Fettnapf Rassismus: TV-Moderatorin heult sich durch Entschuldigung
Aktualisiert

Fettnapf RassismusTV-Moderatorin heult sich durch Entschuldigung

Eine US-TV-Talkerin bricht vor laufenden Kameras in Schluchzen aus. Grund: Sie muss sich bei der Familie von Mitt Romney für Witze über deren schwarzen Adoptivenkel entschuldigen.

von
sut

Selbst scharfzüngige Schnellredner sind nicht gegen Emotionen vor der Kamera gefeit. Melissa Harris-Perry, eine afroamerikanische Moderatorin des amerikanischen MSNBC-Newskanals, konnte am Samstag ihre Tränen nur mit Mühe zurückhalten. Der 40-jährigen Professorin, Buchautorin und Kommentatorin brach am Samstag die Stimme – sie schaffte es kaum, ihre Entschuldigung bei der Romney-Familie zu Ende zu lesen.

Harris-Perry bat um Verzeihung dafür, dass sie sich in der Woche zuvor in einer Gesprächsrunde mit Komikern über den afroamerikanischen Adoptivenkel des früheren Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney lustig gemacht hatte. Die Runde hatte das Weihnachtsfoto der Familie kommentiert, auf denen das Ehepaar umringt von 21 Enkelkindern zu sehen ist. Baby Kieran sitzt auf Mitt Romneys Knie.

Kind als Objekt von Witzen

Kaum war das Foto zu sehen, begann eine Frau in der Runde ein Lied zu singen, das die Andersartigkeit des Babys beschrieb. Dann stellte sich Harris-Perry lachend eine mögliche Heirat von Kieran Romney mit North West vor, der Tochter von Kanye West und Kim Kardashian. Schliesslich fand ein dritter Kommentator, das Bild entspreche der republikanischen Partei: Auf deren Konvent im Jahr 2012 sei nur eine schwarze Person zu finden gewesen.

Die abschätzige Behandlung des Adoptivkinds fiel dem rechten Blog The Rightscoop auf. In der Folge brach im Internet ein Shitstorm los, auf den Harris-Perry reagieren musste. Zuerst entschuldigte sie sich auf Twitter, dann in Person vor laufender Kamera.

MSNBC in der Defensive

Wie sich die Diskussion entwickelt habe, sei «beleidigend» gewesen, sagte sie. «Ich bitte die Romney-Familie ohne Vorbehalt und ohne Abstriche um Verzeihung. Erwachsene, die ins öffentliche Leben treten, nehmen freiwillig weniger Privatsphäre in Kauf. Aber ihre Familien, speziell ihre Kinder, sollten nicht gefühllos oder gedankenlos behandelt werden.» Schluchzend weitete sie dann die Entschuldigung auf andere Familien aus, die Adoptionen über die Rassengrenzen hinaus vornehmen.

Melissa Harris-Perry wurde nicht nur emotional, weil die Gesprächsrunde an Tabuthemen gerührt hatte. Als Tochter eines afroamerikanischen Vaters und einer weissen Mutter kennt sie die gemischte Rassenidentität aus eigener Erfahrung. Zudem ist sie als MSNBC-Moderatorin ohnehin in der Defensive. In letzter Zeit sind gleich mehrere Exponenten des Obama-freundlichen Kabelkanals nach Fehltritten entlassen worden.

Romney gibt sich grosszügig

Zwei von ihnen meldeten sich nach der tränenreichen Entschuldigung auf Twitter mit zynischen Kommentaren zu Wort. Der Filmschauspieler Alec Baldwin, der über homophobe Sprüche gestolpert war, fragte in einem später entfernten Tweet: «Wenn ich heule, werden mir dann meine Verfehlungen vergeben?» Auch Keith Olbermann liess durchblicken, dass er sich ungerecht behandelt fühlte. «Sind da Erwachsene am Drücker?», tweetete der kontroverse Moderator, der den MSNBC-Kanal 2011 verlassen musste, weil er politischen Kandidaten Geld gespendet hatte.

Im Vergleich zu Baldwin und Olbermann übte sich der Betroffene Mitt Romney in Grosszügigkeit. «Ich anerkenne, dass die Leute von MSNBC einen grossen Fehler gemacht haben», sagte er am Sonntag bei einer Fox-Talkshow. «Sie haben sich dafür entschuldigt, mehr kann man nicht verlangen. Es war eine echte Entschuldigung, und deshalb hegen wir keinerlei Groll.»

Die ursprüngliche Aussage, für die sich die Moderatorin entschuldigte:

Und hier, was Mitt Romney dazu sagte:

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