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Live at Sunset (Festival): 11. - 22. 7.Two together

Zwei Stimmen aus den Neunzigerjahren: Lauryn Hill und Skye bestreiten am Live at Sunset in Zürich die Donnerstagskonzerte. Ein Rückblick auf zwei Karrieren.

Sie tat, was Mariah Carey, Lenny Kravitz und Michael Jackson nicht auf die Reihe kriegten: abtreten, wenn es am schönsten ist. Aber von vorne: Lauryn Hill gründet 1988 zusammen mit ihren Schulkollegen Wyclef Jean und Pras Michael die Hip-Hop-Band The Fugees. Acht Jahre später gelingt der Band mit ihrem zweiten Album «The Score» und Songs wie «Killing Me Softly» und «Ready or Not» der grosse Durchbruch.

Doch Wyclef und Lauryn vertragen sich nicht. Lauryn ärgert sich darüber, dass Wyclef immer als Frontmann gehandelt wird, während sie bloss als sexy Mitsängerin gilt. Zudem zeigt er keinerlei Interesse an ihren Soloplänen. Kurz darauf wird Lauryn schwanger. Erst nach der Geburt ihres Sohnes Zion ist klar, wer der Vater des Kindes ist: Rohan Marley, Bob Marleys Sohn – und eben nicht Wyclef Jean, mit dem sie lange eine Beziehung geführt hat. Diese zwischenmenschliche Grenzerfahrung zieht weitere Komplikationen nach sich, und so gibt die Band 1998 ihre Auflösung bekannt.

1998 veröffentlicht Lauryn Hill ihre erste Soloplatte «The Miseducation of Lauryn Hill». Der Erfolg ist überwältigend: Die Scheibe verkauft sich zwölf Millionen Mal und bringt der Sängerin fünf Grammys ein – zu Recht, immerhin gehört das Hip-Hop-Album mit seinen wunderbaren Melodien und den aufrichtigen Texten zum Besten, was in den Neunzigerjahren erschienen ist.

Doch der Medienrummel um ihre Person wird Lauryn Hill zu viel. Sie zieht sich zurück, gibt aber noch in regelmässigen Abständen Konzerte. Brother Anthony, ein ominöser spiritueller Berater, wird ihr engster Vertrauter. Sie schlägt Rollenangebote in den Wind: Für «Charlie's Angels» springt Lucy Liu ein. Den Part in «The Bourne Identity» an der Seite von Matt Damon, das Angebot für «The Mexican» mit Brad Pitt und die letzten zwei «Matrix»-Filme – überall könnte sie mitspielen, will aber nicht. Dann folgt das Unplugged-Konzert für MTV 2002, ein Schock: Lauryn Hill – schwanger mit ihrem dritten Kind – krächzt mit gebrochener Stimme, begleitet jeden ihrer Songs mit den gleichen drei Gitarren-Akkorden und verwirrt die Zuschauer mit religiös-existenziellen Bemerkungen zwischen den Stücken.

Ein Star ist sie aber trotzdem geblieben. Vielleicht hat ihr der Rückzug auf dem Zenit der Karriere sogar den Status als Superstar gesichert. Zwar hat sie sich kein Imperium wie J.Lo geschaffen, aber die Zeit konnte ihrem Image nichts anhaben. Heute hat Lauryn Hill vier Kinder und ist immer noch mit Rohan Marley liiert. Seit einiger Zeit arbeitet sie in Miami an ihrem neuen Album. Und diesen Sommer ist sie wieder auf Tour. Sieht ganz so aus, als hätte sich die aufgewühlte Seele ein wenig beruhigt. «I had to lose myself so I could love you better», heisst es im allerneusten Song «Lose Myself». Dann wäre das ja geklärt.

Donnerstag, 12. Juli, 20.30 Uhr, Landesmuseum, Zürich.

Miss Morcheeba

Da lacht sich eine ins Fäustchen: Seit die Brüder Godfrey beschlossen, ihre charismatische Frontfrau Skye aus der Band zu beordern, ist es still geworden um die britische Trip-Hop-Combo Morcheeba. Die Musiker haben sich überschätzt: In den Neunzigern, als die Songs von Morcheeba auf Partys zum Standardrepertoire gehörten («Rome Wasn't Built in a Day» zum Mitsingen, «The Sea» für die Verliebten) und beim Kaffeetrinken im Hintergrund liefen, dachten alle, dass die Frau am Mikro Morcheeba heisse. So siehts aus: Wenn die Band aus der Band geschmissen wird, ist es natürlich vorbei mit der Band.

«Morcheeba zu verlassen, war echt das Beste, was mir passieren konnte», sagte Skye kurz nach der Trennung. Schon klar, denn die Mutter von zwei Kindern durfte als Solokünstlerin zum ersten Mal ihre eigenen Texte und Songs schreiben. Am ersten Soloalbum «Mind How You Go», das letztes Jahr erschien, gefällt Skyes charakteristische schöne Stimme, der man das breite Lächeln während des Singens anhört. Den Popsongs mangelt es aber noch an Ecken und Kanten. Was sich hoffentlich beim zweiten Album (an dem sie gerade arbeitet) ändern wird. Und in der Zwischenzeit, da gibt sich Skye Edwards am Live at Sunset in Zürich die Ehre.

Donnerstag, 19. Juli, 20.30 Uhr, Landesmuseum, Zürich.

LIVE AT SUNSET

DATUM: Mittwoch, 11. bis Sonntag, 22. Juli 2007

ZEIT: 20.30 UHR

ORT: Hof Landesmuseum, Zürich

Preise (in CHF): 55.- bis 170.-

VERANSTALTER: Impact Music Inc. in

Zusammenarbeit mit Good News

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