Aktualisiert 21.09.2011 08:01

Schlagabtausch

TV-Farce um den «Schimpansen» DSK

Der Vorwurf der versuchten Vergewaltigung gegen Strauss-Kahn, erhoben von Tristane Banon, wird zum TV-Duell. DSK sprach von einer Einbildung, jetzt schlägt Banon zurück.

von
Manuel Jakob

Am Sonntag hatte sich Dominique Strauss-Kahn in einem Interview beim französischen Fernsehsender TF1 gegenüber der Moderatorin Claire Chazal erstmals zu seiner sexuellen Affäre mit einer New Yorker Hotelangestellten geäussert. Darin ist er auch auf die Vorwürfe der Autorin Tristane Banon eingegangen, die ihn wegen versuchter Vergewaltigung während eines Interviews im Jahr 2003 angezeigt hat. Die Aussage Banons wies er als erfunden zurück, sprach von einer «eingebildeten Version». Es habe «keinen Akt der Aggression, keine Gewalt» gegeben. Mehr wolle er zu dem Fall nicht sagen, weil die polizeilichen Ermittlungen zu den Vorwürfen noch liefen.

Tags darauf sass ebendiese Tristane Banon in einem anderen französischen Fernsehstudio, nämlich demjenigen des Senders Canal+, und legte ihren Standpunkt dar. «Meine Leichtigkeit habe ich am 11. Februar 2003 verloren», sagte sie und erzählte aus ihrer Sicht, was sich an jenem verhängnisvollen Tag abgespielt habe. Sie hätten sich damals in einer Pariser Privatwohnung für ein Interview getroffen, wie «Le Monde» berichtet. Von Anfang an habe sie sich nicht wohlgefühlt, aber «ich hätte mir nicht vorstellen können, was passieren würde». Er habe die Wohnungstür mit einem Schlüssel abgeschlossen und ihn zweimal im Schloss gedreht. Sehr schnell seien sie daraufhin in einen Kampf verwickelt gewesen. Banon kommt in ihren Ausführungen in dem Interview zu einem eindeutigen Schluss: «Wenn ich nicht sehr, sehr viel Glück gehabt hätte, wäre es zu einer Vergewaltigung gekommen.»

Sollte die französische Staatsanwaltschaft ihre Anzeige nicht weiterverfolgen, so behält sich die 32-Jährige vor, eine Zivilklage gegen den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds anzustrengen, sagte sie in dem Gespräch weiter. Strauss-Kahn bestreitet nicht, dass er sich der Autorin an jenem Tag im Februar 2003 «angenähert» hat. Der 62-Jährige habe sich aber nicht genauer zu diesen «Annäherungen» geäussert, hiess es am vergangenen Freitag aus dem Umfeld der Vorermittlungen.

Tristane Banon bei Canal+ (Ausschnitt)

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Warum sie denn fast bis jetzt zu den Vorfällen geschwiegen habe, wurde Banon im Laufe des Interviews gefragt (vgl. Video oben). «Ich habe mir gesagt, ich werde einfach weitermachen wie bisher und mit dem Geschehenen leben», sagte sie. Sie habe ein einziges Mal darüber gesprochen, bei einem lockeren TV-Auftritt in festlichem Dinner-Dekor, «viel zu leichtsinnig», wie sie betont. Erst kurz vor der Aufzeichnung der Klatschsendung «93, Faubourg Saint-Honoré» von Thierry Ardisson auf dem Fernsehsender «Paris Première» sei sie damit konfrontiert worden, dass man «möglicherweise» ihre «amüsante» Geschichte, die sie mit einem Politiker erlebt habe, ansprechen wolle. Woher «Paris Première» von der Geschichte wusste, bleibt unklar.

In jenem Gespräch 2007 hatte Banon gesagt, Strauss-Kahn sei in dem Appartement über sie hergefallen «wie ein brünftiger Schimpanse». Damals allerdings war der Name des Beschuldigten ausgeblendet worden. Das Dekor der Sendung war ein festliches Essen mit Champagner, bei dem die Gäste mehr oder weniger anzügliche Anekdoten erzählten. Sie erwähnte in diesem Gespräch ihren aufgerissenen BH und eine Kampfszene am Boden. Keiner der übrigen Teilnehmer der Talkshow, unter ihnen prominente französische Intellektuelle, zeigte sich davon besonders schockiert.

(Video: Youtube/pepersan1)

Wie der Fall ins Rollen kam

Die junge Frau bedauerte in einem späteren Interview, dass sie sich zu dieser Art der Darstellung hatte hinreissen lassen. Ins Rollen kam die ganze Sache, weil sich ein Reporter des Internet-Nachrichtensenders «Agora Vox» evon Banon bestätigen liess, dass es sich bei dem «prominenten Politiker» um Dominique Strauss-Kahn gehandelt habe. In einem langen Gespräch hatte sie daraufhin diesem Reporter Auskunft über die Vorfälle gegeben. «Agora Vox» hingegen hat die Aufzeichnung dieses Gesprächs unter Verschluss gehalten - bis jetzt.

Interview mit Tristane Banon bei «Agora Vox», Teil 1 (mit deutschen Untertiteln)

(Video: YouTube/ForumTheatro1234)

Teil 2

(Video:YouTube/ForumTheatro1234)

Strauss-Kahn auf den Spuren Clintons

Im Laufe des Gesprächs vom Montagabend auf Canal+ zeigte der Moderator der Autorin, ihrem Anwalt David Koubbi und dem ebenfalls geladenen Daniel Cohn-Bendit, dem französischen Abgeordneten der Grünen im Europaparlament, einen verblüffenden videotechnischen Zusammenschnitt: Das Interview mit Dominique Strauss-Kahn von Sonntagabend, in dem er erstmals vor dem französischen Volk öffentlich zu Kreuze kroch, wurde der Fernseh-Entschuldigung von Bill Clinton gegenübergestellt, als dieser 1998 seine aussereheliche Affäre mit Monica Lewinsky gestand. Und es ist verblüffend, wie sehr sich die Kniefälle der beiden Machtmenschen ähneln – auch in Details (vergleiche Video unten). «Was passiert ist, war nicht nur eine unangemessene Beziehung. Es war mehr. Es war ein Fehler», hiess es am Sonntagabend bei DSK. «Tatsächlich hatte ich eine Beziehung zu Mrs. Lewinsky, die nicht angemessen war. Sie war sogar falsch», sagte seinerzeit der damalige US-Präsident Bill Clinton.

Und die Ähnlichkeit der beiden Erklärungen geht noch weiter. «Ein Fehler insbesondere gegenüber meiner Frau», führt Strauss-Kahn seine Rede weiter, während es bei Bill Clinton hiess: «Ich habe Menschen in die Irre geführt, sogar meine Ehefrau.» «Und ich bereue es zutiefst», schliesst Strauss-Kahn seinen Sermon. «Und ich bereue es zutiefst», schloss seinerzeit auch Clinton. «Das ist unglaublich», entfährt es daraufhin Tristane Banon im Studio. «Einfach unglaublich.»

DSK und Bill Clinton im Direktvergleich

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Mit Material der Agentur sda

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