UBS: Keine Konten mehr für «Schurkenstaaten»
Aktualisiert

UBS: Keine Konten mehr für «Schurkenstaaten»

Radikaler Schritt der Schweizer Grossbank UBS: Sie löst sämtliche Beziehungen zu iranischen Privat- und Geschäftskunden auf. Gleiches gilt teilweise auch für Syrien.

Nicht aus politischen Motiven, sondern aus wirtschaftlichen Überlegungen und wegen Reputationsrisiken steigt die grösste Vermögensverwalterin der Welt aus dem Geschäft mit Kunden im Iran aus.

Dass die UBS mit ihrem wichtigen US-Standbein Vorsicht im Umgang mit Kunden aus jenen Ländern walten lässt, die von den USA als «Schurkenstaaten» angeprangert werden, erstaunt nicht. Völlig neu ist aber, dass die grösste Vermögensverwalterin der Welt öffentlich bestätigt, die Geschäfte mit Kunden aus dem Iran und teilweise auch aus Syrien abgebrochen zu haben. Bisher galt bei Auskünften über die Einschätzung der Risiken in einzelnen Ländern die sprichwörtliche Diskretion der Schweizer Bankiers.

Die Grossbank begründet die Praxisänderung damit, es könne ohnehin nicht geheim gehalten werden, wenn man einem Kunden schriftlich mitteilen müsse, dass sein Bankdepot aufgelöst werde. Deshalb habe man sich entschlossen, den Rückzug aus dem Iran-Geschäft zu bestätigen. Zeitlich fällt das «Coming out» mit den Berichten über die Umlagerung der Währungsreserven Irans zusammen, weg von den Banken der EU-Länder auf Off-Shore-Plätze und möglicherweise auch in die Schweiz.

Dies ist kaum ein Zufall, auch wenn die UBS die Auflösung der Geschäftsbeziehungen mit Teheran bereits im vergangenen Herbst eingeleitet hat. Denn die Schweizer Grossbanken haben nach Darstellung von Finanzplatz-Experten kein Interesse, in der gegenwärtigen Diskussion als möglicher Zufluchtsort für offizielle iranische Gelder in die Schlagzeilen zu geraten. Vor allem nicht in den USA. Die UBS ist seit der Übernahme von PaineWebber im Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA zudem deutlich stärker exponiert als die Credit Suisse.

Zugleich bestätigte die UBS nun zum ersten Mal, dass sie sich auch von Syrien abgewandt hat. Dem Vernehmen nach sind im Falle Syriens die Privatkunden im Unterschied zum Iran nicht vom Abbruch der Geschäftsbeziehungen betroffen. Bereits vor mehr als einem Jahr gab es Gerüchte, dass die UBS die Beziehungen zur Commercial Bank of Syria (CBS) abgebrochen und Konten in Milliardenhöhe aufgelöst hatte. Das US-Finanzministerium hatte die CBS - die staatliche syrische Aussenhandelsbank und das mit Abstand grösste Finanzinstitut Syriens - im Mai 2004 unter dem Regime der Patriot Act als Geldwaschanlage für Terroristen und das Regime von Saddam Hussein gebrandmarkt. Ausserhalb der USA kamen deshalb Befürchtungen auf, dass Banken, die weiterhin mit der CBS geschäfteten, extraterritoriale Massnahmen der USA riskierten.

Die «SonntagsZeitung», die den Rückzug der UBS aus dem Iran bekannt gemacht hatte, erinnerte schliesslich an die Probleme der Grossbank in den USA wegen des Dollarnotenhandels. Die US-Notenbank hatte die UBS im Mai 2004 mit 100 Millionen Dollar gebüsst, weil die Grossbank die Restriktionen verletzt hatte, die für Länder mit US-Sanktionen gelten.

(dapd)

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