Offline-Banking: UBS & Co. brauchen Social-Media-Strategien
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Offline-BankingUBS & Co. brauchen Social-Media-Strategien

Für UBS, Bank Sarasin und Julius Bär sind Facebook und Twitter kein Thema. Dabei könnten die Schweizer Institute von mehr Kommunikation mit ihren Kunden profitieren.

von
egg

Facebook war am frühen Mittwochmorgen für zwei Stunden nicht erreichbar. Was für viele User ein Problem war, dürfte bei den Schweizer Banken kaum bemerkt worden sein. Laut einer Analyse des Schweizer Anlegerportals Assetinum interessieren sich die Schweizer Banken nämlich kaum für die Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Co.

Zuoberst auf der Rangliste der am besten vernetzten Banken steht - es erstaunt kaum - eine US-amerikanische Bank, nämlich die Citibank. Auf Platz zwei liegt Société Générale aus Frankreich, auf dem dritten Rang ABN AMRO aus Holland. Die Credit Suisse (CS) belegt als führende Schweizer Bank den 22. Platz.

Die neun untersuchten Schweizer Institute – Credit Suisse, Pictet & Cie, UBS , UBP, Zürcher Kantonalbank, Lombard Odier Darier Hentsch, Julius Bär , Vontobel und Bank Sarasin – liegen mit durchschnittlich 20 von 100 möglichen Punkten abgeschlagen hinter ihrer internationalen Konkurrenz. Pictet (26) schneidet nach der CS am besten ab, die UBS liegt auf dem 33. Rang (siehe Liste am Ende).

Verschwiegene Schweizer Banken

Dabei wäre eine fortschrittliche Social-Media-Strategie auch bei den Schweizer Banken «dringend nötig», gerade auch angesichts der weltweit kritischen Presse, schreiben die Autoren der Studie. Einen Widerspruch zum Bankgeheimnis sehen sie nicht - im Gegenteil: Mit der Diskussion ums Bankgeheimnis werde eine offensivere Kommunikationsstrategie nötig. «Es ist höchste Zeit, dass die Schweizer Banken über den eigenen Schatten springen und ihre Zurückhaltung gegenüber Social Media in ihrem eigenen Interesse ablegen», sagt Assetinum-Geschäftsführer Benjamin Manz.

In der Studie wurde die Kommunikation der Banken auf Facebook, Twitter, YouTube, LinkedIn sowie die Social-Media-Integration in die Websites der Banken untersucht. Dabei stehen bei den Social-Media-Strategien der 50 führenden Banken nicht nur Finanzthemen im Vordergrund. «Auch Sponsoring-Kampagnen in den Bereichen Sport, Kunst, Wissenschaft, Kultur, Entwicklungshilfe oder Nachhaltigkeit sorgen auf Facebook & Co. für Aufmerksamkeit», heisst es. Die bestplatzierten Banken interagieren mit den Nutzern auf ihren Social-Media-Kanälen.

Besser auf «Shit Storms» reagieren

Doch warum sind die Sozialen Medien für Banken so wichtig? Auch das Medienverhalten von vermögenden Bankkunden habe sich nachhaltig verändert, und auch viele Anleger kommunizieren über die digitalen Medien. Diese Kanäle können die Banken vermehrt auch für den Reputationsaufbau und -erhalt sowie für die Kundenakquise nutzen.

Zudem können rufschädigende «Shit Storms» am besten verhindert werden, indem eine Bank selbst prominent in den wichtigen Social-Media-Kanälen präsent ist und so rechtzeitig auf die erhobenen Vorwürfe reagieren kann, schreibt Assentinum. Allzu lange sollten die Schweizer Banken mit ihren Social-Media-Aktivitäten nicht warten, rät die Studie. «Sie müssen sich beeilen, solange sie noch auf den Zug aufspringen können. Denn der Aufbau einer aktiven Internet-Community braucht Zeit», sagt Manz.

Nur zwei haben aktives Facebook-Profil

Bis anhin haben nur zwei Schweizer Banken ein aktives Facebook-Profil. Auch mit dem sozialen Nachrichtendienst Twitter kommunizieren die untersuchten Schweizer Banken nicht viel gekonnter: Zwar verfügen sieben der neun Institute über einen Twitter-Account, allerdings gehen nur zwei (Pictet und ZKB) aktiv auf die Tweets der Nutzer ein. Auch verfügen nur die UBS, die Credit Suisse und Pictet über mehr oder weniger aktive YouTube-Kanäle. Immerhin verfügen alle Schweizer Banken über ein LinkedIn-Profil, das aber vor allem den Human-Resources-Abteilungen zudienen soll.

Knapp die Hälfte der Institute integrieren Social Media nur ungenügend in ihren Internet-Auftritt. In der Schweiz bindet sogar nur die CS Social Media einigermassen prominent in die eigene Website ein. Von den 50 Banken verfügen 19 über einen eigenen Blog, darunter ist aber keine einzige Schweizer Bank. Nur UBS, UBP, Pictet und Lombard Odier verfügen über eine fokussierte Subsite zu Wealth-Management- oder Private-Banking-Themen.

Hier sehen Sie die Rangliste der Banken (für Vergrösserung klicken):

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