TV-Show: Der Preis ist eine Niere
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TV-Show: Der Preis ist eine Niere

Drei Nierenkranke sollen bei einer Fernsehshow in den Niederlanden um das Organ einer todgeweihten Niederländerin wetteifern. Die Verantwortlichen meinen: Die Kandidaten haben so die besten Chancen auf eine neue Niere.

Bei der «Grossen Spendershow» am nächsten Freitag (1. Juni) werde die 37 Jahre alte Lisa darüber entscheiden, welcher der drei Kandidaten ihre Nieren erhalten soll, teilte der Sender BNN im Vorfeld mit.

Die Zuschauer können der Todkranken per SMS empfehlen, welcher Kandidat das Organ erhalten soll. «Moralisch falsch und verwerflich» nannte Joop Atsma, Medien-Experte der christdemokratischen Regierungspartei (CDA), heute das bizarre Konzept. Er werde die Show in der kommenden Woche im Parlament diskutieren lassen.

Produktion von Endemol

Die «Grosse Spendershow» ist eine Produktion der Firma Endemol. Das Unternehmen hatte 1999 bereits die umstrittene Containersendung «Big Brother» entwickelt, bei der die Zuschauer über die Bewohner einer Wohngemeinschaft abstimmen.

Auch der vor allem bei Jugendlichen beliebte Sender BNN war bereits mehrfach wegen provokanter Showkonzepte in die Kritik geraten, beispielsweise mit einem Sexkurs für Teenager. Im vergangenen Jahr startete eine Show, bei der Menschen zu ihren Sexgewohnheiten befragt und diverse Drogen ausprobiert werden.

BNN-Chef Laurens Drillich verteidigte am Samstag sein neuestes Konzept und betonte, die Show werde wie geplant über den Sender gehen.

«Die Bewerber haben eine Chance von 33 Prozent, eine Niere zu bekommen. Das ist wesentlich besser als bei Menschen auf der Warteliste», sagte er. Oft werde angenommen, dass Organe für Transplantationen nicht mehr so rar seien wie vor einigen Jahren. Das Gegenteil sei aber der Fall.

Der BNN-Gründer Bart de Graaf war vor fünf Jahren an einem Nierenleiden gestorben. Er hatte nach Angaben des Senders vergeblich auf ein Spenderorgan gewartet.

Mit der Sendung wolle man nun auf den Mangel an Organen hinweisen, teilte BNN mit. Die niederländische Regierung hatte kürzlich eine neue Kampagne gestartet, um die Öffentlichkeit zu motivieren, sich als potenzielle Organspender erfassen zu lassen.

(sda)

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