Bundespräsident Ignazio Cassis – «Die Schweiz tut mehr als nur twittern»
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Bundespräsident Ignazio Cassis«Die Schweiz tut mehr als nur twittern»

Nach der Kritik wegen der zurückhaltenden Kommunikation seines Departements verurteilt der Aussenminister nun die «Gräueltaten» im ukrainischen Butscha.

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«Tweet war wohl zu fest in Verwaltungssprache verfasst»: Bundespräsident Ignazio Cassis. (Archivbild)

«Tweet war wohl zu fest in Verwaltungssprache verfasst»: Bundespräsident Ignazio Cassis. (Archivbild)

20min/Simon Glauser
«So funktioniert die Diplomatie. Sie ist vorsichtig», sagt der Schweizer Bundespräsident und Aussenminister Cassis.

«So funktioniert die Diplomatie. Sie ist vorsichtig», sagt der Schweizer Bundespräsident und Aussenminister Cassis.

20min/Simon Glauser
Dieses Bild vom 31. März soll ein Massengrab bei einer Kirche in Butscha zeigen. 

Dieses Bild vom 31. März soll ein Massengrab bei einer Kirche in Butscha zeigen. 

Maxar Technologies/Handout via REUTERS

Darum gehts

  • Nachdem die Schweiz die Massacker von Butscha als «Geschehnisse» bezeichnet hatte, hagelte es Kritik.

  • Nun rechtfertigt sich der Bundespräsident und spricht von «Gräueltaten».

  • «Tweet war wohl zu fest in Verwaltungssprache verfasst», sagt Ignazio Cassis.

Während Deutschland und andere Länder die Massaker von Butscha verurteilt und Russland als Täter genannt haben, sprach die Schweiz in ihrem Tweet von «Geschehnissen». Es hagelte Kritik von allen Seiten, auch am Departementsleiter, Aussenminister und Bundespräsident Ignazio Cassis. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» darauf angesprochen, sagt er: «Der Tweet war wohl zu fest in Verwaltungssprache verfasst. So funktioniert aber die Diplomatie. Sie ist vorsichtig.» Cassis zeigt sich jedoch tief betroffen von diesen «Gräueltaten»: «Es gibt kaum Worte, die stark genug wären, um eine solche Barbarei zu verurteilen.»

Das Aussendepartement habe am Sonntag zu einer unabhängigen Untersuchung aufgerufen. «Wir gehörten damit zu den ersten Ländern der Welt», sagt der Aussenminister weiter. Alles deute im Moment darauf hin, dass eine russische Täterschaft für die «krasse Verletzung des humanitären Völkerrechts» verantwortlich sei.

Dreifache Belastung

Die Schweiz werde zur Aufklärung der mutmasslichen Kriegsverbrechen ihren Beitrag leisten. «Die Schweiz tut mehr als nur twittern», sagt Ignazio Cassis. «Wir gehörten zu den Ersten, die eine unabhängige Untersuchungskommission beim Internationalen Strafgerichtshof, bei der OSZE und auch im UNO-Menschenrechtsrat in Genf gefordert haben. Wir helfen dort mit – indem wir Fachleute stellen und Geld geben.» Der russische Botschafter sei seit Mitte Februar schon viermal einberufen worden. 

Cassis sagt dem «Tages-Anzeiger» weiter, er werde während dieser Krise in dreifacher Hinsicht gefordert: als Mensch, Aussenminister und Bundespräsident: «Als Mensch belasten mich der Krieg und die Gräueltaten emotional. Als Aussenminister bin ich frustriert, wenn ich an das jahrelange Engagement der Schweizer Aussenpolitik für Frieden und gegen Krieg denke. Als Bundespräsident darf ich zwar einem krisenerprobten Kollegium vorstehen. Doch schon die Pandemie war ein Kraftakt für den Bundesrat, und jetzt haben wir eine noch gewaltigere Krise.»  

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(chk)

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