UBS-Kapitalerhöhung: «Nötig aus Landesinteresse»

Aktualisiert

UBS-Kapitalerhöhung: «Nötig aus Landesinteresse»

Die Schweizer Finanzwelt bleibt im Banne der Milliarden-Verluste der UBS.

Beruhigenden Kommentaren zur Sicherheit der Grossbank stehen dabei zunehmend dringlichere Appelle an die Aktionäre gegenüber, die Kapitalspritze aus dem Osten nicht zu bekämpfen. Unter anhaltendem Druck steht UBS-Präsident Ospel.

SNB-Vizepräsident drängt auf Rekapitalisierung

Der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, brachte in einem Interview der «NZZ am Sonntag» sogar das Landesinteresse ins Spiel. Die Rekapitalisierung der UBS mit 13 Milliarden Franken aus Staatsgeldern von Singapur und dem Nahen Osten sei «für die Kunden, für die Bank selber, für unser Land und auch für die Aktionäre ein wichtiger Schritt, um Vertrauen zu bilden und möglichst schnell zurück zur Profitabilität zu gelangen», sagte er. Beim Geschäftsmodell der UBS, bei dem die Vermögensverwaltung im Zentrum stehe, sei Vertrauen das «Nonplusultra».

Für die Frustration der bestehenden Aktionäre, die nach dem Plan der UBS von der Kapitalerhöhung ausgeschlossen werden sollen und eine Verwässerung hinnehmen müssen, zeigte der SNB-Vizepräsident zwar Verständnis. «Doch wenn schlimme Ereignisse eintreten, muss man rasch eine Lösung finden», sagte Hildebrand und fügte hinzu: «Aktionäre sind am Risiko beteiligt und müssen mit solchen Schritten rechnen.» Auf einen Plan B der Behörden für den Fall einer Ablehnung der Kapitalerhöhung am kommenden 27. Februar angesprochen, sagte der Notenbanker, primär sei dies eine Sache der UBS. Die Nationalbank mache sich aber in Gesprächen mit der Aufsicht auch für Analysen von Varianten stark.

«Verzögerung wäre verantwortungslos»

Eine Verzögerung bei der geplanten Kapitalerhöhung wäre verantwortungslos, sagte auch Hildebrands Amtsvorgänger bei der Nationalbank, Niklaus Blattner. Die Rekapitalisierung sei nicht nur für die UBS, sondern für die Stabilität des Schweizer Finanzsystems wichtig. In der «SonntagsZeitung» gingt Blattner aber auch mit dem Investmenbanking hart ins Gericht. Dieses Geschäft sei brandgefährlich und passe eigentlich schlecht zur Seriosität und Sicherheit der Marke Swiss Banking. «Bei der UBS wackelt der Schwanz mit dem Hund», sagte Blattner. Der UBS-Verwaltungsrat sollte sich eine Abspaltung des Investmentbankings gut überlegen. Im Interesse der Erhaltung des Geschäfts als grösster Vermögensverwalter der Welt und im Interesse der eminenten Bedeutung der UBS für die Volkswirtschaft.

Finanzminister Merz macht auf Sicherheit

Finanzminister Hans-Rudolf Merz bekräftigte in Interviews von «SonntagsBlick» und von «Le matin dimanche», dass die Gelder bei der UBS sicher seien. Er sei selber auch Kunde der Grossbank. Von einem Bankrott könne gar keine Rede sein, sagte Merz auf eine Frage, die Parallelen zum Zusammenbruch der Swissair zog.

Umfrage fordert Ospels Kopf

Negativschlagzeilen machte am Wochenende weiterhin UBS-Präsident Marcel Ospel. In einer Demoscope-Umfrage im Auftrag von «SonntagsBlick» und «Le Matin dimanche» forderte eine relative Mehrheit von 48 Prozent der Befragten den Rücktritt des angeschlagenen Bankers. 39 Prozent vertraten die Auffassung, Ospel könne bleiben. UBS-Sprecher Christoph Meier wird dazu mit der Aussage zitiert, dass die Finanzbranche weltweit eine Krise erlebe. In diesen Zeiten sollte man eine international erfahrene und krisenerprobte Führungspersönlichkeit nicht auswechseln. Hildebrand, der als möglicher Nachfolger Ospels gehandelt wird, sagte: «Es ist unsere Politik, zu Gerüchten keine Stellung zu nehmen»

Keinen Kommentar gab die UBS zu einem Bericht des «Wall Street Journals» ab, wonach die US-Justiz zusammen mit der Börsenaufsicht SEC Ermittlungen die Grossbank eröffnet habe. Es gehe um den Verdacht von irreführenden Informationen an Anleger. (dapd)

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