Aktualisiert 13.05.2008 16:58

«UBS hat in den USA nie Geld verdient»

Der Zürcher Bankenprofessor Hans Geiger über ein gravierendes Egoproblem der Grossbank in den USA und die Gründe, weshalb die UBS in Amerika nichts mehr zu suchen hat.

von
Lukas Hässig

Herr Geiger, für Sie ginge die UBS am Besten raus aus dem US-Markt. Wieso?

Hans Geiger: Die beiden Grossbanken haben in den letzten 30 Jahren per Saldo immer viel Geld in den Staaten verloren. Das ist nicht im Interesse der Aktionäre.

Warum scheiterte die weltgrösste Vermögensverwalterin ausgerechnet in den USA?

Geiger: Wegen ihrem Egoproblem. Man will in den USA zu den Feinsten der Feinen zählen, mit den Topbanken von Wallstreet konkurrenzieren. Ebenso gut könnte ein Schweizer Fussballer Quarterback im besten US-Football-Team werden wollen.

Falsches Spiel in falscher Liga?

Geiger: Natürlich gibt es das Argument, dass man nur mit Amerika wirklich global ist. Doch die englische HSBC kommt auch ohne aus, weil sie ein Riese in Asien ist.

Was ginge der UBS beim Verzicht auf den grossen US-Markt verloren?

Geiger: Das Football-Argument bezieht sich aufs Handelsgeschäft, wo die UBS fast 40 Milliarden verloren hat. Aber auch in ihrer Paradedisziplin Vermögensverwaltung hat die Bank nie richtig Geld in den Staaten verdient.

Paradedisziplin und kein Gewinn – wie geht das zusammen?

Geiger: Vermögensverwaltung in den USA ist anders. Der Amerikaner will nur Aktientipps, Abwicklung, Kreditlimite, Platin-Kreditkarte, mehr verkaufen Sie dem nicht. Sonst würde die UBS bei über 800 Milliarden verwalteten Vermögen viel besser abschneiden.

Plädieren Sie für ein Ende mit Schrecken?

Geiger: Daimler versuchte ebenfalls mit Chrysler zu reüssieren – und die Deutschen können bekanntlich Autos bauen, so wie die UBS Vermögen bewirtschaften kann. Auch Daimler ist gescheitert. «Details matter» stimmt halt doch: Der Erfolg liegt am Schluss im Detail.

Hätte es die UBS besser wissen können?

Geiger: Nein, auch wenn immer klar war, dass sie für die US-Bank Paine Webber zu viel bezahlte. Nur hat die CS für die Investmentbank DLJ noch viel stärker geblutet. Und ich traute der UBS wirklich zu, die US-Vermögensverwaltung in einen Geldesel zu verwandeln.

Kann die UBS überhaupt in den USA den Stecker ziehen?

Geiger: Die Lehre ist, dass mittelgrosse wie Vontobel und Julius Bär gar nichts in den USA haben, um nicht erpressbar zu sein. Für globale Finanz-Titanen wie die CS und die UBS ist ein völliger Rückzug hingegen illusorisch. Dafür sollten sie ihren Ressourcenschwerpunkt verschieben. Inzwischen beschäftigt die UBS ja mehr Leute in den USA als in der Schweiz.

Der amerikanische Alptraum

Für die UBS entwickelt sich das vermeintliche Traumland USA zunehmend zur Belastung. Der Verlust von 40 Milliarden Dollar im Geschäft mit minderwertigen Hypotheken ist nur einer von mehreren Problembereichen. Die Grossbank ist auch in mehrere juristische Streitfälle verwickelt. Gemäss Medienberichten wurde der Leiter des Bereichs Private Banking in den USA letzte Woche vom US-Justizministerium als «wichtiger Zeuge» vernommen. Dabei geht es um vermutete Beihilfe zur Steuerhinterziehung, basierend auf den Aussagen eines ehemaligen UBS-Beraters für Private-Banking-Kunden. Ausserdem fordern US-amerikanische Opfer von Anschlägen in Israel in einer Klage 500 Millionen Dollar von der UBS. Sie beschuldigen die Bank, mit Geschäften im Iran die Urheber der Attentate finanziell unterstützt zu haben. Nach Ansicht der Kläger verletzte die UBS amerikanische Gesetze aus dem Jahr 1996. Und am Montag hat der Oberste Gerichtshof den Weg für milliardenschwere Entschädigungsklagen durch die Opfer des Apartheid-Regimes in Südafrika freigemacht. Die Sammelklagen richten sich gegen über 50 Konzerne, darunter auch die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse. Die Kläger fordern über 400 Milliarden Dollar Entschädigung. Sie argumentieren, dass die Unternehmen durch ihre Unterstützung der Rassentrennung in Südafrika internationales Recht verletzt hätten.

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