10.07.2015 21:38

Lernende Maschinen

Twitter kämpft mit Robotern gegen Pornos

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat hochintelligente Roboter gebaut, die einschlägiges Material erkennen. So soll der Porno-Flut Einhalt geboten werden.

von
pst
Anhand künstlicher Intelligenz ist das neue Twitter-Überwachungssystem nicht nur fähig, anstössige Bilder ausfindig zu machen, sondern soll auch Werbetreibenden helfen, ihre Produkte noch zielgruppengerichteter anzupreisen.

Anhand künstlicher Intelligenz ist das neue Twitter-Überwachungssystem nicht nur fähig, anstössige Bilder ausfindig zu machen, sondern soll auch Werbetreibenden helfen, ihre Produkte noch zielgruppengerichteter anzupreisen.

Twitter hat ein Porno-Problem. Dieses soll so gravierend sein, dass Werbetreibende sich vom sozialen Netzwerk zurückziehen. Sie befürchten nämlich, dass ihre Werbung neben aufreizenden Nutzer-Bildern auftaucht, wie die britische Zeitung «Independent» schreibt.

2014 hatte Twitter das Start-up Madbits gekauft, das an Technologien arbeitet, die anstössiges Material ausfindig machen und verbergen kann. Die pornobekämpfenden Roboter sind Teil einer umfassenden Strategie zum Aufbau künstlicher Intelligenz im Twitter-Netzwerk.

Pornos zu erkennen, ist für Maschinen schwer

Doch bei der maschinellen Erkennung pornografischer Bilder gibt es ein schwerwiegendes Problem: Sie zu identifizieren, ist für entsprechende Programme äusserst schwierig, wie Wired.com berichtet. Nahaufnahmen menschlicher Haut, «harmlose» Körperteile oder Bilder stillender Mütter gehören nämlich zu häufig geposteten Motiven. Einer Maschine beizubringen, diese nicht herauszufiltern, Bilder von Geschlechtsteilen aber schon, gehört zu den grössten Herausforderungen bei der Etablierung eines Überwachungssystems, das von einer künstlichen Intelligenz gesteuert wird.

Neurale Netzwerke sind so konzipiert, dass sie wie Menschen lernen. Anstatt ihnen mit Begriffen zu erklären, wie Porno-Bilder aussehen, füttert man sie mit haufenweise Anschauungsmaterial und zeigt ihnen die Identifikationsmerkmale. Das System wiederum wendet das Gelernte dann auf andere Bilder an.

System macht Nutzer transparent

Mit seinem neuen Porno-Überwachungssystem schlägt Twitter einen sehr ähnlichen Weg wie Google mit seiner Fotos-App ein. Das soziale Netzwerk will so eine sogenannte Twitter-Cortex entwickeln, die mithilfe von künstlicher Intelligenz automatisch Milliarden von Tweets analysieren soll.

Twitter-Cortex dürfte aber nicht nur zum Aufspüren schlüpfriger Inhalte verwendet werden. Da sie fähig ist, den gesamten Feed eines Nutzers auszulesen, könnte sie den Betreibern auch detaillierte Informationen über die Vorlieben des Users liefern. Twitter könnte die Informationen dann wiederum an Werbetreibende aushändigen, die ihre Produkte noch zielgruppengerichteter anpreisen könnten. Somit hätte Twitter die Abkehr von Werbe-Partnern ins Gegenteil gedreht.

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