Aktualisiert 28.02.2012 20:31

Abschied aus Syrien?

Tunesien bietet Assad Asyl an

Der syrische Staatschef Baschar al-Assad könnte mit seiner Familie nach Tunesien ins Exil gehen. Die tunesische Regierung wäre zu diesem Schritt bereit, wenn dies ein Ende der Gewalt in Syrien bedeuten würde.

von
hag/rme

Westliche Journalisten erzählen von ihren Erfahrungen in Syrien.

Tunesien hat sich zur Aufnahme des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad bereit erklärt. Wenn ein solcher Schritt zum Ende des Blutvergiessens in Syrien beitrage, sei Tunesien grundsätzlich gewillt, Assad und dessen Familie Asyl zu gewähren.

Dies sagte Präsidentenberater Adnen Monssar am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Präsident Moncef al-Marzouki hatte vergangene Woche als Gastgeber einer Konferenz der «Freunde Syriens» angeregt, dass Russland als Exil-Land für den Staatschef bereitstehen solle.

Verletzte Reporter aus Homs gerettet

Am Montag wurde der britische Journalist Paul Conroy mit Hilfe der syrischen Opposition und Kämpfern der Freien Syrischen Armee aus dem umkämpften Viertel Baba Amr in Homs geschleust und in den Libanon gebracht, wie die «BBC» berichtet.

Verwirrung herrscht um die verletzte französische Journalistin Edith Bouvier. Es sei nicht bestätigt, dass die Reporterin der Zeitung «Le Figaro» bereits im Libanon in Sicherheit sei, sagte Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Abend. Die Situation sei sehr komplex, daher sei er zuvor «unpräzise» gewesen. Wenige Stunden zuvor hatte Sarkozy erklärt, Bouvier sei aus Homs gerettet worden.

Beide Journalisten wurden am vergangenen Mittwoch bei einem Raketenangriff durch Assad-Truppen verwundet. Ihre Kollegen, die amerikanische Journalistin Marie Colvin und der französische Fotograf Remi Ochlik wurden bei dem Angriff getötet.

Conroys Vater bestätigte die Berichte, dass sein Sohn sicher im Libanon angekommen sei. «Wir haben gerade die Nachricht aus Beirut erhalten», wurde er von der BBC zitiert.

In einer Video-Botschaft auf Youtube sagte Conroy vergangene Woche, er habe drei grosse Wunden am Bein erlitten und werde von Ärzten der Freien Syrischen Armee versorgt. Die französische Journalistin Edith Bouvier wurde schwerer verletzt. In einem dramatischen Video flehte sie um ihre Evakuierung aus Homs.

Quelle: Youtube

Wieder Tote in Homs

Die syrischen Regierungstruppen sollen am Dienstag mehr als 40 Menschen getötet haben. Das berichteten Revolutionsaktivisten. Ihren Angaben zufolge griff die Armee die Ortschaft Halfaja nordwestlich der Stadt Hama mit Artillerie an.

Mindestens 20 Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Zahlreiche Opfer lägen noch unter den Trümmern ihrer Häuser. Elf Tote soll es in dem seit mehr als drei Wochen belagerten Stadtteil Baba Amro in Homs gegeben haben. Sechs Angehörige einer Familie seien bei einer Razzia in Homs ermordet worden.

Etwa 30 Studenten wurden laut Aktivisten in der Universität von Damaskus festgenommen. Vor der Universität von Aleppo hätten die Truppen des Regimes auf Studenten geschossen, die den Sturz des Regimes und die Hinrichtung von Präsident Baschar al-Assad gefordert hätten.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, fünf Soldaten seien bei einem Gefecht mit einem Trupp von Deserteuren in der Provinz Daraa getötet worden. Drei weitere Soldaten und mehrere Deserteure hätten Verletzungen erlitten. (hag/rme/sda)

Neue syrische Verfassung tritt in Kraft

In Syrien ist eine neue Verfassung in Kraft getreten, über die am vergangenen Sonntag abgestimmt worden war. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete am Dienstag, Präsident Baschar al-Assad habe ein entsprechendes Dekret erlassen. Die wichtigste Neuerung ist der Verzicht auf die bisher in der Verfassung verankerte Vormachtstellung der arabisch-sozialistischen Baath-Partei. Eine Bedrohung für das Assad-Regime ist dies jedoch nicht.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.