Aktualisiert 24.01.2012 13:49

«Commando Ultras»

TV-Doku porträtiert die Ultras von 1993

Frosch, Jimmy, Gök und Nevio waren in den 90er-Jahren in ganz Basel berühmt-berüchtigt. In der Doku «Narben der Gewalt» schauen die Ex-Ultras auf ihre wilde Zeit zurück.

von
Jonas Hoskyn
Jimmy, Gök, Frosch und Nevio (v. l. n. r.) werden heute noch auf den ersten Film von Filmemacher Alain Godet angesprochen. (hys)

Jimmy, Gök, Frosch und Nevio (v. l. n. r.) werden heute noch auf den ersten Film von Filmemacher Alain Godet angesprochen. (hys)

«Es ist absolut das Geilste, den Sauhünden den Kopf einzutreten»: Die Sätze von Frosch, Jimmy, Gök, Nevio und ihren Mitstreitern vom Basler «Commando Ultras» aus der TV-Dokumentation «Faustrecht» von 1993 sind noch heute schweizweit bekannt. Fast 20 Jahre später legen die ehemaligen Ultras nun Rechenschaft über ihre wilde Zeit ab – im Film «Narben der Gewalt» von Alain Godet, der am Donnerstag auf SF1 ausgestrahlt wird.

Die gefürchteten Schläger sind alt geworden, die Muskeln sind nicht mehr, was sie mal waren, der Platz in der Muttenzerkurve ist gegen ein Jahresabo auf der Tribüne eingetauscht, die Ultra-Fotos sind im Album eingeklebt. «Es hat halt länger gedauert, aber wir sind schon gereift», so Frosch, der sich nun Marcel nennt. «Und rumspringen tun wir bald nur noch im Rollator», grinst der 43-Jährige. Ihr Markenzeichen, die orange Bomberjacke, hat er weggeworfen. Er wolle nicht einer Illusion nachtrauern, so Marcel.

«Damit musst du abschliessen.» Er schlitterte damals knapp an einer mehrjährigen Haftstrafe vorbei. Bei Jimmy ist noch eine Gefängnisstrafe wegen schwerer Körperverletzung hängig: «Wenn das Uhrwerk in mir zu ticken beginnt, kann ichs nicht immer abstellen», so Jimmy. Deshalb bleibe er nun viel zuhause, versuche sich aus Ärger rauszuhalten. Er und Nevio haben beide je einen Sohn: «Wenn der ein Problem hat, kann er jederzeit kommen und darüber reden», so Nevio. «Ich glaub, das hat bei uns gefehlt.»

Damals: Szene aus «Faustrecht» von 1993. (YouTube)

«Die Ultras sind mir ans Herz gewachsen»

Herr Godet, warum haben Sie sich fast zwanzig Jahre nach Ihrem ersten Film nochmals mit den Basler Ultras auseinandergesetzt? Alain Godet: Die Ultras sind mir in den Jahren ans Herz gewachsen. Mich hat es gereizt zu schauen, was aus ihnen geworden ist. Es sind ja keine Tattoo-Monster, sondern sensible Menschen.

Herr Godet, warum haben Sie sich fast zwanzig Jahre nach Ihrem ersten Film nochmals mit den Basler Ultras auseinandergesetzt? Alain Godet: Die Ultras sind mir in den Jahren ans Herz gewachsen. Mich hat es gereizt zu schauen, was aus ihnen geworden ist. Es sind ja keine Tattoo-Monster, sondern sensible Menschen.

Wie haben sich die vier verändert?

Sie sind ehrlicher und stehen zu ihren schwachen Seiten. Schade ist, dass diese Erkenntnisse in der Praxis nicht immer funktionieren. Aber die Hoffnung ist da, dass sie auch anders handeln können.

Wo sehen Sie die Unterschiede von damals zu heute in punkto Fangewalt?

Das Erstaunliche ist, dass damals zwei Polizisten die ganze Muttenzerkurve im Griff hatten. Heute kommt man mit absurden Verboten. Aber das ist wie bei einem Kochtopf. Mit einem Deckel drauf steigt der Druck nur noch und dann explodiert das Ganze. (hys)

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