Aktualisiert 25.06.2020 14:30

Eklat im Softball

Tweet an Trump sorgt für Spielabbruch und Team-Auflösung

Ein Foto, das zeigt, wie sie beim Spielen der Nationalhymne stehen, und die Worte, dass sie die US-Flagge respektierten: Dagegen wehrten sich 18 Spielerinnen eines Softball-Teams.

von
Erik Hasselberg
Spielerinnen des Softball-Teams Scrap Yard Fast Pitch während der Hymne vor dem Spiel. (Archivbild)

Spielerinnen des Softball-Teams Scrap Yard Fast Pitch während der Hymne vor dem Spiel. (Archivbild)

Foto: Scrap Yard Fast Pitch

Für einmal wurde dem Softball etwas zuteil, das der Sportart selbst in den sportfanatischen USA schon lange nicht mehr widerfahren ist. Sie wurde ins Rampenlicht katapultiert, als mit den USSSA Pride und Scrap Yard Fast Pitch zwei Profi-Teams in Melbourne, Florida, eine sieben Spiele umfassende Serie gegeneinander austragen sollten. Doch schon nach dem ersten Spieltag räumten alle 18 Spielerinnen der Scrap Yard Fast Pitch aus Texas ihre Spinde. Nie wieder wollten sie für ihre Organisation spielen. Was war geschehen?

Während des Spiels hatte ihre Managerin Connie May in einem an Donald Trump gerichteten Tweet auf dem offiziellen Kanal des Teams damit geprahlt, dass alle die US-Flagge respektierten. Dem Tweet, der inzwischen wieder gelöscht wurde, war ein Bild angefügt, das die Spielerinnen zeigt, wie sie mit aufs Herz gelegter Hand während der Nationalhymne stehen.

Sie wurden politisch missbraucht

Der US-Präsident hatte zuletzt häufig Sportlerinnen und Sportler dafür kritisiert, während des Spielens der Nationalhymne auf die Knie zu gehen und so ihren Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen people of color zum Ausdruck zu bringen. Am Anfang der Protestbewegung stand 2016 Quarterback Colin Kaepernick in der NFL. Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai sind die Themen Rassismus und Polizeigewalt omnipräsent und haben weltweit zu zahlreichen Demonstrationen mit Hunderttausenden Teilnehmern geführt.

Als die Spielerinnen nach dem Spiel am Montag ihre Garderobe betraten und eine Menge ungelesener Nachrichten auf ihren Handys erblickten, erfuhren sie erst, was ihre Managerin getan hatte. «Es war ein Schock», sagt die 37-jährige Cat Osterman, Goldmedaillengewinnerin an den Olympischen Spielen, gegenüber der «New York Times». «Ein wirklicher, echter, sprachloser Schock überfiel unsere Umkleide.»

War schockiert über den Tweet ihrer Team-Managerin: Cat Osterman, hier beim Aufwärem mit dem US-Team im Februar 2020.

War schockiert über den Tweet ihrer Team-Managerin: Cat Osterman, hier beim Aufwärem mit dem US-Team im Februar 2020.

Foto: Imago

Bei Diskussionen hätten die Spielerinnen schnell herausgefunden, was sie am meisten an Mays Post störte: dass sie ohne ihre Zustimmung in ihrer aller Namen gesprochen und ihrem Auftreten politisches Engagement zugrunde gelegt hatte, das einen Widerstand gegen die «Black Lives Matter»-Bewegung zum Ausdruck bringe. Eine Stunde hielten die Diskussionen an, bis die Spielerinnen entschlossen, dass sie die Trikots ihres Vereins nicht länger tragen könnten. Dabei wurden sie in ihrem Entscheid vom Coaching Staff der Scrap Yard Fast Pitch unterstützt.

Das Mass war voll

Das Team von 18 Spielerinnen im Alter zwischen 22 und 37 Jahren besteht grösstenteils aus weissen Spielerinnen. Als eine von zwei schwarzen Spielerinnen war Kelsey Stewart besonders von der Äusserung ihrer Managerin getroffen: «Ich hätte nie gedacht, dass sie sich nicht um mein Leben sorgt, bis zu jenem Tweet.» May sei zwar in die Garderobe gekommen und habe bekräftigt: «all lives matter» – ein Satz, der dafür kritisiert wurde, die Bedenken schwarzer Menschen zu entkräften. Daraufhin wurden alle nur noch wütender.

Sie ist eine von zwei schwarzen Spielerinnen im Team: Kelsey Stewart, hier während der Trials des US-Nationalteams 2019.

Sie ist eine von zwei schwarzen Spielerinnen im Team: Kelsey Stewart, hier während der Trials des US-Nationalteams 2019.

Foto: AP Phote/Sue Ogrocki

Die 25-jährige Stewart hätte dieses Jahr an ihren ersten Olympischen Spielen teilgenommen, bevor der Grossanlass aufgrund des Coronavirus auf 2021 verschoben wurde. Rassismus im Softball, einer überwiegend weissen Sportart, ist für sie schon so lange sie sich erinnern kann ein Thema. Auch für sie sei mittlerweile der Zeitpunkt erreicht, an dem sie nicht länger schweigen, die Ungerechtigkeiten nicht länger tolerieren könne. Mit dem Auflösen ihres Teams haben sie und ihre Mitspielerinnen dies mehr als deutlich gemacht.

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58 Kommentare
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Zürcher Ex-Pat

26.06.2020, 11:53

Ich arbeite viel mit Amerikaner auch solche die Trump fantastisch finden. Viele, nicht Alle, nennen sich nicht rassistisch aber finden es normal, dass Weisse die Macht haben. Für sie ist dass nicht rassistisch sondern normal. nicht normal ist es wenn "Nichtweisse" plötzlich auch Machtpositionen innehaben. Ausser beim Sport ist es für sie undenkbar, dass "Nichtweisse" dass sagen haben. so denken leider viele Amerikaner

ueli de chnächt

25.06.2020, 18:30

Was für ein Theater...

Fritz

25.06.2020, 18:07

Die Rassisten behaupten jeder Protest gegen Rassismus sei unamerikanisch und würde sich gegen die Flagge richten. Wie krank und unamerikanisch diese Rassisten doch sind.