Fall Wallisellen – Täter meldete sich nach Entführung bei Impfchef – U-Haft für Geschäftspartner

Publiziert

Fall WallisellenTäter meldete sich nach Entführung bei Impfchef – U-Haft für Geschäftspartner

Für den 34-Jährigen Geschäftspartner des bei einer Verhaftung in Wallisellen erschossenen 38-jährigen Mannes, T.W., wurde U-Haft angeordnet. Inwiefern die beiden Männer bei der Entführung von Christoph Berger kooperierten, ist weiterhin unklar.

von
Michelle Ineichen
Patrick McEvily
1 / 7
T.W. (34) ist der Geschäftspartner des bei der Verhaftung erschossenen 38-jährigen B.V. Seit Tagen haben Familienangehörige nichts mehr vom 34-Jährigen gehört. 

T.W. (34) ist der Geschäftspartner des bei der Verhaftung erschossenen 38-jährigen B.V. Seit Tagen haben Familienangehörige nichts mehr vom 34-Jährigen gehört. 

Privat
Beim Seidenplatz in Wallisellen fielen am Mittwochabend Schüsse.

Beim Seidenplatz in Wallisellen fielen am Mittwochabend Schüsse.

BRK News
Der 38-jährige B.V. hat sich gegen seine Verhaftung gewehrt.

Der 38-jährige B.V. hat sich gegen seine Verhaftung gewehrt.

BRK News

Darum gehts

  • Ein 38-jähriger Mann entführte am 31. März Impf-Chef Christoph Berger.

  • Am Mittwoch kamen der mutmassliche Entführer und seine Freundin nach einem Schusswechsel in Wallisellen mit der Polizei ums Leben.

  • Nun wurde für den Geschäftspartner des Toten U-Haft angeordnet. Tatvorwurf lautet unter anderem Beteiligung an der Freiheitsberaubung, Entführung sowie versuchte Erpressung.

Bei einer missglückten Verhaftung am Mittwochabend starben der 38-jährige B.V.* und seine Freundin B.S.* (28). Der Deutsche wird verdächtigt, Impf-Chef Christoph Berger eine Woche zuvor entführt zu haben. Ins Visier der Polizei ist auch ein Geschäftspartner des 38-Jährigen geraten. Die Zürcher Staatsanwaltschaft gab am Freitag bekannt, dass ein 34-jähriger Mann in einem Nachbarkanton festgenommen wurde. 

Das Zwangsmassnahmengericht hat inzwischen auf Antrag der Staatsanwaltschaft für den verhafteten 34-jährigen Schweizer Untersuchungshaft angeordnet. «Der Tatvorwurf lautet unter anderem Beteiligung an der Freiheitsberaubung, Entführung sowie versuchte Erpressung», sagt Erich Wenzinger, Sprecher bei der Zürcher Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Zum Tathergang der Entführung Ende März sind weiterhin nur wenige Details bekannt. Christoph Berger wurde gemäss eigenen Aussagen nur über einen kurzen Zeitraum festgehalten. Wie die «NZZ» am Montag schreibt, habe der Entführer anschliessend noch einmal Kontakt mit dem Impf-Chef aufgenommen. Daraufhin habe man den Mann ausfindig machen können.

Anhänger der Flat-Earth-Verschwörungstheorie

Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich beim Verhafteten um T.W.* Angehörige von T.W. bestätigen, dass sie seit Tagen nichts mehr von ihm gehört haben. Dass der 34-Jährige etwas mit der mutmasslichen Entführung zu tun haben könnte, glauben die Angehörigen nicht. Sie gehen davon aus, dass die geschäftlichen Beziehungen zu B.V. ein Grund für die Festnahme sein könnten, wie ein Verwandter am Sonntag gegenüber 20 Minuten sagte. Gemeinsam mit B.V. gründete der 34-Jährige im März 2020 ein Start-up für Nachbarschaftshilfe. Laut Tamedia-Zeitungen hatte die Firma finanzielle Schwierigkeiten. 

Auf Social Media zeigt sich der 34-Jährige als Anhänger der Flat-Earth-Verschwörungstheorie. Auf Facebook verbreitete er neben Corona-skeptischen Thesen den Verschwörungsmythos, die Erde sei eine Scheibe. Laut Recherchen des «SonntagsBlick» ist er zudem aktiver Teil der Corona-Massnahmengegner-Bewegung. So sei er unter anderem auf Fotos einer Corona-Demo in Liestal BL zu sehen. Ob der bei der Verhaftung erschossene B.V. Kontakte zu verschwörungstheoretischen Kreisen pflegte, ist bisher unklar.

«Der Täter hatte mich eine Stunde in seiner Gewalt»

Impf-Chef Christoph Berger äusserte sich am Sonntag in einem Schreiben zum Tatablauf. «Der mir bis dahin unbekannte Täter hatte mich eine gute Stunde in seiner Gewalt. Er hat mich in dieser Zeit mit der Forderung eines substanziellen Geldbetrags konfrontiert», so Berger. Diese Forderung habe er mit Drohungen verknüpft, was passieren könne, wenn er der Forderung nicht innert der von ihm genannten Frist nachkäme. Gemäss den Schilderungen der «NZZ» hinterliess der Entführer jedoch keinerlei Kontaktmöglichkeiten für die Übergabe des geforderten Geldbetrages. 

«Es standen also einzig wirtschaftliche Interessen des Täters im Vordergrund. Bezüge zu meiner Rolle als Präsident der Impfkommission machte der Täter dabei nicht», so Berger weiter. Nachdem er dem Täter die Erfüllung seiner Forderung zugesichert hatte, habe dieser ihn wieder freigelassen. «Ich habe mich danach sofort mit der Kantonspolizei in Verbindung gesetzt, die mich und meine verängstigte Familie seither sehr gut betreut.» Der Schutz seiner Familie stehe für ihn auch jetzt an erster Stelle. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Deine Meinung