PostFinance: Twint-App will die Supermärkte erobern

Aktualisiert

PostFinanceTwint-App will die Supermärkte erobern

In Coop-Filialen und in Poststellen: Hier lässt sich ab sofort mit der Twint-App bezahlen. Auch Überweisungen an Freunde sind damit neu möglich.

von
K. Wolfensberger

Das digitale Portemonnaie Twint der PostFinance ist lanciert. Dies verkündeten PostFinance-CEO Hansruedi Köng und Twint-Chef Thierry Kneissler am Dienstag an einer Präsentation in Zürich. Im Rahmen von Pilotversuchen war die Bezahl-App zuvor an Kassen einiger Shops getestet worden. Nun erfolgt der Start in Coop-Filialen der ganzen Schweiz. Bereits 1927 Kassen des zweitgrössten Schweizer Detailhändlers seien mit passenden Bezahlterminals eingerichtet.

Nicht nur an Coop-Kassen, auch in gewissen Online-Shops wie haar-shop.ch können die Kunden Twint ab sofort verwenden. Des Weiteren rüstet die Schweizerische Post in den kommenden Tagen die 80 grössten Poststellen des Landes auf das neue Bezahlsystem um. Weitere folgen 2016. Im Rahmen eines Pilotprojekts im Bahnhof Bern testen zudem die SBB Twint an ihren Billett-Automaten.

Direktes Aufladen vom Konto möglich

Im Gegensatz zu anderen Bezahl-Apps wie Apple-Pay in den USA funktioniert Twint ohne Kreditkarte und unabhängig vom jeweiligen Telekomanbieter. Um bezahlen zu können, müssen die Kunden zuerst Guthaben auf die Twint-App laden. Dies ist direkt möglich von Konten der Partnerbanken PostFinance, Berner, Thurgauer, Graubündner, Schaffhauser und Genfer Kantonalbank sowie Valiant Bank.

Ansonsten können Kunden in Poststellen, an Postomaten sowie in allen Coop-Filialen Guthaben kaufen und auf die App laden. Ausserdem verfügt Twint per sofort über eine neue Überweisungsfunktion. Nutzer können damit untereinander Geld in Echtzeit von Smartphone zu Smartphone senden. Dies ist ein direkter Angriff auf die Paymit-App der UBS.

Bluetooth statt NFC

Technisch funktioniert die App im Gegensatz zur Konkurrenz nicht mit Near-Field-Communication-Technologie (NFC), sondern mit Bluetooth. Die Begründung: Noch benutzen viele Personen in der Schweiz Smartphones ohne NFC-Funktion. Im Fall des iPhone 6 ist eine solche zwar vorhanden, doch erlaubt Apple externen Anbietern nicht, diese zu nutzen.

Der Nachteil an der Bluetooth-Variante ist aber, dass die Supermärkte an jeder Kasse ein eigenes, spezielles Twint-Bezahl-Terminal aufstellen müssen. Sonst lässt die App sich nicht einsetzen. Wie viele Läden ausser Coop dazu bereit sein werden, ist zum derzeitigen Zeitpunkt unklar. An der Pressekonferenz in Zürich hiess es, dass neben den Coop-Filialen auch 250 Shops, Restaurants und Bars mit Twint-Terminals ausgestattet seien.

Die Konkurrenz schläft nicht

Neben der PostFinance versuchen sich verschiedene weitere Akteure im Schweizer Mobile-Payment-Markt. So bietet Manor seinen Kunden zum Bezahlen die «Manor Mobile Card App». Ausländische Alternativen wie Apple Pay oder Google Wallet sind in der Schweiz hingegen noch nicht erhältlich.

Was braucht es für den Erfolg einer Bezahl-App?

Für den Luzerner Professor Andreas Dietrich hängt der Erfolg einer Bezahl-App von ihren Zusatzfunktionen ab. Gemeint ist zum Beispiel die Integration von Punktesammelkarten wie der Coop-Supercard im Fall von Twint. Auch eine einfache Bedienung oder eine Billet-Speicherfunktion können helfen, die Kunden für eine Bezahl-App zu gewinnen, ergänzt ZHAW-Bezahlexperte Sandro Graf. Allgemein gelte: «Lösungen, die sich nur auf das Bezahlen konzentrieren und keine anderen Mehrwerte bieten, haben es schwer.» Comparis-Spezialist Ralf Beyeler zeigt sich kritisch: «Alle denken, Bezahl-Apps sind die Zukunft und wollen sich ein Stück vom Kuchen abschneiden. Was dabei vergessen geht: Ein grosser Teil der Konsumenten hat derzeit noch grosse Sicherheitsbedenken in Bezug auf diese neue Technologie.» (kwo)

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