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QuartalszahlenUBS enttäuscht Analysten – Aktie verliert

Die UBS schafft dank einem Sondereffekt im dritten Quartal einen Gewinnsprung auf 2,1 Milliarden Franken. Ansonsten konnte die Bank die Erwartungen der Analysten nur teilweise erfüllen.

Legende (Archiv)

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Die UBS hat das dritte Quartal dank einer Steuergutschrift mit einem Reingewinn von 2,07 Milliarden Franken abschliessen können. Geschäftlich lief es der Bank ansprechend, wenn auch Sonderkosten auf das Ergebnis gedrückt haben. Damit hat die Grossbank das Resultat vom Vorquartal (1,21 Milliarden Franken) und vom Vorjahresquartal (0,76 Milliarden Franken) deutlich übertroffen.

Für einmal sind diese Vergleiche jedoch nur bedingt aussagekräftig. Denn das Ergebnis wurde wesentlich von Sondereffekten geprägt. So kam der Gewinnsprung nur dank einer Steuergutschrift im Umfang von 1,3 Milliarden Franken zustande. Auf der anderen Seite haben Restrukturierungskosten in der Höhe von 298 Millionen Franken und Rückstellungen von 592 Millionen Franken für Rechtsfälle auf das Ergebnis gedrückt.

Aktie verliert zweitweise fast 5 Prozent

Bei Handelsbeginn sackte der Kurs der UBS-Aktie um mehr als 4 Prozent ab. Danach erholte er sich leicht, sank bis 10.20 Uhr aber wieder und erreichte noch 19.07 Franken, was einem Minus von 4,7 Prozent gegenüber dem Stand vom Vorabend entspricht.

In Händlerkreisen hiess es, der UBS sei es nicht gelungen, an das starke Zweitquartalsergebnis anzuknüpfen. Die Zahlen wurden als durchzogen bewertet, auch wenn das Konzernergebnis dank der Steuergutschrift die Erwartungen klar übertroffen hat. Operativ blieb das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen. Kritisiert wird unter anderem auch der Neugeldzufluss.

Schwieriges Quartal für Vermögensverwaltung

Ohne die Sondereffekte fällt das Ergebnis durchzogen aus. Positiv hat sich das US-Vermögensverwaltungsgeschäft mit einem Vorsteuergewinn von 259 Millionen Franken entwickelt. Die Einheit konnte sich damit auch gegenüber dem üblicherweise stärkeren zweiten Quartal steigern. Sogar überrascht hat die Investmentbank. Trotz schwierigen Verhältnissen hat sie einen Vorsteuergewinn von 496 Millionen Franken erreicht nach einem Milliardenverlust im Vorjahr.

Nicht an das dritte Quartal 2014 anschliessen konnte jedoch die internationale Vermögensverwaltung. Mit einem Vorsteuergewinn von 639 Millionen Franken blieb sie deutlich hinter dem Vorjahr zurück (707 Millionen Franken). Zur Begründung verweist die UBS vor allem auf ihre asiatischen und europäischen Kunden, die sich von Juli bis September «äusserst verhalten» gezeigt hätten. Dank Preiserhöhungen in diesem Geschäft und zusätzlichen Vermögensverwaltungsmandaten habe jedoch noch ein «robuster» Vorsteuergewinn erzielt werden können.

Beim Ausblick zeigt sich die Grossbank wenig optimistisch. Zu den schon bestehenden wirtschaftlichen Problemen kommen laut Mitteilung neue Herausforderungen hinzu. So würden die vor kurzem angekündigte Erhöhung der Kapitalanforderungen an Grossbanken in der Schweiz zu erheblichen Mehrkosten führen. Hinzu komme die entgegen den Erwartungen ausgebliebene Zinserhöhung in den USA, eine negative Entwicklung bei gewissen Anlageklassen und der nach wie vor schwache Euro gegenüber dem Franken.

Weitere Steuergutschriften

Um diese negativen Effekte abzufedern, sei die UBS daran, Massnahmen umzusetzen, wie es in der Mitteilung heisst. Die Grossbank hat entsprechend diesem Ausblick auch die Unternehmensziele angepasst. Die Bank rechnet jedoch damit, das Ziel für das gesamte Geschäftsjahr zu übertreffen. Ausserdem halte die UBS am Kostensenkungsziel von 2,1 Milliarden Franken fest.

Für das vierte Quartal kündet die Grossbank zudem an, eine weitere Steuergutschrift vorzunehmen. Sie rechne damit, weiter latente Steueransprüche von ungefähr 500 Millionen Franken zu aktivieren, schreibt die Bank. Die Kernkapitalquote gemäss dem Standard Basel III beträgt nunmehr 14,3 Prozent.

UBS bestätigt Untersuchung gegen früheren Manager

Die französischen Behörden haben im September 2015 gegen einen früheren Chef der Vermögensverwaltung der UBS ein offizielles Verfahren eingeleitet, wie die UBS in ihrem Quartalsbericht bekannt gibt.

Die UBS bestätigt damit frühere Spekulationen in verschiedenen Medien, ohne jedoch den Namen der betroffenen Person bekannt zu geben. Gemäss den Medienberichten soll es sich dabei um Raoul Weil handeln, der in den USA Ende 2014 vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen wurde.

Die Untersuchung gegen den ehemaligen UBS-Manager steht im Zusammenhang mit der schon seit einigen Jahren laufenden Untersuchung gegen die UBS wegen mutmasslicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Geldwäscherei in Frankreich.

Änderungen im Top-Management

Die UBS hat gleichzeitig mit den Zahlen zum dritten Quartal diverse Änderungen im Top-Management bekannt gegeben. Finanzchef Tom Naratil wird Nachfolger von Robert McCann an der Spitze des Amerika-Geschäfts. McCann übernimmt derweil die Rolle des Chairman UBS Americas und tritt per Ende Jahr von der Konzernleitung zurück.

Zum neuen Group Chief Operating Officer (COO), dessen Funktion bisher ebenfalls bei Naratil lag, wurde Axel P. Lehmann ernannt. Er wird Mitglied der Konzernleitung, gibt aber sein Mandat im Verwaltungsrat ab. Lehmann ist bekannt als langjähriges Konzernleitungsmitglied von Zurich Insurance. Er wird die Versicherung wie bereits früher angekündigt Ende 2015 verlassen.

Der Posten von Naratil als CFO geht den Angaben zufolge an Kirt Gardner, derzeit CFO von Wealth Management. Gardner war 2013 von der Citicorp zur Schweizer Grossbank gestossen. (sda)

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