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Kinospot mit DoppelmoralTürkinnen wählen SVP

Im neuesten Werbespot zeigt die SVP, wie attraktiv ihre Wählerinnen sind. Dabei haben die Kämpfer gegen die Masseneinwanderung ein Model mit Migrationshintergrund gecastet.

von
Ronny Nicolussi
Für gewisse SVP-Kreise keine «echte» Schweizerin, für den Kinospot jedoch schon: Model mit türkischen Wurzeln.

Für gewisse SVP-Kreise keine «echte» Schweizerin, für den Kinospot jedoch schon: Model mit türkischen Wurzeln.

Geht es um Kriminelle, sind eingebürgerte Schweizer für die SVP keine «echten» Schweizer. Geht es um schöne Frauen, sieht das ein bisschen anders aus. Seit dieser Woche läuft in den Schweizer Kinos ein Werbespot der Schweizerischen Volkspartei. Darin zu sehen sind drei attraktive Badenixen, die sich am Hüttnersee angewidert von einem muskulösen Euro-Turbo abwenden. Am Ende behauptet eine sonore Stimme aus dem Hintergrund, dass Schweizerinnen SVP wählten.

Doch sind sämtliche Darstellerinnen im Spot auch tatsächlich Schweizerinnen? «Natürlich!», heisst es auf dem Generalsekretariat der SVP auf Anfrage von 20 Minuten Online. Die Schauspielerinnen hätten alle einen Schweizer Pass. Einen Schweizer Pass schon. Doch reicht das für die SVP nicht immer, um auch Schweizer zu sein.

So forderte beispielsweise der Luzerner SVP-Kantonsrat Pius Müller im vergangenen Januar, dass bei Statistiken und Straftaten zwingend Angaben über einen allfälligen Migrationshintergrund gemacht werden müssten. Als Begründung sagte er damals zu 20 Minuten: «Für viele Schweizer ist es eine Beleidigung, wenn es heisst, ein Schweizer habe dieses oder jenes Verbrechen begangen und sich letztlich herausstellt, dass es ein Eingebürgerter war.»

Schweizer und «eingebürgerte Ausländer»

Ins gleiche Horn stiess zwei Monate später die Zürcher SVP-Kantonsrätin Barbara Steinemann. Sie forderte mit einer Motion eine Differenzierung zwischen eingebürgerten und gebürtigen Schweizern in den Statistiken der Verwaltung. Die Vorstösse von Müller und Steinemann sind nur zwei in einer ganzen Reihe. Bereits 2007 verlangte beispielsweise die SVP des Kantons Zürich, dass bei Mitteilungen von Polizei und Strafvollzugsbehörden zwischen Schweizern und «eingebürgerten Ausländern» unterschieden werden müsse. Einen Vorschlag, den auch die nationale Partei in ihrem Positionspapier «Die Forderungen der SVP zur Einbürgerungspolitik» aufgenommen hat.

Die Dame im Spot mit dem weissen Bikini und den dunklen Haaren, die auf Ihrer Webseite unter Herkunft «west-orientalisch» angibt, wäre somit – aus Sicht der SVP – keine Schweizerin. Schliesslich ist die 31-jährige Türkin gemäss Recherchen von 20 Minuten Online eine «eingebürgerte Ausländerin», wie es die SVP sagen würde. Im Generalsekretariat der SVP sieht man in der unterschiedlichen Wahrnehmung der Nationalität von Kriminellen und Badenixen jedoch keinen Widerspruch.

Das SVP-Video in voller Länge

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