Nachahmer: Twitter sticht in ein Wespennest
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NachahmerTwitter sticht in ein Wespennest

Die Ankündigung, dass Twitter an die Börse geht, hat die Dotcom-Gemeinde aufgeschreckt. Zahlreiche Firmen, darunter Dropbox, könnten ebenfalls ins Aktien-Geschäft einsteigen.

von
pru
Twitters Pläne an die Börse zu gehen, haben eine Welle von Nachahmer aufs Parkett gerufen.

Twitters Pläne an die Börse zu gehen, haben eine Welle von Nachahmer aufs Parkett gerufen.

Die milliardenschweren Börsenpläne von Twitter dürften eine ganze Reihe von Dotcom-Firmen auf das Handelsparkett locken. So mancher Neuling könnte sich angesichts florierender Aktienmärkte und einer grossen Nachfrage von Investoren schon bald in bislang unbekannte Gewässer trauen.

Zudem scheint die verpatzte Facebook-Neuemission im vergangenen Jahr vergessen, nachdem das Unternehmen Zweifel an seinem Geschäftsmodell weitgehend ausgeräumt hat und die Aktie auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Nach dem Facebook-Fiasko hatten über ein Jahr lang Softwarefirmen und Cloud-Computung-Anbieter den Markt für Neuemissionen dominiert.

Dropbox und Co.

Zu den heissesten US-Kandidaten aus dem Sillicon Valley, die nun in den Starlöchern stehen könnten, zählen Airbnb, Dropbox und Uber. Airbnb ist eine Internetplattform, über die private Vermieter ihren Wohnraum anbieten können. Dropbox ist ein 2007 gegründeter Webdienst, der die Synchronisation von Dateien zwischen verschiedenen Computern und Personen ermöglicht. Er kann damit auch zur Online-Datensicherung verwendet werden. Das Startup Uber vermittelt Limousinen.

Twitter geht an die Börse

Diesen Firmen wird 2014 ein Sprung auf das Börsenparkett nach einer guten Twitter-Vorlage zugetraut. «Alle diese Unternehmen könnten morgen an die Börse gehen, wenn sie organisatorisch bereit wären», sagt Jeremy Levine von der Beteiligungsgesellschaft Bessemer Venture Partners.

Auch Mobile-Payment-Anbieter wie Square werden als Anwärter für einen baldigen Börsengang gehandelt. Das Unternehmen ermöglicht den einfachen und ortsunabhängigen Geldtransfer über Smartphones.

Ein zunehmendes Vertrauen in die eigene Finanzkraft und eine bessere Beschäftigungssituation auf dem Arbeitsmarkt sollten die Privatanleger dazu verführen, bei kommenden Börsengängen zuzugreifen, erklärt George Zachary vom Risikokapitalfonds Charles River Ventures, der zu den ersten Twitter-Investoren zählt. «Eine starke Konjunkturerholung wird es den Leuten ermöglichen, mehr Geld in den Kauf von Internet-Firmen zu stecken, die auf den Verbraucher ausgerichtet sind», ergänzt er.

Anleger sind hungrig

Darüber hinaus gibt es genügend willige Abnehmer für neue Aktien. Einige Finanzberater wie Alan Haft von Kelly Haft Financial haben schon Anrufe von Interessenten erhalten. Die meisten der Kunden, die sich derzeit meldeten, hätten bereits in den Facebook-Börsengang investiert. «Seitdem Facebook seine positive Seite gezeigt hat, klopfen die Leute an», berichtet Haft. «Das Verlangen nach Tech-Aktien ist wieder da.»

Twitter sei auf seinem Wachstumspfad noch nicht so weit vorangeschritten wie Facebook damals bei seinem Börsengang. Das dürfte die Märkte in Aufregung versetzen, vermutet Chris Baggini, Portfoliomanager bei Turner Investments. Er schlug bei Facebook zu und will auch Twitter-Aktien kaufen.

Twitter hatte am Donnerstag bekannt gegeben, sich an die Börse zu wagen. Investoren schätzen den Marktwert des Kurznachrichtendienstes auf mehr als zehn Milliarden Dollar, teilweise reichen die Prognosen bis zu 14 Milliarden. Zum Vergleich: Facebook ist an der Börse momentan knapp 110 Milliarden Dollar wert.

Auch in Asien stehen grössere Deals an. So wird erwartet, dass der chinesische Internet-Händler Alibaba schon bald Aktien bei Anlegern platzieren wird. Die Chinesen könnten noch dieses Jahr, spätestens Anfang 2014 an die Börse gehen und dabei mehr als 15 Milliarden Dollar einnehmen. (pru/sda)

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