Tagen ganze Panzerverbände und Truppen nach Idlib, um sich dem Vorrücken der syrischen Armee entgegenzustellen.

Rebellen oder türkische Truppen?

Zu dem am Freitag abgeschossenen Helikopter schreibt der britische Militärexperte Nick Waters auf Twitter, dass die verwendete Boden-Luft-Rakete «entweder direkt von türkischen Truppen benutzt wurden oder dann den Rebellen geliefert worden waren.»

Durch den Raketenbeschuss in der Provinz Aleppo seien die beiden Piloten am Freitag getötet worden, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Ihre beiden Leichen seien gefunden worden. Die türkische Regierung gab zu dem Vorfall zunächst keine Stellungnahme ab.

Deutsch-türkischer Jihadi feiert Absturz vom Dienstag

Der Abschuss des Mi-17-Helikopters vom Dienstag war von Rebellen und Extremisten gefeiert worden. Ein in den Sozialen Medien kursierendes Video zeigt etwa Abdussamad D. an der Abschussstelle. Der deutsch-türkische Staatsbürger bezeichnet sich als «Journalist» von «On the Ground News». Er berichtet seit Jahren aus Syrien für das salafistische Propagandanetzwerk.

Laut Medienberichten hatte sich D. nach seiner Ausreise aus Deutschland dem syrischen Al-Qaida-Ableger Jabhat al-Nusra beziehungsweise HTS angeschlossen. Unter dem Namen «Saifullah al-Almani» habe er eine Kampfausbildung durchlaufen und sich an Kämpfen der islamistischen Terrororganisation in nordsyrischen Provinzen wie Idlib, Latakia und Aleppo beteiligt, schreibt der «Stern».

Am Dienstag feierte er auf türkisch den Abschuss des Helikopters: Mit solchen Maschinen seien

«auf unschuldige Muslime in den freien Regionen Syriens willkürlich Fassbomben abgeworfen» worden. https://www.stern.de/politik/ausland/deutscher-islamist-in-aleppo---die-lage-sieht-etwas-schlecht-aus--7219542.html

Leichen von Piloten geschändet?

Später tauchten unverifizierte Videos und Bilder auf, die zeigten, wie islamistische Rebellen die Leichen der Piloten aus der Absturzmaschine schändeten.

In Idlib spitzt sich derzeit die militärische Konfrontation zwischen der türkischen Armee und den von Russland unterstützten syrischen Streitkräften zu. Nach tödlichen Angriffen auf türkische Stellungen in Idlib drohte Staatschef Recep Tayyip Erdogan mit Angriffen «überall» in Syrien, sollten die türkischen Soldaten erneut unter Beschuss geraten.

Syrische Regierungstruppen führen mit russischer Unterstützung seit Dezember eine Offensive gegen die letzte Bastion der von jihadistischen Milizen dominierten Rebellen, die von der Türkei unterstützt werden. Moskau und Ankara hatten einen Waffenstillstand für Idlib vereinbart, der aber nicht eingehalten wird.

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