Bezirksgericht Zürich: UBS-Angestellter erfindet Raubüberfall – Freispruch

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Bezirksgericht ZürichUBS-Angestellter erfindet Raubüberfall – Freispruch

Ein offenbar geistig verwirrter UBS-Angestellter aus Uster hat bei der Polizei einen erfundenen Raubüberfall gemeldet. Die angebliche Beute liess er im Geldautomaten liegen.

von
Attila Szenogrady
Der 49-jährige Schweizer aus Uster wollte im Zürcher Letzipark an einem UBS-Bancomaten rund 4100 Franken beziehen.

Der 49-jährige Schweizer aus Uster wollte im Zürcher Letzipark an einem UBS-Bancomaten rund 4100 Franken beziehen.

«Wir gehen davon aus, dass der Beschuldigte damals in einem nicht normalen Zustand war», erklärte der Gerichtsvorsitzende anlässlich der Urteilseröffnung vom Donnerstag unverblühmt. Die Vorwürfe gegen den beschuldigten UBS-Angestellten aus der Rechtsabteilung der Grossbank gingen auf den 30. Januar 2013 zurück. Damals wollte der heute 49-jährige Schweizer aus Uster im Zürcher Letzipark an einem UBS-Bancomaten rund 4100 Franken beziehen. Fest steht, dass der Beschuldigte das Geld versehentlich im Auswurffach liegen liess.

Erfundene Räuberpistole

Ebenso sicher ist, dass der UBS-Angestellte noch am gleichen Nachmittag auf einem Polizeiposten in Zürich auftauchte und einen frei erfundenen Raubüberfall meldete. So hätten ihn zwei Männer überfallen und ihm 4100 Franken aus der Hosentasche gerissen, gab er zu Protokoll. Danach habe er die Diebe mit seinem Mobiltelefon fotografieren wollen. Worauf ihm einer der Täter gedroht habe, ihn «nach unten zu schicken», erzählte er. Die Polizei leitete nach der erfundenen Räuberpistole Ermittlungen ein.

Irreführung der Rechtspflege

Schon bald kam heraus, dass der Banker puren Unsinn erzählt hatte. Auch die vermeintliche Beute tauchte wieder auf. So hatte der Automat die vier vergessenen Tausendernoten und eine Hunderternote automatisch wieder eingezogen und seinem Konto wieder gutgeschrieben. Der Beschuldigte versuchte in der Folge vergeblich, seinen Strafantrag zurückzuziehen. Im Gegenteil: Er wurde nun selber wegen Irreführung der Rechtspflege unter Anklage gestellt.

Umstrittene Unzurechnungsfähigkeit

Am Donnerstag musste sich der UBS-Angestellte vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten und mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 100 Franken sowie einer Busse von 2000 Franken rechnen. Der langjährige Banker gab die Vorwürfe grundsätzlich zu, beteuerte aber infolge einer psychischen Ausnahmesituation dennoch seine Unschuld. So sei während der eingeklagten Tatzeit sein Vater verstorben und seine Mutter an Krebs erkrankt. Zudem habe er bei der UBS im Bereich der neuen Abwehr von IT-Geldwäscherei sehr viel arbeiten müssen. Auch während der Weihnachtszeit. Nicht zuletzt habe ihn die Scheidung von seiner Frau belastet, sagte er.

Ein psychiatrisches Parteigutachten attestierte dem Mann eine mittelgradige bis schwere Unzurechnungsfähigkeit.

Der Verteidiger verlangte deshalb einen vollen Freispruch. Sein Klient sei nach dem Geldverlust in Panik geraten und in seinem geistigen Zustand überzeugt gewesen, dass ihm das Geld von den beiden Männern gestohlen worden sei. Deswegen fehle bei der Anzeige jeglicher Vorsatz.

Allerdings war die Unzurechnungsfähigkeit umstritten. So ging ein vom Gericht bestellter Psychiater im Gegensatz zum Parteigutachter von einem vollständig geistig gesunden Zustand des UBS-Angestellten aus.

Freispruch mangels Vorsatz

Das Gericht zeigte zum Schluss Milde. Es sprach den Beschuldigten tatsächlich umfassend frei und ihm eine Entschädigung von 8000 Franken zu. Der zuständige Gerichtsvorsitzende hielt fest, dass dem Mann ein Vorsatz schlicht nicht nachzuweisen sei. Schlussendlich ging das Gericht damit auch von einer Art geistigen Umnachtung des UBS-Bankers zur Tatzeit aus.

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