Aktualisiert 16.02.2005 10:18

U-Bericht Schilthornbahn: Tragseil schon 25 Jahre kaputt

Das Tragseil der Schilthornbahn ist bereits bei einer Verschiebung vor 25 Jahren beschädigt und darauf weiter geschwächt worden.

Diese Vorschädigung konnte laut Untersuchungsbericht mit dem üblichen Prüfverfahren nicht entdeckt werden. Bei rund 130 Anlagen sollen deshalb zusätzliche visuelle Kontrollen durchgeführt werden.

Die Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) des Bundes legte am Mittwoch einen Zwischenbericht zum Tragseilschaden der Schilthornbahn vor, der am vergangenen 29. Dezember die Evakuierung von 53 Passagieren per Helikopter nötig machte. Die Untersuchungen zeigten, dass es bei der ersten periodischen Tragseilverschiebung im Jahr 1979 zu einer mechanischen Vorschädigung der Oberfläche des Tragseils kam. Diese konnte mit dem üblichen magnetinduktiven Prüfverfahren nicht entdeckt werden. Der vorgeschädigte Teil wurde im Laufe der Jahre durch die so genannte Spannungsrisskorrosion weiter geschwächt, was schliesslich zum Tragseilschaden führte.

Das Seilsystem hielt laut Bericht den Anforderungen aber stand, da die konstruktiven Reserven des Seils grosszügig bemessen waren. Die Resttragkraft des beschädigten Seils zusammen mit der Tragkraft des unversehrten Seils sei genügend gross gewesen, eine Gefahr für die Passagiere habe nicht bestanden.

Mit dem Abschluss der Untersuchungen wird frühestens Ende kommenden März gerechnet. Im Zwischenbericht wurden aber bereits Sicherheitsempfehlungen zur Vermeidung ähnlicher Ereignisse zu Handen der Aufsichtsbehörde, dem Bundesamt für Verkehr (BAV) formuliert. Dabei wird bei gleichartigen Seilbahnsystemen eine visuelle Kontrolle der Tragseile in den relevanten Seilabschnitten vorgeschlagen. Der Dachverband Seilbahnen Schweiz begrüsste am Mittwoch die Massnahmen. Mit der zusätzlichen Kontrolle bei 130 Anlagen könnten die bereits hohen Sicherheitsstandards nochmals ergänzt werden. Der in der Schweiz bisher einmalig aufgetretene Seilschaden sollte damit künftig ausgeschlossen werden.

Dem Seilbahnunternehmen attestiert die UUS ein professionelles Handeln. Die Bahn wird voraussichtlich den Betrieb am kommenden 12. März wieder aufnehmen. (dapd)

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