Aktualisiert 27.11.2009 08:51

Nassim Ben Khalifa

U17-Star schwärmt für radikalen Muslim

Die Aussage von Nassim Ben Khalifa irritierte: Der U17-Stürmer sagte, er bewundere den umstrittenen Muslim-Führer Tariq Ramadan. Das Echo liess nicht lange auf sich warten. Doch nun krebst Ben Khalifa zurück.

von
Désirée Pomper

Die Schweiz feierte ihn als Stürmertalent der Schweizer U17-Weltmeister. Nachdem Nassim Ben Khalifa sich aber öffentlich als Bewunderer des umstrittenen Muslim-Führers Tariq Ramadan bezeichnete, wird Kritik laut: Nicht nur die «Weltwoche» stellte die gelungene Integration des jungen Muslims mit tunesischen Wurzeln in Frage. Auch Saida Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam ist irritiert durch das Bekenntnis des Fussballstars: «Ramadan ist nicht der Reformer, als der er sich gerne gibt. Er ist ein konservativer Muslim, der an alten Traditionen festhält.»

Dazu gehöre auch, dass die Frau nicht über ihren eigenen Körper und ihr Leben bestimmen dürfe. Auch Mina Ahadi, Präsidentin des Zentralrats der Ex-Muslime, wirft Ramadan vor, eine «gefährliche, menschenrechtsfeindliche Politik» zu verbreiten. Überrascht über Ben Khalifas Schwärmerei für Ramadan ist Keller-Messahli nicht: «Ramadan ist charismatisch, gutaussehend und übt eine grosse Faszination auf muslimische Jugendliche in ganz Europa aus.» Der junge Fussballer habe seine Aussage wohl nur aus einem Bauchgefühl heraus gemacht.

Gegenüber 20 Minuten krebst Ben Khalifa zurück: «Ich bewundere nur die Art und Weise, wie Ramadan am Fernsehen auftritt und spricht.» Er mache einen sehr intelligenten und kultivierten Eindruck. Ramadans religiöse und politische Aussagen will er so aber nicht unterschreiben: «Das ist nicht mein Gebiet.» Er selber vertrete eine liberale Lebens- und Denkweise.

Europäer sollen Islam und Scharia annehmen

Der Genfer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan ist heftig umstritten. Er gibt sich als Vorzeige-Muslim, während Kritiker ihn als verkappten Islamisten bezeichnen: Ramadan predige in Europa Frieden, während er vor Muslimen den dekadenten Westen geissle. Die Weltwoche beschrieb ihn deshalb als «Wolf im Schafspelz». So machte Ramadan etwa das Kopftuch kurzerhand zum Symbol der Emanzipation. Sein Ziel: Die Europäer sollen den Islam annehmen. Lokale Sitten würden toleriert, solange sie mit der Scharia vereinbar sind. Umstritten ist auch Ramadans Familie: Bruder Hani Ramadan verteidigt Steinigungen von Frauen wegen Ehebruchs, Grossvater Hassan al-Banna war Gründer der radikalen Muslim-Bruderschaft.

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