Aktualisiert 30.12.2010 18:59

AmtsspracheTürkei sträubt sich gegen das Kurdische

Die kurdische Sprache soll niemals Amtssprache in der Türkei werden, sagt Präsident Abdullah Gül. Gleichentags wird ein kurdischer Journalist zu 138 Jahren verurteilt.

Der türkische Präsident Abdullah Gül (rechts, mit Nelken in der Hand) zu Besuch im kurdischen Südosten des Landes.

Der türkische Präsident Abdullah Gül (rechts, mit Nelken in der Hand) zu Besuch im kurdischen Südosten des Landes.

Der türkische Präsident Abdullah Gül hat die Einführung des Kurdischen als Amtssprache am Donnerstag ausgeschlossen. Bei ihrem wachsenden Bestreben nach regionaler Autonomie hatten kurdische Politiker und Aktivisten in den vergangenen Monaten verstärkt dafür geworben, Kurdisch offiziell als Amtssprache anzuerkennen. Ein Anliegen, das sie auch mit jenen Rebellen teilen, deren Kampf bisher Zehntausende Menschen das Leben gekostet hat.

Präsident Gül war am Donnerstag nach Diyarbakir gereist, der grössten Stadt im kurdisch-dominierten Südosten der Türkei. «Die offizielle Sprache der Republik Türkei ist Türkisch und so wird es bleiben», zitierte ihn die Nachrichtenagentur Anadolu. Gül war unter anderem zu einem Treffen mit dem pro-kurdischen Bürgermeister der Stadt, Osman Baydemir, nach Diyarbakir gekommen. Baydemir ist ein Verfechter von weiteren rechtlichen Zugeständnissen an die kurdische Bevölkerung und unterstützt ihre Autonomiebestrebungen. Das Kurdische und andere Sprachen von Minderheiten seien Teil des kulturellen Reichtums des Landes und seien durch die Verfassung geschützt, sagte Baydemir.

Erst am Mittwoch hatte der Nationale Sicherheitsrat den kurdischen Forderungen beschieden, dass das Land unteilbar sei und ein Bestreben, die türkische Sprache herauszufordern, nicht akzeptiert werde.

Journalist muss 138 Jahre ins Gefängnis

Und am Donnerstag hat ein Gericht einen kurdischen Journalisten zu 138 Jahren Haft verurteilt. Emine Demir wurde wegen einer Artikelserie verurteilt, die vom Gericht in Diyarbakir als «pro-terroristische Propaganda» für die kurdische Arbeiterpartei PKK angesehen wurde. Dies meldete die Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag.

Demir arbeitete früher als Herausgeber der kurdischsprachigen Zeitung «Azadiya Welat», die der PKK nahesteht. Er erhielt für jede einzelne der 84 zwischen 2008 und 2009 erschienenen Ausgaben eine Haftstrafe. Demir war auf Grundlage der umstrittenen türkischen Anti-Terror- Gesetze festgenommen worden. Die PKK kämpft seit 1984 gegen den türkischen Staat.

Zahlreiche Prozesse gegen Kurden

Die Debatte um die kurdische Sprache war im November wieder aufgeflammt, als Dutzende von Kurden - darunter auch Bürgermeister - sich wegen angeblicher Verbindungen zu der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) vor Gericht verantworten mussten. Das Gericht hatte die Forderung der Verdächtigen abgelehnt, sich selbst in kurdischer Sprache zu verteidigen. Begründet wurde dies damit, dass die Angeklagten die türkische Sprache beherrschten. (dapd)

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