18.06.2020 09:20

Hunderte Soldaten im EinsatzTürkei meldet mehr als 500 zerstörte kurdische Ziele im Nordirak

Die Türkei hat am Mittwoch im Nordirak einen grossangelegten Einsatz gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK gestartet.

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Die Türkei hat Kampfhandlungen gegen die PKK aufgenommen.

Die Türkei hat Kampfhandlungen gegen die PKK aufgenommen.

Keystone
Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak. (Archivbild 2015)

Kämpfer der kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak. (Archivbild 2015)

keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Die Türkei hat Truppen in den Irak verschoben.
  • Die Operation «Tigerkralle» gegen die PKK wurde gestartet.
  • Die PKK hat in den nordirakischen Kandil-Bergen ihr Hauptquartier.

Die «heldenhaften Kommandos sind in Haftanin», schrieb das Verteidigungsministerium am Mittwoch auf Twitter. Sie würden unter anderem von Kampfdrohnen und Helikoptern unterstützt.

Als Haftanin bezeichnet die Türkei eine Grenzregion im Nordirak. Der Staatssender TRT meldete, Hunderte Soldaten seien am frühen Mittwochmorgen von der Türkei aus, unter anderem mit Helikoptern, auf irakisches Gebiet gebracht worden.

Die Operation «Tigerkralle» sei nach Beschuss der PKK und «anderer Terroristen» auf türkische Stellungen gestartet worden, teilte das Ministerium in Ankara weiter mit. Die Türkei übe ihr legitimes Recht auf Selbstverteidigung aus. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, mit Artilleriefeuer seien mehr als 150 Ziele beschossen worden. Eine Reaktion der kurdischen Regionalregierung im Nordirak lag zunächst nicht vor.

Am Donnerstag dann meldete aljazeera.com, laut türkischen Streitkräfte seien in 36 Stunden über 500 kurdische Ziele zerstört worden. Die Angriffe seien durch F-16-Kampfjets, Drohnen und Haubitzen ausgeführt worden.

Türkischer Botschafter einbestellt

Die PKK hat in den nordirakischen Kandil-Bergen ihr Hauptquartier. Sie gilt in der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation.

In den letzten Wochen hatte die Türkei ihre Militäreinsätze gegen die PKK in der Südosttürkei verschärft und auch immer wieder Ziele im Nordirak bombardiert. Erst am Montagmorgen hatte die türkische Luftwaffe schwere Angriffe im Nordirak geflogen. Dieser «Adlerkralle» genannte Einsatz richtete sich unter anderem gegen Ziele in den Kandil-Bergen und in Sindschar. Iraks Armeeführung hatte die Angriffe als «provokatives Verhalten» verurteilt. Die irakische Regierung in Bagdad hatte am Dienstag den türkischen Botschafter einbestellt, um gegen die Luftangriffe zu protestieren.

Der türkische Staat und die PKK bekämpfen sich seit Jahrzehnten. Im Juli 2015 war ein Waffenstillstand gescheitert. Seitdem fliegt das türkische Militär wieder regelmässig Angriffe gegen die PKK im Nordirak und in der Südosttürkei. Die PKK wiederum verübt Anschläge.

Nach Angaben der Denkfabrik International Crisis Group wurden in dem Konflikt seit dem Ende des Waffenstillstands vor fünf Jahren fast 5000 Menschen getötet. Darunter seien rund 1200 Sicherheitskräfte, fast 3000 PKK-Kämpfer sowie fast 500 zivile Todesopfer. Die Zivilisten seien vor allem bei Gefechten zwischen den beiden Seiten in der Südosttürkei oder bei Bombenanschlägen der PKK getötet worden.

(sda/dmo)

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