Aktualisiert 04.01.2013 11:38

Grenzen überschritten

Türkei «zum Krieg gegen Syrien bereit»

In der Türkei wächst der Unmut über die grenzüberschreitenden Angriffe der syrischen Armee. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan droht dem Nachbarland mit Krieg.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat das Regime in Damaskus erneut vor Angriffen auf die Türkei gewarnt. Ankara habe alle Anstrengungen für den Erhalt des Friedens unternommen und werde dies fortsetzen, obwohl die Bemühungen oft der schwerere Weg seien, zitierten türkische Medien Erdogan am Freitag.

«Jederzeit sind wir mit allen unseren Möglichkeiten zum Krieg bereit», warnte Erdogan demnach am späten Donnerstagabend bei einer Konferenz türkischer Botschafter in Ankara. Aus Syrien sind in den vergangenen Monaten wiederholt Granaten in der Türkei eingeschlagen. Die türkische Armee reagierte mit Artilleriefeuer.

Libanon fordert Hilfe

Libanon hat die Weltgemeinschaft zur Unterstützung bei der Versorgung der Flüchtlinge aus Syrien aufgerufen. Das Kabinett teilte nach einer Sitzung mit, sie wolle die Arabische Liga und internationale Organisationen zu einem Dringlichkeitstreffen auffordern, um ihnen die Lage der Flüchtlinge zu erklären.

Ausserdem wolle sie die Geberländer aufrufen, «Libanon die versprochene Finanzierung zukommen zu lassen», um die Lasten mit dem Libanon zu teilen, erklärte die Regierung nach der Sitzung am Donnerstagabend. Das Kabinett, in dem Unterstützer und Gegner von Syriens Präsident Baschar al-Assad vertreten sind, ist in der Flüchtlingsfrage gespalten.

Bei der Sitzung lehnten die Minister der Freien Patriotischen Strömung (CPL) des christlichen Politikers Michel Aoun, der mit der syrienfreundlichen Hisbollah verbündet ist, weitere Hilfen für syrische Flüchtlinge ab. Wenn «wir in der Lage sind, hundert Kilogramm auf unseren Schultern zu tragen, wie sollen wir jetzt eine Tonne ertragen?», sagte Aoun vor der Sitzung.

Schliessung der Grenze diskutiert

Informationsminister Wael Abu Faur sagte später, das Kabinett habe intensiv über eine Schliessung der Grenze zu Syrien diskutiert. Diese Entscheidung sei aber unter anderem aus humanitären Gründen «nicht anwendbar».

Er könne sich nicht vorstellen, dass ein libanesischer Beamter zu «einer syrischen Familie auf der Flucht vor dem Tod sagen könnte: 'Ich hindere Euch daran, nach Libanon zu kommen'», sagte Faur. Ausserdem würde eine Grenzschliessung den Schmuggel fördern.

Nach Angaben der UNO sind bereits rund 125'000 Syrer nach Libanon geflohen, die Behörden in Beirut sprechen von 200'000 Flüchtlingen. In Syrien kämpfen seit Monaten Assads Soldaten und bewaffnete Aufständische gegeneinander. Im Konflikt kamen nach UNO-Schätzungen über 60'000 Menschen ums Leben. (sda)

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