Aktualisiert 04.12.2018 16:17

Eklat beim Ballon d'Or

«Twerken ist nicht sexistisch»

Der französische DJ Martin Solveig sorgt bei der Ehrung der weltbesten Fussballerin für einen Sexismus-Eklat. Und plötzlich steht die Frage im Raum: Ist Twerken sexistisch?

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So reagiert Weltfussballerin Ada Hegerberg auf die unangebrachte Frage von DJ Martin Solveig. (Video: Tamedia)

Bei der Verleihung des Ballon d'Or in Lyon wurde zum ersten Mal auch eine goldene Trophäe an die beste Spielerin verliehen: Die Norwegerin Ada Hegerberg (23) wurde als Weltfussballerin gekürt. Der französische DJ Martin Solveig (42) übergab den Preis – und ruinierte den historischen Moment. Er fragte Hegerberg auf der Bühne unvermittelt: «Können Sie twerken?»

Diese reagierte mit einem knappen «Nein», Kopfschütteln und wandte sich vom Fragesteller ab. Der Vorfall überschattet nun die Preisverleihung. Die Empörung ist gross. Wir klären hier die Fakten, um Überblick zu schaffen.

Ist Twerken sexistisch?

«Nein, Twerken an sich ist nicht sexistisch, genauso wenig wie Poledance oder Bauchtanz», sagt Zita Küng, Juristin, Organisationsberaterin und Mit-Begründerin der Feministischen Fakultät. Mit der Einbettung seien jeweils Bewertungen und Zuschreibungen verbunden, die erst das Sexistische ausmachen.

Das bekräftigt auch Dr. Stevie Schmiedel, Geschäftsführerin von Pinkstinks.de und Genderforscherin: «Twerken an sich ist eine hochkomplexe Tanzbewegung und im Tanzsport nicht nur sexuell konnotiert.»

Was ist jetzt sexistisch an Solveigs Frage?

Entscheidend ist gemäss Zita Küng das Sachfremde. Konkret: Bei einer Preisverleihung, bei der es um Fussball ging und die Leistung von Fussballprofis im Zentrum stand, musste Hegerberg eine Frage beantworten, die nichts mit Fussball und ihrem Können zu tun hat.

«Eine Fussballerin scheint in diesem Männersport nur interessant, wenn sie auch typisch weibliche Stereotype bedienen kann», erklärt Stevie Schmiedel. «Die Frage, ob Ada Hegerberg twerken könne, reduziert sie zum sexuell attraktiven Objekt.» Fussballerinnen müssten «noch immer ihre Femininität bestätigen», um in dieser Männerdomäne wahrgenommen zu werden.

Was ist Twerken nochmal?

Twerking oder eingedeutscht Twerken ist ein Tanzstil. Das Wort ist englisch und gemäss der höchsten Wörter-Definitions-Instanz im englischen Sprachraum, dem Oxford English Dictionary, ist Twerken «ein sexuell provozierender Tanz» oder «ein Tanz, der auf stossende Bewegungen mit den Hüften oder dem Gesäss baut». Wie das aussieht, sehen Sie weiter unten.

Woher kommt das Twerken?

Der Tanzstil wurde im Süden der USA in den 1980er-Jahren populär, als einer der charakteristischen Tanz-Moves in der Hip-Hop-Szene von New Orleans. Twerking schaffte es 2006 zum ersten Mal in die US-Charts: Im Song «SexyBack» von Justin Timberlake (37) verwendet Rapper und Produzent Timbaland das Wort.

Wer twerkt?

Getwerkt wird nach wie vor primär in der Hip-Hop-Kultur, sei es auf Bühnen, im Club oder in Musikvideos. Rap-Superstar Cardi B (26) etwa zelebriert auf ihrem Instagram-Account gern ihr Twerk-Können.

Cardi B twerkt

(Quelle: Instagram)

Auch wenn Frauen viel häufiger twerken: Auf Social Media zeigen auch immer mehr Männer ihre Moves. Der US-Choreograph Mooney etwa hat über 200'000 Follower auf Instagram und gibt in Atlanta Twerk-Unterricht.

Auch Männer können twerken

(Quelle: Instagram)

Es gibt inzwischen auch weltweit Meisterschaften, in denen Tänzerinnen und Tänzer gegeneinander im Twerken antreten. Die Europa-Twerk-Meisterin 2018 kommt aus der Schweiz: Yanil Altagracia zeigt im Video, worauf es beim Twerken ankommt. Sie sagt: «Es geht nicht nur ums Füdli.»

Yanil ist Europameisterin im Twerking

(Video: S. Brazerol)

Wer hat Twerken berühmt gemacht?

Letztlich hat wohl Popstar Miley Cyrus (26) dem Twerking zu internationaler Wahrnehmung verholfen: Sie hat bei ihrer Performance an den MTV Video Music Awards 2013 vor Sänger Robin Thicke (41) getwerkt – und damit den Tanzstil aus der Rap-Szene in den Mainstream gehievt.

Schritt für Schritt, Twerk für Twerk

Diese Zunge! Dieses Hüftkreisen! Dieses Sich-in-den-Schritt-Fassen! Wie viel Laszivität lässt sich in eine Performance von sechs Minuten stecken? Ordentlich viel - wenn man Miley Cyrus heisst. (Video: Reuters)

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