Aktualisiert

Türkischer Genozid-Leugner beleidigt Kurden

Der umstrittene türkische Historiker Yusuf Halacoglu hat mit der Behauptung, alevitische Kurden seien in Wirklichkeit ethnische Armenier, eine heftige Polemik ausgelöst.

Der Chef der pro-kurdischen Partei für eine demokratische Gesellschaft (DTP), Ahmet Türk, forderte die sofortige Entlassung Halacoglus als Vorsitzender der Türkischen Historischen Gesellschaft (TKK), wie die Zeitung «Today's Zaman» berichtete.

Der nationalistische Historiker, gegen den in der Schweiz ein Verfahren wegen der Leugnung des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich läuft, präzisierte am Dienstag laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu seine Aussagen.

Er habe gesagt, dass es Armenier gegeben habe, die sich als Kurden und Aleviten ausgegeben hätten, um der Deportation während des Ersten Weltkriegs zu entgehen.

Halacoglu hatte vor Kurzem in einem Zeitungsinterview erklärt, es gebe keine Kurden in der Türkei oder in den Reihen der Rebellenbewegung Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

«Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Kurden der Türkei tatsächlich turkmenischen Ursprungs sind und dass die kurdischen Aleviten der armenischen Volksgruppe entstammen», behauptete der Historiker.

DTP-Chef Türk sagte, mit solchen Aussagen schüre Halacoglu rassistische und separatistische Spannungen in der Gesellschaft. Auf diese Weise würden Menschen, die brüderlich zusammenlebten, gegeneinander aufgehetzt.

In der Schweiz eröffnete die Staatsanwaltschaft Winterthur im Frühjahr 2005 ein Verfahren gegen Halacoglu. Er hatte im Mai 2004 in Winterthur einen Vortrag gehalten und dabei den Völkermord an den Armeniern geleugnet.

Dies verstösst gegen die Anti-Rassismusstrafnorm. Das Verfahren ist sistiert, weil Halacoglu nicht mehr in der Schweiz war und bisher nicht einvernommen werden konnte.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.