Aktualisiert

DeutschlandU-Bahn-Schläger sollen lange hinter Gitter

Für den brutalen Überfall auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn hat die Staatsanwaltschaft für beide Angeklagten lange Haftstrafen gefordert: Wegen versuchten Mordes beantragte sie zwölf Jahre Gefängnis für den 21-jährigen Serkan A. und neun Jahre Jugendstrafe für den zur Tatzeit noch 17-jährigen Spyridon L.

Die Verteidigung bestritt jede Tötungsabsicht und plädierte auf Jugendstrafen von höchstens vier Jahren beziehungsweise eine «angemessene Strafe» wegen gefährlicher Körperverletzung. In ihren Schlussworten betonten beide Angeklagte ihre Reue und ihre feste Absicht, sich zu bessern. Das Landgericht will sein Urteil am 8. Juli verkünden.

Die beiden jungen Männer hatten einen 76-Jährigen kurz vor Weihnachten mit Tritten gegen den Kopf lebensgefährlich verletzt, weil er sie auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte. Der von einer Überwachungskamera aufgezeichnete Überfall hatte eine bundesweite Debatte über Jugendkriminalität ausgelöst.

«Sie haben ihr Opfer heimtückisch zu töten versucht», sagte Staatsanwalt Laurent Lafleur in seinem Plädoyer. «Den Satz 'In der U-Bahn wird nicht geraucht' sollte Hubert N. mit dem Leben bezahlen.» Die Entschuldigung der Angeklagten bei ihrem Opfer sei nicht überzeugend, ihre Reue sei eher Selbstmitleid. Dass sie volltrunken gewesen seien, hätten Zeugen und Mediziner als Schutzbehauptung widerlegt.

Die beiden vorbelasteten Täter hätten den früheren Schulrektor zunächst als «Scheiss Deutscher, Schwein, deutsches Arschloch» beschimpft und bespuckt. Später hätten sie den arglosen 76-Jährigen auf dem Weg zum Ausgang von hinten niedergeschlagen und zwölf Mal mit aller Gewalt auf ihn eingeprügelt und gegen seinen Kopf getreten, um ihn zu töten.

Spyridon L. habe dem wehrlos am Boden liegenden Opfer «mit vollster Wucht nach Art eines Fussballers ins Gesicht» getreten. Das Überwachungsvideo zeige die ganze Brutalität und Grausamkeit des Angriffs, sagte Lafleur. Dass das Opfer mit einem dreifachen Schädelbruch und eine lebensgefährliche Hirnblutung überlebt habe, sei sei reiner Zufall gewesen.

Verteidiger kritisiert den «Herrn Oberlehrer»

Die Verteidiger der Angeklagten sagten, der Angriff der beiden Jungs sei ungeplant und unter dem Einfluss von Alkohol erfolgt. Es sei auch «nicht geschickt gewesen, die beiden offensichtlich Betrunkenen nach der barschen Art des Herrn Oberlehrers» zurechtzuweisen, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Kreuzer. Sie hätten den Rentner auch keinesfalls töten wollen. «Beide haben beim Weggehen erkannt, dass Herr N. noch am Leben war», sagte Kreuzer. Die harte Jugend von Serkan A. und Spyridon L. mit Schlägen zu Hause und Scheitern in der Schule sowie ihre Einsicht und Reue sei strafmildernd zu berücksichtigen. Ausserdem sei das Opfer auch wieder «fit und gut beeinander», betonte Rechtsanwalt Florian Wurtinger.

Gutachter sehen hohes Aggressionspotenzial

Gutachter bescheinigten beiden Angeklagten volle Schuldfähigkeit und eine starke Neigung zu ungehemmter Aggression. Sie seien sehr ichbezogen und impulsiv und könnten Regeln nur schwer akzeptieren, sagte der Psychologe Günther Lauber. Von Serkan A. seien auch in Zukunft ähnliche Taten zu erwarten. Er sei «für eine Therapie schwer zugänglich» und «sehr veränderungsresistent».

Bei dem Überfall waren die beiden jungen Männer nach Angaben einer Rechtsmedizinerin nicht volltrunken. Die von Überwachungskameras aufgezeichneten Bewegungen sprächen gegen die Angabe der Angeklagten, sie wären «total dicht» gewesen. Sie hätten sich völlig normal bewegt. Serkan A. konnte «auf einem Bein stehen und sich den Schnürsenkel binden», und Spyridon L. habe «in einer präzisen Bewegung Anlauf genommen und gekickt», sagte die Gutachterin. (dapd)

Deine Meinung