Winterthur: Türsteher hat sich zu Recht gewehrt

Aktualisiert

WinterthurTürsteher hat sich zu Recht gewehrt

Glück für einen Sicherheitsbeamten eines Winterthurer Clubs: Er wurde freigesprochen. Der Türsteher hat laut dem Zürcher Obergericht verhältnismässig in eine Schlägerei eingegriffen.

von
Attila Szenogrady

Private Sicherheitsbeamte von Clubs stehen oft in einem Dilemma. Gehen sie zu harsch gegen renitente oder betrunkene Gäste vor, gelten sie als brutale, kriminelle Schläger. Bleiben sie aber zu passiv, werden sie oft als feige Schwächlinge bezeichnet. Dies musste auch ein heute 34-jähriger Security des Winterthurer Clubs „Zimmer 31" erfahren. Aufgrund eines Vorfalls vom 9. Oktober 2010 geriet er in die Mühlen der Strafjustiz.

Fest steht, dass in jener Nacht ein türkischer Gast vor dem Club für Unruhe sorgte. Er ging plötzlich auf einen der vier Türsteher los und versetzte ihm einen Faustschlag. Der Beschuldigte wurde Zeuge dieses Angriffs und griff ein. Dabei zog er den unerwünschten Besucher mit einem Nasengriff zurück. Worauf die übrigen Sicherheitsbeamten sowie ein Tischabräumer über den Türken herfielen und diesen mit Faustschlägen sowie Fusstritten spitalreif prügelten. Der Geschädigte erlitt unter anderem eine Gehirnerschütterung sowie Prellungen im Brustbereich.

Zuerst wegen Raufhandels verurteilt

Im Juni 2012 mussten sich die vier Türsteher sowie der Clubangestellte wegen Raufhandels zuerst am Bezirksgericht Winterthur verantworten. Dieses kam zu umfassenden Schuldsprüchen und sprach bedingte Geldstrafen zwischen 70 und 90 Tagessätzen aus. Der Beschuldigte, der den Nasengriff eingesetzt hatte, legte als einziger Berufung ein. Im Gegensatz zu den restlichen vier Beteiligten, die das Winterthurer Verdikt akzeptierten.

Am Donnerstag stand der beschuldigte Kosovo-Albaner vor dem Zürcher Obergericht und beteuerte seine Unschuld. So habe er nur eingegriffen, um die Lage zu beruhigen, erklärte er. Geschlagen habe er jedoch nicht. Auch der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch. Er sprach von einer rein defensiven Massnahme und einem äusserst professionellen Verhalten seines Klienten. Auch das Video der Überwachungskamera beweise, dass der Beschuldigte deeskalierend vorgegangen sei.

Freispruch dank Video

Das Obergericht folgte der Verteidigung und hob den Winterthurer Schuldspruch auf. Das Video beweise, dass sich der Beschuldigte deeskalierend in das Geschehen eingebracht habe. Der Winterthurer Richter habe dagegen pauschal alle Beschuldigten in den gleichen Topf geworfen.

Der Gerichtsvorsitzende hielt dem Freigesprochenen zugute, dass er verhältnismässig gehandelt und lediglich seiner Aufgabe als Türsteher nachgekommen sei. Mit dem Freispruch erhielt er eine Prozessentschädigung von 7821 Franken. Zudem wurde ihm für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft von 28 Tagen eine Genugtuung von 4000 Franken zugesprochen.

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