Irak: Türkisches Konsulat gestürmt – 48 Geiseln
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IrakTürkisches Konsulat gestürmt – 48 Geiseln

Dschihadisten haben im Norden des Iraks ein türkisches Konsulat gestürmt und Dutzende Geiseln genommen. Darunter sind ein Diplomat, dessen Mitarbeiter sowie drei Kinder.

von
kko

Dschihadisten im Irak haben nach türkischen Regierungsangaben in der Stadt Mossul das Konsulat der Türkei gestürmt und 48 Menschen als Geiseln genommen. Ein türkischer Regierungsvertreter nannte diese Zahl am Mittwochnachmittag.

Die irakische Polizei hatte zuvor von etwa zwei Dutzend Geiseln gesprochen. Nach übereinstimmenden Angaben befinden sich unter den Geiseln auch der türkische Konsul Öztürk Yilmaz sowie drei Kinder und Soldaten einer türkischen Spezialeinheit, berichtet die «Hürryetdailynews». Die Geiseln seien zum Sitz der ISIS in Mossul gebracht worden.

Offenbar gelang es den türkischen Behörden bereits, die militante Gruppe zu kontaktieren. Alle Geiseln seien unverletzt, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine türkische Regierungsquelle. Die selbsternannten Gotteskrieger patrouillierten nach dem Überfall durch die Strassen und forderten Behördenmitarbeiter über Lautsprecher auf, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren.

Der türkische Konsul Öztürk Yilmaz hatte erst im September 2013 einen Bombenangriff auf seinen Konvoi überlebt und einen weiteren letzten Monat. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan veranlasste gemäss türkischen Medien eine Sondersitzung zu Situation.

Die islamistische sunnitischen Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) hatte in den vergangenen Tagen Mossul, Iraks zweitgrösste Stadt, und weite Teile der Provinz Ninive eingenommen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Tikrit eingenommen, Kämpfe in Samarra

Am Mittwoch fiel ausserdem Tikrit in die Hände der ISIS. Zwei Beamte in Bagdad sagten der Nachrichtenagentur AP, der in Tikrit ansässige Gouverneur werde vermisst. Tikrit war die Heimatstadt des früheren Machthabers Saddam Hussein. Einem Polizeimajor zufolge befreiten die Kämpfer in der zentralirakischen Stadt rund 300 Gefängnisinsassen.

Erst am Dienstag entführten ISIS-Mitglieder 28 türkische Lastwagenfahrer, als sie einem Kraftwerk in Mossul Diesel liefern wollten.

Weiter berichteten die Polizei und Augenzeugen von Kämpfen zwischen irakischen Aufständischen und Sicherheitskräften am nördlichen Eingang der Stadt Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad.

Selbstmordanschlag – 16 Tote

Dort sind am Mittwoch bei einem Selbstmordattentat mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen.

Der Attentäter habe sich in einer Menschenansammlung im schiitischen Armenviertel Sadr-Stadt (Madinat al-Sadr) in die Luft gesprengt und 16 Menschen getötet, berichteten Polizei und Ärzte. Im Irak hat die Gewalt in den vergangenen Tagen erheblich zugenommen.

Die ISIS kontrolliert auch Teile des Staatsgebietes im benachbarten Syrien, insbesondere die östliche Provinz Deir al-Sur. Die Dschihadisten erklärten am Mittwoch, nach der vollständigen Übernahme der Provinz Ninive um Mossul würden sie ihren «ruhmreichen Vormarsch» fortsetzen. Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki beantragte den Notstand, worüber das Parlament am Donnerstag entscheiden will.

Die ISIS kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat – dazu würden das heutige Syrien, der Libanon, Teile Jordaniens und Israels sowie der Irak gehören. (kko/sda)

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