Aktualisiert 20.01.2011 00:04

BerufswechselTV-Star Aebischer will in die Politik

Matthias Aebischer verlässt das Schweizer Fernsehen und kandidiert für die SP Bern als Nationalrat. Ein Interview mit dem TV-Moderator.

von
sut
Matthias Aebischer: «Nach 20 Jahren Journalismus bin ich für eine Veränderung ­bereit.» (Foto: srf/Stefan Krause)

Matthias Aebischer: «Nach 20 Jahren Journalismus bin ich für eine Veränderung ­bereit.» (Foto: srf/Stefan Krause)

Matthias Aebischer*, Sie verlassen das Schweizer Fernsehen und lassen sich für die SP Bern auf die Nationalratsliste ­setzen. Wie kommt das?

Matthias Aebischer: Einerseits bin ich ein Kind von politisch sehr aktiven SP-Eltern. Andererseits bin ich nach 20 Jahren Journalismus für eine Veränderung bereit.

Warum kandidieren Sie gerade für die SP?

Die SP hat ganz klar die edelsten Anliegen aller Parteien: Sie fördert eine soziale und umweltverträgliche Wirtschaft, forciert Investitionen in die Bildung und unterstützt den Mittelstand.

Sind Sie also der lebende Beweis, dass Paul Accolas Aussage, beim SF arbeiteten nur Linke, stimmt?

Die letzten Journalisten, die vom SF in die Politik wechselten, engagieren sich in bürgerlichen Parteien. Von daher lässt sich das so nicht generalisieren.

Wo setzen Sie politische Schwerpunkte?

Mein Fokus liegt auf dem Mittelstand. Die Banken- und die Wirtschaftskrise haben gezeigt, dass das Volk am Schluss die Zeche zahlt. So geht es nicht!

Denken Sie, Ihr breiter Bekanntheitsgrad wird Ihnen zu einem Wahlsieg verhelfen?

Die Bekanntheit ist im Wahlkampf nur das eine. Meine Aufgabe wird es nun sein, mich als Politiker zu profilieren und meine Positionen bekannt zu machen.

Was, wenn Sie nicht gewählt werden?

Ein Sportler, der ins Rennen geht und schon überlegt, was er beim Scheitern tut, der soll zu Hause bleiben. Ich sehe das für die Politik auch so und schätze meine Chance auf 50:50.

*Matthias Aebischer moderierte unter anderem

die «Tagesschau», den «Kassensturz» und den «Club». Der 43-Jährige ist ab sofort nicht mehr am Fernsehen zu sehen.

Vom Fernseh- ins Politikgeschäft

Was Matthias Aebischer vorhat, ­haben vor ihm bereits andere gemacht – beispielsweise Filippo Leutenegger, FDP-Nationalrat, oder Maximilian Reimann, SVP-Ständerat. Reimann, der vor seiner Wahl in den Nationalrat vor mittlerweile 24 Jahren Ansager und Sportreporter beim SF war, sagt: «Die Entscheidung, in die Politik zu ­gehen, habe ich keinen Moment bereut.» Leutenegger war unter anderem «Arena»-Moderator und SF-Chefredaktor, bevor er 2003 Nationalrat wurde. Er wollte die Kandidatur Aebischers nicht kommentieren. Iwan Rickenbacher, Polit-Experte und Kommunikationsberater, stellt fest: «Dass TV-Leute in die Politik abwandern, wird tendenziell zunehmen. Dabei kommt ihnen ihre Medienbekanntheit zugute, da immer

mehr Wähler sich nicht mehr an den

Empfehlungen der Parteien orientieren.»

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