U-Boot-Besatzung ist in Sicherheit
Aktualisiert

U-Boot-Besatzung ist in Sicherheit

Nach drei Tagen in 190 Metern Tiefe sind am Sonntag die sieben Besatzungsmitglieder eines russischen Klein-U-Bootes gerettet worden.

Ein britischer Tauchroboter durchtrennte die Kabel, in denen sich das U-Boot am Donnerstag vor der sibirischen Halbinsel Kamtschatka verfangen hatte. Der Zustand der Besatzung sei «zufrieden stellend», sagte Marinesprecher Igor Dygalo. Sechs der Männer wurden in einem Krankenhaus untersucht, einer blieb an Bord eines Lazarettschiffs.

Nachdem der britische Roboter «Super Scorpio» die Kabel gekappt hatte, wurde das 13,20 Meter lange U-Boot innerhalb weniger Minuten um 16.26 Uhr Ortszeit (03:26 Uhr MESZ) gehoben. Die Besatzung öffnete aus eigener Kraft die Luke und stieg aus, wie der stellvertretende Stabschef der Marine, Konteradmiral Wladimir Pepeljajew, mitteilte. Russische Rettungskräfte hatten sich zuvor vergeblich bemüht, das U-Boot in flachere Gewässer zu schleppen.

Pepeljajew dankte den Briten für ihre Hilfe, «die sie uns beim Abschluss dieser Operation in der zur Verfügung stehenden Zeit gaben - konkret, bevor der Sauerstoff ausgeht». Über die Sauerstoffvorräte der Besatzung hatte die Marine unterschiedliche Angaben gemacht.

Der britische Tauchroboter wurde nach einem Appell der russischen Marine um internationale Hilfe eingeflogen. Auch die USA schickten Rettungsausrüstung, die aber nicht mehr zum Einsatz kam. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow sagte: «Wir haben in Taten, nicht Worten, erlebt, was Bruderschaft der Weltmeere bedeutet.» Iwanow war am Samstag in Kamtschatka eingetroffen.

Das russische Vorgehen zur Rettung der Mannschaft stand im scharfen Kontrast zur «Kursk»-Katastrophe vor fünf Jahren, als die Marine in der Barentssee ohne ausländische Hilfe versuchte, die Besatzung zu retten. Alle 118 Seeleute kamen in dem Atom-U-Boot um. Präsident Wladimir Putin äusserte sich bis zum Sonntag nicht zu dem Drama auf Kamtschatka. Er beauftragte Iwanow lediglich mit einer Untersuchung des Vorfalls, wie der Kreml mitteilte.

Pepeljajew lobte die geretteten U-Boot-Männer als «unerschütterlich und sehr professionell». Mit ihrer Selbstbeherrschung sei es ihnen gelungen, Sauerstoff zu sparen und auf ihre Rettung zu warten, sagte er im Fernsehen. Die Männer hatten sich bei nur fünf Grad Celsius flach auf den Boden gelegt und so wenig wie möglich geatmet. Um Strom zu sparen, wurde das Licht abgeschaltet; Kontakt zu den Bergungsschiffen gab es nur sporadisch.

Politisches Nachspiel erwartet

Nach offiziellen Angaben nahm das Mini-U-Boot an einer Gefechtsübung teil, als es sich in einem 60 Tonnen schweren Küsten-Überwachungssystem auf dem Meeresboden verfing. Die russische Marine verfügt offensichtlich nicht über die finanziellen Mittel, Rettungssysteme für diese Tiefe vorzuhalten.

Das Unterwasserdrama wird trotz des glücklichen Ausgangs ein politisches Nachspiel haben. Der Chef der nationalistischen Partei Rodina, Dmitri Rogosin, sagte, er wolle wissen, warum die russische Marine keine Rettungssysteme wie die Amerikaner und Briten hätten. Und die Militärstaatsanwaltschaft solle auch ermitteln, «warum Fischernetze und Kabel im Gebiet von Marinemanövern herumliegen», wurde er von der Nachrichtenagentur Interfax zitiert.

(dapd)

Deine Meinung