Aktualisiert 08.12.2010 07:46

Anwärter für Chefwechsel

UBS bringt Grübel-Erben in Stellung

Die Berufung des früheren UniCredit- Bankers Sergio Ermotti in die Konzernleitung hat Spekulationen über die Nachfolge von UBS-CEO Grübel ausgelöst.

von
Albert Schmieder, Reuters
Sergio Ermotti oder Karsten Kengeter könnten Oswald Grübel beerben. (pd/Keystone)

Sergio Ermotti oder Karsten Kengeter könnten Oswald Grübel beerben. (pd/Keystone)

Zwar steht für Beobachter ausser Frage, dass der heute 67- Jährige erst zurücktreten wird, wenn er die in der Finanzkrise schwer angeschlagene Bank wieder in sicheres Fahrwasser gesteuert hat. Aber nach Einschätzung von Analysten beginnt der UBS- Verwaltungsrat nun damit, einen Kreis möglicher Nachfolger aufzubauen.

Der Tessiner Ermotti leitet ab 1. April 2011 die Geschäfte in den Regionen Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA). Zu seinen Aufgaben gehört es nach UBS-Angaben, «über alle Unternehmensbereiche hinweg» das Wachstum zu steuern und die Zusammenarbeit zu fördern.

Ermotti könnte der Nachfolger von Oswald Grübel werden, heisst es in einer Marktnotiz von Analysten der Deutschen Bank. Er ist aber nicht der einzige, der als Kronfavorit gehandelt wird. Als Kandidat für den Chefposten gilt auch der gebürtige Schwabe Karsten Kengeter. Der 43 Jahre alte Deutsche wurde kürzlich vom Co-Chef des UBS- Investmentbanking zum alleinigen Chef befördert.

Mit der Sanierung des Geschäfts mit festverzinslichen Wertpapieren (FICC) hat er sein Gesellenstück bereits abgeliefert. Im dritten Quartal schrieb Kengeters Investmentbanking aber rote Zahlen. Die UBS hatte ihn 2008 von Goldman Sachs abgeworben, bevor Grübel Anfang 2009 das Steuer bei UBS übernahm.

Grübel bleibt noch eine Weile

Vor zu frühen Nachfolgespekulationen warnt der Sarasin- Bankenanalyst Rainer Skierka. Ermottis Profil passe genausogut wie das anderer in der Konzerleitung. Grübel werde nicht gehen, bevor er nicht einen erfolgreichen Abschluss seiner Arbeit melden könne, argumentiert Skierka.

Unter anderem hat Grübel einen Vorsteuergewinn von 15 Mrd. Fr. spätestens für 2014 versprochen. Etwa 6 Mrd. Fr. soll Kengeters- Investmentbanking liefern. Fast 5 Mrd. Fr. sollen von der Vermögensverwaltung für Reiche (Wealth Management) kommen, das von Jürg Zeltner geleitet wird.

Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger, der mit 69 Jahren Grübels Generation angehört, hatte Mitte Oktober gesagt, er erwarte keine baldige Ablösung des Konzernchefs. Grübel und er selbst seien schon älter, aber die Bank brauche eine gewisse Stabilität. Der Verwaltungsrat sei gleichwohl dabei, Profile für die Nachfolger zu definieren.

Nachfolgerennen verloren

Der 50 Jahre alte Ermotti verlor im Oktober bei UniCredit das Rennen um die Nachfolge von Alessandro Profumo gegen den Italiener Federico Ghizzoni und mochte den Kurs des neuen Chefs nicht mittragen.

Er war 2005 nach 18 Jahren bei Merrill Lynch zu der italienischen Grossbank gekommen. Dort war er zuletzt stellvertretender CEO und zuständig für den Bereich Corporate an Investmentbanking sowie Private Banking.

Damit ist Ermottis Profil nicht so weit entfernt von dem seines Kollegen Kengeter. Allerdings liegt Ermottis Schwerpunkt mehr im Aktienbereich, während Kengeter als Zinsspezialist gilt. Aber beide haben Führungserfahrung im Investmentbanking.

Die beiden könnten sich ganz gut ergänzen, heisst es in einem Analystenbericht von Merrill Lynch. Als Vorteil für Ermotti könnte sich erweisen, dass er Schweizer ist. Allerdings war auch für den deutschstämmigen Grübel seine Herkunft kein Hindernis, vor knapp zwei Jahren den Schweizer Marcel Rohner an der Spitze der grössten Bank des Landes abzulösen.

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