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ZürichUberPop lässt Fahrer ohne Taxi-Lizenz ans Steuer

Die Taxi-Vermittlung Uber bietet einen neuen Dienst an: UberPop heisst der Service, bei dem Fahrer ohne Taxilizenz Kunden chauffieren. In Deutschland ist das verboten.

von
blu

Bei UberPop kann jeder Fahrer werden, der den Fahrausweis hat, mindestens 21 Jahre alt und versichert ist – auch ohne Taxilizenz und Taxiuhr. Damit will der Geschäftsführer des Ablegers in Zürich, Rasoul Jalali, einen Dienst anbieten, der Fahrer und Mitfahrer zusammenführt. «Das schont die Umwelt, weil Fahrzeuge besser ausgelastet werden», sagte er zum «Tages-Anzeiger».

In Deutschland ist die kommerzielle Beförderung von Personen ohne Personenbeförderungsschein nicht erlaubt. Eine Strafe von bis zu 250'000 Euro pro Fahrt kann bei einem Verstoss fällig werden. In Zürich sieht das anders aus: Ein Personentransport ist tatsächlich jedem erlaubt, der 21 Jahre alt ist und den Führerschein besitzt. Man darf aber nur alle zwei Wochen jemanden chauffieren, ansonsten gilt es bereits als gewerbsmässiger Transport.

Strafregisterauszug wird verlangt

Eine Kontrolle ist dabei jedoch schwierig: «Ein Polizist sieht einem Autofahrer ja nicht an, ob er den Beifahrer schon länger als fünf Minuten kennt, ob dieser ihm etwas bezahlt hat oder nicht und zum wievielten Mal er es schon tut», sagte Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi zur Zeitung. Uber-Chef Jalali spricht von keinem kommerziellen Betrieb: «Uber-Pop-Fahrer sind Leute, die neben ihrer Haupttätigkeit ab und zu Fahrten anbieten wollen. Dies also nicht professionell betreiben.» Ausserdem verspricht Jalali hohe Qualitätsstandards: Das Fahrzeug darf nicht älter als 10 Jahre alt sein, die Fahrer müssen zu einem Gespräch antreten und ein lupenreiner Strafregisterauszug wird verlangt.

Für Jalali ist UberPop aber nur der Anfang. Sein umstrittenes Unternehmen hat erst vor wenigen Wochen in San Francisco den Dienst Uber Pool gestartet. Für einen noch mal um 40 Prozent günstigeren ­Tarif können Uber-Kunden ihr «Taxi» mit anderen teilen. «Wenn drei oder vier Personen in den Uber-Wagen zusammen unterwegs sind, entlastet das den Strassenverkehr enorm. Das ist eine ganz neue Ära in der Geschichte der individuellen Mobilität.»

«Das ist eine Frechheit»

Der Taxisektion Zürich geht UberPop gegen den Strich: «Es ist eine Frechheit, dass jetzt jeder ohne Ausbildung und Lizenz Kunden herumfahren darf», sagte Vizepräsidentin Dolores Zanini zum «Tages-Anzeiger». Sie sei enttäuscht von der links-grünen Regierung, die von Taxifahrern hohe Lizenzgebühren einstecke, Uber aber gewähren lasse «und damit das Taxigewerbe kaputtmacht». Taxifahrer würden schon heute praktisch nichts verdienen.

Europaweit hat Uber bereits für grossen Unmut gesorgt. In mehreren europäischen Grossstädten streikten Tausende wütende Taxifahrer gegen den neuen Konkurrenten, der nach eigenen Angaben 30 bis 40 Prozent günstiger als ein herkömmliches Taxi ist. Beim 20-Minuten-Test war die Fahrt gar halb so teuer.

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