TV-Shows: Wer hat's erfunden?
Aktualisiert

TV-Shows: Wer hat's erfunden?

Abkupfern, übernehmen, aufpeppen – wenn es darum geht, neue Shows fürs deutschsprachige Fernsehen zu entwickeln, dann wird kopiert, was das Zeug hält. Doch warum ist am TV eigentlich alles nur geklaut?

von
Jonas Dreyfus

Begibt man sich auf die Spuren von deutschsprachigen TV-Shows wie Big Brother, DSDS oder GNTM, dann führen alle Wege ins Ausland. Jüngstes Beispiel dafür, wie bestehende Fernsehformate aufgewärmt werden, ist die neue Reality-Show von Quasselstrippe Gülcan, die an «A Simple Life» mit Paris Hilton anlehnt (20minuten.ch berichtete). Die Frage liegt auf der Hand: Fällt unseren TV-Machern eigentlich nichts mehr ein?

Kaum Neues seit den 50ern

«Wirklich neue Ideen gibt es im Fernsehen nur wenige», sagt Dominik Kaiser, Geschäftsführer beim Schweizer TV-Sender 3+. Die meisten Ideen, die wir heute kennen, stammten aus den 50er- und 60er-Jahren, wo sie für das amerikanische Fernsehen entwickelt worden seien, sagt Kaiser. «Fast alles wurde schon einmal ausprobiert. Heutzutage ist alles eine Weiterentwicklung der Weiterentwicklung der Weiterentwicklung...»

Sicherheit geht vor

Doch warum ist das so? Hauptgrund ist laut Kaiser die Sicherheit, dass bestehende Formate schon einmal bei einem Publikum funktioniert haben - man übernimmt etwas Bewährtes. Die Entwicklung eines Formates sei sehr aufwendig und langwierig. Bei einer Formatlizenz kaufe man hingegen ein komplettes Paket: Vom Schutz des Namens, der Entwicklung der detaillierten Inhalte bis hin zu den grafischen Elementen könne übernommen werden, was sonst viel Geld und Arbeit kosten würde. Kaiser: «In vielen Fällen werden bestehende Formate auch extrem aufgebessert. ‚Germany's Next Topmodel' ist zum Beispiel viel aufwendiger produziert als die Vorlage aus den USA.»

Ein Geben und Nehmen

Marco Meroni, Pressesprecher des Schweizer Fernsehens, spricht von einem Geben und Nehmen in der Fernsehlandschaft. «Es kann auch gut einmal sein, dass ein Format des Schweizer Fernsehen von einem anderen Sender aufgenommen wird.» Als Beispiel nennt Meroni die SF-Reisesendung ‚Einfachluxuriös', die unter dem Titel «Rucksack oder Luxus-Traum» auf dem deutschen Sender Vox zu sehen ist. Generell gelte, dass das Schweizer Fernsehen mehrheitsfähig sein muss. «Deshalb können wir auch nicht allzu sehr experimentieren.»

Im September 2008 startet auf SF 1 die neue Quiz-Show «1 gegen 100» als Nachfolge-Sendung des Flops «Zart oder Bart». Die Game-Show ist eines der erfolgreichsten Formate ihres Genres weltweit. Ob sie deshalb auch mehrheitsfähig ist für die Schweiz, wird sich zeigen.

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