Kein Heimatschutz: Tunnel unter ausländischer Kontrolle?
Aktualisiert

Kein HeimatschutzTunnel unter ausländischer Kontrolle?

Für Economiesuisse gibt es bei einer zweiten Gotthard-Röhre kein Tabu – auch nicht, dass dereinst ein ausländischer Investor Maut kassieren könnte.

von
Marcel Amrein

Herr Reber, will sich die Wirtschaft den Gotthard unter den Nagel reissen?

Dominique Reber: Nein, für uns ist klar, dass es eine zweite Röhre braucht. Bei der sogenannten Public-Private-Partnership, die uns vorschwebt, würden sich private Investoren neben dem Staat am Projekt beteiligen. Aber auch ein ausschliesslich privater Tunnel ist denkbar. In- und ausländische Partner sind bereits auf uns zugekommen.

Der Gotthard ist ein Symbol der Schweizer Eigenständigkeit – sind ausländische Investoren da nicht heikel?

Im Gegenteil: Zum Glück sind Infrastrukturvorhaben bei uns so attraktiv, dass auch Ausländer dafür Kapital geben wollen. Das ist doch ein ausgezeichnetes Zeichen und stärkt die Schweiz.

Investoren wollen Rendite – wie viel würde uns die Fahrt durch den Gotthard kosten?

Denkbar wären rund 30 Franken pro Durchfahrt. Aber es gibt auch Pauschal- oder Abgeltungsmodelle.

Könnten Autofahrer dann zwischen dem Privattunnel und dem alten, öffentlichen Tunnel auswählen?

Es wird sicher nicht einen kostenpflichtigen VIP-Tunnel und einen staugeplagten Gratistunnel geben, das wäre ja absurd. Eher würde wohl auch der alte Tunnel von Privaten betrieben werden und nach Ablauf der Konzession fallen beide zurück an den Bund.

Werden die Schweizer private Infrastrukturen und Mautgebühren überhaupt akzeptieren?

Gewiss wird es Skepsis geben. Aber schauen Sie doch nur, wie sehr sich die französischen und italienischen Autobahnen verbessert haben, seit sie privat betrieben werden!

Skepsis wegen drohender Tunnelgebühren

Der Vorschlag von Economiesuisse stösst auf gemischte Reaktionen. Das Uvek nimmt ihn zur Kenntnis und verweist darauf, dass grundsätzliche Abklärungen über die Auswirkungen einer zweiten Tunnelröhre noch am Laufen seien. FDP-Nationalrat Markus Hutter, Vizepräsident der nationalrätlichen Verkehrskommission, findet die Idee einer Public-Private-Partner­ship hingegen keine schlechte Sache und will sie als Option nicht ausschliessen. Auch Luca Albertoni, Direktor der Tessiner Handelskammer, hat grundsätzlich nichts dagegen – obwohl er eine normale Finanzierung vorziehen würde und Angst hat, dass die Tunnelgebühren das Tessin ­benachteiligen könnten. Nichts von einer zweiten Röhre wissen will dafür Thomas Bolli vom Verein Alpen-Initiative, egal ob unter privater oder staatlicher Trägerschaft. Skeptisch äussert sich auch der Touring Club Schweiz (TCS): Er möchte am bisherigen Finanzierungsmodell für Strassenprojekte nichts ändern.

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