Bankstrategien: UBS gewinnt Neugeld, CS mit Handicap
Aktualisiert

BankstrategienUBS gewinnt Neugeld, CS mit Handicap

Die Strategien der Grossbanken werden klarer: Hier die UBS, die zu alter Stärke in der Vermögensverwaltung findet, dort die CS, die ihr Glück weiter im Investmentbanking sucht.

von
L. Hässig
In welche Richtung geht es weiter? CS-Chef Brady Dougan (links) und sein UBS-Kollege Sergio Ermotti.

In welche Richtung geht es weiter? CS-Chef Brady Dougan (links) und sein UBS-Kollege Sergio Ermotti.

Wenn in den nächsten Wochen die Quartalszahlen vorliegen, wird sich erstmals abschätzen lassen, welcher Weg der erfolgversprechendere ist: jener der UBS oder derjenige der CS. Bereits heute lassen sich erste Erkenntnisse gewinnen.

Möglich macht das eine Initiative mit dem Namen «UBS Advice»: Es ist der Versuch der Grossbank, mit einem eigenen Ansatz in der Vermögensverwaltung in die neue Welt des fairen und sauberen Bankings aufzubrechen (siehe Box).

UBS gewinnt wieder Kundenvermögen

Gegen einen fixen Betrag erhalten die Kunden jeden Morgen einen Überblick über seine Vermögenswerte. Je nachdem, was in den USA am Vorabend passiert ist, empfiehlt der Berater dem Kunden zu reagieren. So soll sichergestellt werden, dass es keine bösen Überraschungen gibt und Kunden, die wenig Risiko wollen, immer die richtigen Produkte bekommen.

Laut einem Sprecher der Bank sprechen die Kunden gut auf das neue Programm an. Die Rechnung sollte auch für die UBS aufgehen. Schon von Januar bis März hatte die Bank einen grossen Sprung beim Vermögenszufluss gemacht. Offenbar ist die UBS wieder eine erste Adresse für vermögende Kunden aus allen Ländern. Dafür war die UBS bis zur Krise vor sechs Jahren berühmt. Nun könnte sie an ihre Erfolgszeiten anknüpfen.

Findet die CS das Ei des Kolumbus?

Anders Erzrivalin Credit Suisse: Sie setzt weiterhin auf ein starkes Investmentbanking. Das passt zur CS. Sie war schon immer jene Schweizer Grossbank, die ein starkes Wort im angelsächsisch geprägten Risikogeschäft mitreden wollte. Die UBS eiferte der CS lange nach, nun scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben – nach Verlusten von Dutzenden von Milliarden.

Die CS hat eine durchzogene Bilanz im Investmentbanking. Sie kam zwar viel besser als die UBS durch die Krise, musste aber auch Federn lassen. Nun will sie das Ei des Kolumbus im Investmentbanking gefunden haben. Weiterhin eine führende Position haben, ohne untragbare Risiken einzugehen – so die Vision.

Sicheres Investmentbanking – geht das überhaupt? Und wenn ja, lässt sich damit genug Geld verdienen? Die Antwort muss die CS mit ihren Quartalszahlen liefern. Dann wird sich zeigen, ob die Bank trotz reduzierten Einsatzes mit den führenden US-Handelshäusern mithalten kann.

Weder Fisch noch Vogel

Ein Sprecher betont, die CS habe ihre Investment Bank erfolgreich umgebaut, mit geringerem Risiko und weniger Kapitaleinsatz, aber guten Erträgen. Das hätten die letzten Quartale gezeigt. Im ersten Quartal habe die CS-Investmentbank eine Kapitalrendite von 23 Prozent geliefert, 2012 seien es auch bereits gute 14 Prozent gewesen.

Die Vermutung liegt nahe, dass das nicht gelingen wird. JP Morgan, Goldman Sachs, die wiedererstarkte Citigroup und Morgan Stanley segeln davon. Und auch die Deutsche Bank und Barclays dürften in vielen Bereichen höhere Marktanteile haben als die CS.

Die Idee von CS-Chef Brady Dougan, nur noch sicheres Investmentbanking zu betreiben, klingt gut – leider besteht die Gefahr, dass sie nur wenig einbringt. Dann wäre die CS weder Fisch noch Vogel: keine wirklich global starke Vermögensverwalterin und auch keine richtig globale Investmentbank.

Trifft das ein, würde die CS mittelfristig hinter der UBS zurückbleiben. Auf lange Frist hätte die Schweiz nur noch einen echten Big Player im globalen Banking – die UBS.

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