Aktualisiert 22.04.2010 07:39

Sex mit Tieren

Tut die Polizei zu wenig gegen Sodomiten?

Nach privaten Hinweisen hat die Polizei Hund und Computer eines bekennenden Sodomiten (23) beschlagnahmt. Laut Tierschützern werden die Zoophilen aber polizeilich viel zu wenig verfolgt.

von
Marlene Kovacs
Die Tierschützerin Edith Zellweger jagt Zoophile im Internet. (Marlene Kovacs)

Die Tierschützerin Edith Zellweger jagt Zoophile im Internet. (Marlene Kovacs)

«Anfang März bekam ich einen Tipp aus Deutschland, dass es sich bei D. B.* um einen Sodomiten handeln könnte», so Edith Zellweger, Leiterin der aktiven Tierschutzgruppe Salez SG.

Seither verbrachte sie Tag und Nacht vor ihrem Computer - und wurde auf einschlägigen Internetseiten fündig. Auf einem Zoophilen-Forum schrieb der 23-jährige Hundebesitzer aus dem Kanton Basel-Landschaft unter dem Usernamen Hundenase über seine sexuellen Vorlieben: «Also Arschkriechen finde ich geil, aber nur bei Hunden», oder: «Natürlich wäre es schön, mit einer Hündin Welpen zu machen.»

Zellweger leitete das Material an die Behörden weiter. Letzte Woche durchsuchte die Polizei sein Haus. «Dabei wurden verschiedene Datenträger sowie sein Hund beschlagnahmt», bestätigt Ludovica Del Giudice, Sprecherin des Statthalteramtes Arlesheim auf Anfrage. Eine Untersuchung wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit Tieren und wegen verbotener Pornographie wurde eingeleitet. Für Edith Zellweger ist der Fall aber noch lange nicht abgeschlossen. «Der weltweite Sodomiten-Ring sollte gesprengt werden», so Zellweger. Deshalb fordere sie auch die Behörden zu mehr Recherchen in diesem Bereich auf.

Andere Tierschützer schlies­sen sich dieser Forderung an: «Bei der Polizei hat die Jagd nach Sodomiten nicht oberste Priorität. Sodomie-Fälle sollten konsequenter verfolgt werden», sagt Vanessa Gerritsen von der Stiftung für das Tier im Recht.

* Name der Redaktion bekannt

Männer: Über 8% zoophil?

Zoophilie (umgangssprachlich Sodomie) bezeichnet die sexuelle Vorliebe für Tiere. «Es ist wohl das letzte Tabuthema in Sachen Sexualität», sagt Vanessa ­Gerritsen von der Stiftung für das Tier im Recht. Deshalb sei es auch schwierig zu sagen, wie viele Zoophile es in der Schweiz gibt. Zahlen wurden nur in den 1940er-Jahren in den USA erhoben. Damals gaben acht Prozent der befragten Männer an, schon zoophilen Kontakt gehabt zu haben. «Wir gehen davon aus, dass die Zahlen eher gestiegen sind», so Gerritsen.

In der Schweiz ist Sex mit Tieren seit September 2008 strafbar. Der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) werden im Jahr rund zehn einschlägige Internetseiten gemeldet. Dem Kobik sind aber die Hände gebunden, weil viele Seiten in Ländern registriert sind, in denen Zoophilie nicht verboten ist. Das am häufigsten sexuell missbrauchte Tier ist der Hund.

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