Rosengartenstrasse : «Tunnel ist finanzielles Grossabenteuer»
Aktualisiert

Rosengartenstrasse «Tunnel ist finanzielles Grossabenteuer»

Ein Rosengartentunnel und -tram für 1 Milliarde Franken: Die Pläne der Stadt und des Kantons Zürich stossen nicht überall auf Begeisterung.

von
som
1 / 11
Regierungsrätin Carmen Walker Späh nahm bereits am Donnerstag (09.02.2017) Stellung zum Projekt.

Regierungsrätin Carmen Walker Späh nahm bereits am Donnerstag (09.02.2017) Stellung zum Projekt.

ced
Noch ist der vierspurige Rosengarten eine der meistbefahrenen Strassen der Stadt.

Noch ist der vierspurige Rosengarten eine der meistbefahrenen Strassen der Stadt.

Keystone/Ennio Leanza
Künftig soll nur noch Quartierverkehr gestattet sein - und der Bus durch ein Tram ersetzt werden.

Künftig soll nur noch Quartierverkehr gestattet sein - und der Bus durch ein Tram ersetzt werden.

Kanton ZH, Visualisierung: Architron

Dreimal mehr Fahrzeuge fahren täglich über die Zürcher Rosengartenstrasse als durchschnittlich durch den Gotthard – noch dazu mitten durch ein Wohnquartier. Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) war deshalb am Dienstagmorgen entschlossen, diesem «Albtraum aus Asphalt» ein Ende zu setzen, wie sie an der Medienkonferenz anlässlich des Vernehmlassungsstarts betonte.

Auch die Stadträte Filippo Leutenegger (FDP) und André Odermatt (SP) zeigten auf, welcher Gewinn das 1-Milliarden-Projekt Rosengartentunnel und -tram doch für Zürich ist. Von einer Quartieraufwertung, einem besseren ÖV-System, weniger Abgasen und Staus war etwa die Rede.

Lichtsignal und Tempo 30 statt Tunnel

Weit weniger begeistert sind Odermatts Parteikollegen. In einer Mitteilung kritisieren sie vor allem, dass das Quartier frühestens ab 2030 mit dem Ende des Tunnelbaus entlastet werde. Besser als ein teurer Tunnel wäre laut der SP, dass einfache und günstige Massnahmen wie Lichtsignale und Tempo 30 vom Kanton nicht länger blockiert werden.

Wie die SP lehnt auch der Grüne-Gemeinderat und VCS-Co-Geschäftsführer Markus Knauss den Tunnel ab: «Er widerspricht den Grundsätzen der städtischen Politik, die den Individualverkehr reduzieren will.» Da sei man bereits auf einem guten Weg: «Immer weniger Städter haben ein Auto.»

200 Millionen Franken mehr als 2013 kommuniziert

Deshalb versteht Knauss nicht, warum für so viel Geld ein Tunnel statt einfach nur eine Tramlinie durch die Rosengarten- und Bucheggstrasse gebaut werden soll: «Das ist ein finanzielles Grossabenteuer.» Mit 1,073 Milliarden Franken koste das Projekt bereits 200 Millionen mehr als 2013 kommuniziert: «Mit der Unschärfe beim aktuellen Projekt von +/-30 Prozent könnte es sogar bis 1,4 Milliarden kosten», sagt Knauss.

Kritisch beurteilt auch die SVP die Kosten, wie sie schreibt: «Eine derartige Investition sollte auch den künftigen Bedürfnissen genügen und entsprechendes Erweiterungspotenzial aufweisen.» Positiv hingegen beurteilt sie, dass das Vorhaben die Kapazitäten des motorisierten Individualverkehrs im heutigen Rahmen zulässt und den Verkehrsfluss verbessern soll.

«Einmalige Chance für unser Quartier»

Bei der FDP freut man sich erwartungsgemäss und stützt seiner Regierungsrätin Walker Späh und Stadtrat Leutenegger den Rücken: «Endlich ist eine Lösung für den Rosengarten in Sicht.» Eine Milliarde sei zwar eine grosse Investition, wie sie schreibt. Für den Betrag gebe es aber auch einen grossen Gegenwert in Form von Verkehrsentlastung oder der Deckung der zunehmenden Mobilitätsbedürfnisse.

Auch Beni Weder, Präsident des Quartiervereins Wipkingen ist froh, dass in Sachen Rosengarten-Projekt endlich etwas geht: «Das ist eine einmalige Chance für unser Quartier.» Er setzt aber auch Fragezeichen, etwa beim Tunnelportal beim Wipkingerplatz oder beim Knotenpunkt Albisriederplatz: «Wir werden alles daransetzen, dass diese Plätze nicht zu sehr durch den Verkehr belastet werden.»

Deine Meinung