In-Club: Türsteher verprügelt wehrlose Gäste
Aktualisiert

In-ClubTürsteher verprügelt wehrlose Gäste

Ein Glattbrugger Rausschmeisser eines Zürcher Clubs hat zwei bereits überwältigte Gäste zusammengeschlagen. Der Mann wurde jetzt wegen mehrfacher Körperverletzung verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Ein Türsteher des Zürcher In-Clubs Mascotte hat zwei wehrlose Gäste verprügelt. Am Freitag beteuerte er vor Gericht vergebens seine Unschuld und kassierte eine hohe, bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 100 Franken.

«Ich will nicht den Kopf hinhalten für etwas, was ich gar nicht getan habe», erklärte der heute 49-jährige Ex-Security aus Glattbrugg am Freitag vor dem Bezirksgericht Zürich. Der kahlköpfige Beschuldigte arbeitete vor drei Jahren als Rausschmeisser im Zürcher In-Club Mascotte.

In der Nacht auf den 29. November 2008 stand er im Einsatz und bekam es kurz nach Mitternacht einigen unangenehmen Gästen aus der Westschweiz zu tun. Sie waren angetrunken und gerieten auf der Tanzfläche an einen Gast. Die Sicherheitsbeamten griffen sogleich ein und stellten drei Romands auf die Strasse. Unter ihnen zwei Brüder.

Bereits wehrlose Opfer verprügelt

Die Anklageschrift schilderte, wie nun mehrere Sicherheitsbeamte die beiden Brüder nacheinander überwältigten und an den Armen festhielten. Dann trat der Rausschmeisser aus Glattbrugg hinzu und prügelte auf die bereits wehrlosen Opfer ein. Dem ersten Geschädigten versetzte er so einen starken Schlag gegen das Ohr, dass er einen Riss im Trommelfell und damit einen Hörverlust erlitt. Dem zweiten, festgehaltenen Gefangenen schlug er zweimal seine Faust ins Gesicht.

Die verletzten Westschweizer schalteten kurz drauf die Polizei ein. Wobei die Beamten allerdings keine grosse Lust verspürten, eine Strafanzeige entgegen zu nehmen. Die Geschädigten suchten danach einen Polizeiposten auf, wurden dort aber auch abgewiesen.

Erst später gelang es ihnen, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft gegen mehrere Sicherheitsangestellte des Mascotte eine Strafuntersuchung einleitete.

Nur eine Ohrfeige zugegeben

Die aufwändigen Ermittlungen führten zu einer Anklage gegen den Security aus Glattbrugg. Er musste sich wegen mehrfacher Körperverletzung verantworten. Er habe einem Opfer, das ihn bedroht habe, bloss eine Ohrfeige gegeben, gab er zu, beteuerte aber ansonsten bei der Seele seines verstorbenen Vaters seine Unschuld. Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und sprach von einem verworrenen Fall mit zahlreichen widersprüchlichen Zeugenaussagen. Zudem hätten von den insgesamt sechs Türstehern drei Männer eine Glatze getragen. Weshalb eine Verwechslung nicht ausgeschlossen sei.

Von den Opfern zu 100 Prozent wiedererkannt

Allerdings hatte der Angeklagte Pech. So hatten ihn beide Opfer während der Untersuchung anlässlich einer Fotoauswahl zu 100 Prozent wiedererkannt und als Schläger identifiziert. Klare Aussagen, welche das Gericht zu einem Schuldspruch bewegten. Das Gericht stufte das Verschulden des bereits zweifach geschiedenen Vaters als erheblich ein und setzte eine hohe, aber noch bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 100 Franken fest.

Damit muss der Zürcher Unterländer die Hauptstrafe von 27 000 Franken nicht bezahlen. Allerdings muss er für die Gerichtskosten von 1 800 Franken aufkommen. Zudem soll er den beiden Geschädigten Schmerzensgelder von 4 500 Franken sowie 700 Franken berappen. Nicht zuletzt eine Prozessentschädigung von über 7 000 Franken.

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