Aktualisiert 03.12.2019 13:43

Plattform-Ökonomie

Uber soll Fahrern eine halbe Milliarde schulden

Das Geschäftsmodell von Uber steht in der Kritik. Die Gewerkschaft Unia moniert, Uber soll seinen Schweizer Fahrern jährlich bis zu 99 Millionen Franken vorenthalten haben.

von
S. Spaeth
1 / 13
Dieser Streit tobt in Städten weltweit: Sind Uber-Fahrer Selbstständigerwerbende oder Angestellte?

Dieser Streit tobt in Städten weltweit: Sind Uber-Fahrer Selbstständigerwerbende oder Angestellte?

Roland Schlager
Uber argumentiert, man vermittle lediglich Fahrten.

Uber argumentiert, man vermittle lediglich Fahrten.

AP/Eric Risberg
Die Schweizer Gewerkschaft Unia hat nun ausgerechnet, was Uber seinen Schweizer Fahrern schulden würde.

Die Schweizer Gewerkschaft Unia hat nun ausgerechnet, was Uber seinen Schweizer Fahrern schulden würde.

Keystone/Valentin Flauraud

Sind Uber-Fahrer Selbstständigerwerbende oder Angestellte? Das ist die zentrale Frage in einem Streit zwischen der Firma aus Kalifornien, Gewerkschaften und Behörden in aller Welt. Uber argumentiert, man vermittle lediglich Fahrten. Die Kritiker hingegen sagen, die Fahrer seien Scheinselbstständige, weshalb Uber die Fahrer anzustellen und Sozialleistungen zu bezahlen habe.

Die Gewerkschaft Unia hat nun ausgerechnet, was Uber seinen Schweizer Fahrern schuldet. Es seien jährlich zwischen 63 und 99 Millionen Franken, wie der Unia-Transportverantwortliche Roman Künzler anhand einer konkreten Schätzung an einer Medienkonferenz darlegt. Seit Uber 2013 in der Schweiz gestartet ist, beträgt die Summe laut Unia bis zu einer halben Milliarde Franken.

Uber: «Es besteht kein Arbeitsverhältnis»

Laut der Gewerkschaft würde zudem auch die öffentliche Hand Geld verlieren. Den Schweizer Sozialversicherungen entgehen gemäss Unia-Angaben jährlich rund 20 Millionen Franken an Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen. Für die sechs Jahre, die Uber in der Schweiz aktiv ist, summiert sich dieser Betrag laut Gewerkschaft auf über 100 Millionen Franken.

Uber verteidigt sich gegen den Vorwurf der Scheinselbstständigkeit und teilt mit, man habe lediglich Partnerverträge mit den Personen, welche die Plattform nutzen und Fahrten anbieten wollen. In einer Stellungnahme schreibt die Firma: «Wir sind überzeugt, dass ohne Arbeitsverpflichtung auch kein Arbeitsverhältnis bestehen kann.»

Bist oder warst du Uber-Fahrer? Was bedeutet dir dieses Zusatzeinkommen?

«Bereits seit Jahren sind Fahrer in der Schweiz selbstständig. Den Fahrern, die die Uber-App verwenden, steht es vollkommen frei, wann und wie sie diese nutzen möchten», erklärt eine Sprecherin. Diese Flexibilität und Freiheit sei es, was die Fahrer am meisten schätzen. «Wir werden uns dafür einsetzen, dies zu bewahren und gleichzeitig den Schutz der Selbstständigen in der Schweiz zu verbessern», so die Sprecherin weiter.

Schlechtere Versicherungsdeckung und Lohndruck

Laut Professor Kurt Pärli von der Universität Basel müssten Plattform-Beschäftigte in der Regel als Angestellte gelten. Er hat diese Frage im Rahmen seiner Studie «Arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Fragen der Sharing Economy» geklärt. Gemäss Pärli macht es für die Fahrer einen grossen Unterschied, ob sie als Selbstständige oder Angestellte arbeiten: Die Versicherungsabdeckung für Angestellte sei deutlich umfassender. Zudem führt die Ausbreitung von Plattform-Beschäftigungsverhältnissen laut der Studie auch zu Lohndruck.

Uber schreibt, man verstehe, dass die Frage der sozialen Absicherung der Fahrer auch für die Schweiz von grosser Bedeutung sei. «Dabei sind wir der Ansicht, dass Flexibilität und sozialer Schutz sich nicht ausschliessen.» Zudem macht Uber die Entschädigung ihrer Chauffeure transparent: Durchschnittlicher Verdienst eines Fahrers mit der App sei 26.81 Franken pro Stunde. Dieser Betrag ist ohne Trinkgeld, aber nach Abzug der Servicegebühr von Uber. Zudem hat der Fahrer von den knapp 27 Franken die Kosten für sein Fahrzeug zu bezahlen.

Genf geht gegen Uber vor

Angesichts der «Dimensionen der Folgen» von Uber in der Schweiz dürften die Behörden laut Unia nicht länger zusehen und darauf warten, dass Fahrer ihre Rechte gerichtlich einklagen. Die Unia fordert, dass die Behörden die Gesetze durchsetzen.

In die Offensive gegangen ist bereits der Kanton Genf. Er hat im November entschieden, dass Uber ein Arbeitgeber ist und seine Fahrer regulär anzustellen hat. Uber müsse zudem die kantonalen Taxi-Gesetze einhalten, weshalb Genf Uber verboten hat, die Aktivitäten unter den aktuellen Bedingungen fortzusetzen. Uber wehrt sich aber beim Verwaltungsgericht gegen das Tätigkeitsverbot, weshalb der Dienst in Genf weiterhin aktiv ist.

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird. Abonnieren Sie hier den Wirtschafts-Push (funktioniert nur in der App)!

Social Media

Sie finden uns übrigens auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

Fehler gefunden?Jetzt melden.