Türkei stellt Verfahren gegen Pamuk ein
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Türkei stellt Verfahren gegen Pamuk ein

Der Schriftsteller war wegen «Beleidigung des Türkentums» angeklagt worden, nachdem er sich zur Verfolgung von Armeniern während des Osmanischen Reiches geäussert hatte.

Der Prozess vor einem Istanbuler Gericht werde nicht fortgesetzt, berichtete der Fernsehsender CNN-Türk am Sonntag. Der umstrittene Prozess gegen Pamuk war kurz nach seinem Beginn im Dezember auf Februar vertagt worden. Es sollte eine Stellungnahme des türkischen Justizministeriums abgewartet werden.

Nachdem das Ministerium eine Stellungnahme abgelehnt habe, hätten die Richter die juristische Verfolgung Pamuks jetzt eingestellt, berichtete der Sender. Ein Ministeriumssprecher wollte sich zu dem Fernsehbericht am Sonntag nicht äussern, kündigte aber eine Stellungnahme für Montag an.

Der letztjährige Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und international renommierte Autor stand vor Gericht, weil er in einem Interview gesagt hatte, in der Türkei seien eine Million Armenier und 30 000 Kurden getötet worden.

Test für die Türkei

Die EU hatte den Prozess zum Test für die Umsetzung der beschlossenen demokratischen Reformen sowie für die Haltung der Türkei zur Meinungsfreiheit erklärt. Die EU führt mit der Türkei seit vergangenen Oktober Beitrittsverhandlungen.

Bei Massakern und bei Todesmärschen starben zwischen 1915 und 1917 zwischen 300 000 und 1,5 Millionen Armenier in Anatolien. Mehrere Länder stufen die Verbrechen als Völkermord ein. Aus Sicht der Türkei handelte es sich bei den Ereignissen dagegen um die tragischen Folgen einer Zwangsumsiedlung, die wegen des Krieges erforderlich gewesen sei. (sda)

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