Starke Inflation: Türkische Lira fällt zwischenzeitlich auf Rekordtief

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Starke InflationTürkische Lira fällt zwischenzeitlich auf Rekordtief

Die türkische Lira fiel zum Ende der Woche hin auf ein Rekordtief und erholte sich nur nach einer Intervention der Notenbank wieder leicht. Die Abwertung der Lira ist Hauptgrund für die Inflation in der Türkei, sagen Experten.

Die türkische Lira ist weiter im Sinkflug. Die Märkte fürchten den Einfluss von Recep Erdogan auf die Notenbank.

Die türkische Lira ist weiter im Sinkflug. Die Märkte fürchten den Einfluss von Recep Erdogan auf die Notenbank.

Keystone

Darum gehts

  • Ende Woche steuerte die türkische Lira zum Dollar auf die Marke von 8 Lira zu.
  • Viele Unternehmen und Finanzinstitute des Landes gelten als überschuldet.
  • Die türkische Bevölkerung leidet zunehmend unter der Inflation.

Die türkische Lira fällt weiter und steuerte Ende Woche zum Dollar auf die Marke von acht Lira zu. Bemühungen der Notenbank, am Devisenmarkt einzugreifen, liefen zu einem grossen Teil ins Leere, und auch die überraschende Zinserhöhung im September scheint inzwischen verpufft zu sein. Der Verfall der Landeswährung bringt das Nato-Mitglied zunehmend in Bedrängnis. Allein seit Jahresauftakt hat die Lira fast ein Drittel verloren – binnen eines Jahrzehnts sind es mehr als 80 Prozent. Ein Einschreiten der Notenbank machte zumindest etwas vom Verlust wieder wett.

Die Staatsverschuldung der Türkei gilt allgemein als tragbar. Anders sieht es aber bei den Unternehmen und Finanzinstituten des Landes aus. Viele haben in den vergangenen Jahren Kredite im Ausland aufgenommen, weil sie dort häufig niedrigere Zinsen zahlen müssen. Auf sie kommen allein in den kommenden zwei Monaten Rückzahlungen im Volumen von fast zehn Milliarden Dollar zu. «Eine weitere Abwertung der Lira würde die Bilanzen der Firmen weiter belasten und negative Auswirkungen auf die Investitionsaussichten haben», sagt Ugras Ulku, Chefanalyst für europäische Schwellenländer beim Institute of International Finance (IIF).

Schwäche der türkischen Lira schmerzt Bevölkerung

Die Schwäche der Währung macht sich in den Geldbeuteln der Bevölkerung bemerkbar. Die Inflation ist ein wunder Punkt für die Türkei, die auf eine Geschichte sehr stark steigender Lebenshaltungskosten zurückblickt – die Zeit der Hyperinflation wurde erst vor 17 Jahren überwunden. Im September ging die Teuerungsrate leicht zurück, liegt mit 11,75 Prozent aber weit über der Zielmarke der Notenbank von fünf Prozent. Experten rechnen nicht damit, dass sich die Inflation bald beruhigt.

«Wir gehen davon aus, dass die Abwertung der Lira der Haupttreiber der Inflation ist», sagt Goldman-Sachs-Experte Kevin Daly. Verliert die Währung an Wert, verteuern sich Einfuhren. Daly verweist zudem darauf, dass die Inflation zuletzt auch durch Steuersenkungen gedrosselt worden sei und der Preisdruck in der Kernrate weiterhin hoch sei.

Ein wichtiger Grund, warum Investoren das Vertrauen in die Lira verlieren, ist die Frage nach der Unabhängigkeit der Notenbank. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt als ein Verfechter niedriger Zinsen. Viele Investoren fürchten seinen Einfluss auf die Notenbank.

(Reuters/ore)

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