Attacke auf Kinderfest: Türkisches Aussenministerium verurteilt «verheerende Tat» in Basel
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Attacke auf KinderfestTürkisches Aussenministerium verurteilt «verheerende Tat» in Basel

Am Sonntagabend wurde in Basel das türkische Kinderfest von mutmasslichen Anhängern der kurdischen PKK attackiert. Die Polizei sagt, es lagen keine Hinweise für eine Störung der Veranstaltung vor. Dafür erntet sie Kritik.

von
Lukas Hausendorf

Die Attacke wurde von mehreren Festbesucherinnen und -besuchern auf Video festgehalten.

News-Scout

Am Sonntagabend wurde das türkische Kinderfest auf dem Basler Marktplatz von mutmasslichen Anhängern der kurdischen PKK angegriffen. Mehrere Dutzend Männer seien am Angriff beteiligt gewesen, wie ein Familienvater gegenüber 20 Minuten berichtete. Fünf Verletzte wurden zur Behandlung ins Spital gebracht. Die Polizei konnte vor Ort fünf Männer im Alter von 24 bis 30 Jahren festnehmen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen ein Verfahren eröffnet. Bereits am Nachmittag kam es den bisherigen Ermittlungen zufolge zu verbalen Provokationen gegen die Festbesucherinnen und Festbesucher.

Das Kinderfest wird in Basel seit Jahren vom Türkischen Schulverein organisiert und gilt als unpolitische Veranstaltung. Der Feiertag der Nationalen Souveränität und des Kindes wird eigentlich am 23. April begangen und ist seit 1921 ein offizieller Feiertag in der Türkei. 

Das türkische Aussenministerium reagierte noch am Sonntagabend auf die «verheerende Tat» in Basel. Es verurteilte die Attacke aufs Schärfste. Dass sie ein Kinderfest im Herzen Europas ins Visier nehmen, zeige der internationalen Öffentlichkeit wieder einmal «das hässliche Gesicht der Terrororganisation», hiess es in einer Mitteilung. Die kurdische Arbeiterpartei PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft und verboten. In der Schweiz wurde sie bislang nicht verboten, der Nachrichtendienst des Bundes bezeichnet sie aber ebenfalls als «terroristische Gruppierung». In der Schweiz leben rund 60'000 Kurdinnen und Kurden, in der Region Basel ist die Diaspora sehr stark vertreten.

Polizei nicht vor Ort – «Das war blauäugig»

Es ist das erste Mal, dass das Kinderfest, das schon seit über zehn Jahren auf dem Basler Marktplatz stattfindet, Ziel einer Attacke wurde. Die Jahre zuvor sei die Veranstaltung problemlos verlaufen, sagt Adrian Plachesi, Sprecher der Basler Kantonspolizei, auf Anfrage. «Der Kantonspolizei lagen auch keine Hinweise auf eine Störung des gestrigen Anlasses vor.» Sie war deshalb auch nicht auf Platz, als die PKK-Anhänger zum Angriff ansetzten und musste zuerst alarmiert werden, wie mehrere Anwesende gegenüber 20 Minuten bestätigten.

War die Polizei da etwas blauäugig? Ja, findet der ehemalige SP-Grossrat Hasan Kanber. «Das türkische Kinderfest an so einem exponierten Ort stattfinden zu lassen, ist heikel», sagt er. «Umso mehr, wenn man um den Konflikt weiss.» Im Nordwestschweizer Fussballverband, wo er die Integrationskommission leitet, trenne man kurdische und türkische Vereine schon seit über 15 Jahren im Spielbetrieb.

«Fliesst in künftige polizeiliche Beurteilung ein»

Klar ist: Die Ereignisse vom Sonntag bleiben nicht ohne Folgen. «Die Ereignisse am gestrigen Sonntag werden selbstverständlich in die künftige polizeiliche Beurteilung dieser Veranstaltung einfliessen», sagt Plachesi. Die strafrechtliche Aufarbeitung des Angriffs hat erst angefangen. Die Staatsanwaltschaft sammelt noch immer Bild- und Videomaterial des Vorfalls und hat dafür ein Upload-Formular eingerichtet.

Der Türkische Schulverein Basel hat eine Anfrage von 20 Minuten zu den Ereignissen vom Sonntag noch nicht beantwortet.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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