UBS: Kundenvertrauen und 5500 Jobs weg
Aktualisiert

UBS: Kundenvertrauen und 5500 Jobs weg

Knapp 13 Milliarden Franken Vermögen flossen im ersten Quartal ab, während Konkurrentin CS 17 Milliarden Neugelder ausweisen konnte. Die Abschreiber haben sich bei der UBS auf Studentenkredite ausgeweitet. Die Bank warnt vor weiteren Verlusten und baut 7 Prozent ihrer Belegschaft ab.

von
Lukas Hässig

Die Aktien der UBS sind heute im Handel deutlich unter Druck geraten. Der Kurs gab bis 12.50 Uhr um 4,8 Prozent auf 35.10 Franken nach.

Die Erwartungen an den Quartalsabschluss der UBS waren tief. Sie wurden jetzt sogar noch unterboten. Die von der amerikanischen Hypothekenkrise gebeutelte Grossbank musste in fast allen Bereichen schlechte Nachrichten verbreiten. Die mit Spannung erwartete Zahl der Zu- bzw. Abflüsse von Vermögen ist ernüchternd. Die UBS erlitt von Januar bis März netto einen Geldabfluss von 12,8 Milliarden Franken. Demgegenüber konnte die Credit Suisse vor zwei Wochen einen Zufluss von 17 Milliarden Franken ausweisen, und bei der UBS waren es vor Jahresfrist gar noch 53 Milliarden Anlagegelder, welche die Kunden auf die Bank brachten. Allein im Geschäft mit kleinen und mittelgrossen Schweizer Kunden flossen der UBS 1,9 Milliarden Franken ab. Der grösste Aderlass erlitt sie im globalen Geschäft mit Profianlegern. Immerhin resultierte im reinen Privatebanking mit der vermögenden Klientel ein kleines Plus von 5,6 Milliarden Franken.

Der Aderlass beim Neugeld zeigt, in welch tiefe Krise das Aushängeschild des Schweizer Finanzplatzes geraten ist. Das Vertrauen hat nicht nur in der Schweiz gelitten, sondern ist weltweit unter die Räder geraten. Der tiefe Einschnitt ist eine Folge des Debakels im US-Hypothekenmarkt. Dort hatte die UBS ein Klumpenrisiko von über 70 Milliarden Dollar aufgebaut, welches sie inzwischen durch Abschreiber und Notverkäufe auf rund 30 Milliarden Dollar abgebaut hat. Die daraus resultierenden Verluste von knapp 40 Milliarden Dollar schlugen direkt auf den Konzerngewinn durch. Im ersten Quartal erlitt die UBS einen Verlust von 11,5 Milliarden Franken, nachdem sie bereits für das letzte Quartal des Jahres 2007 ein Minus von 13 Milliarden ausweisen musste. Noch vor Jahresfrist konnte die UBS allein für die Monate Januar bis März ein stolzes Plus von 3 Milliarden Franken präsentieren.

Wer gehofft hat, dass die Krise für die UBS damit überstanden sei, sieht sich eines Besseren belehrt. Die UBS-Führung zeichnet in ihrer Mitteilung von heute Morgen eine düstere Prognose für die nähere Zukunft. Die Börsen würden voraussichtlich schwach bleiben, die Kreditkrise würde sich auf das Verhalten der Privathaushalte und Unternehmen auswirken, die ihren Gürtel enger schnallen würden, was schliesslich zu einem deutlich langsameren Vermögensaufbau führe. Von all dem, schreibt die Bank, sei die UBS direkt betroffen, weil sie in sämtlichen Bereichen – Börse, Kredite, Vermögensverwaltung – ihre Erträge erzielt. Die Subprime-Krise scheint auf die Realwirtschaft überzuschwappen und somit auf die Banken zurückzuschlagen, die damit gleich doppelt für ihre Gier nach immer höheren Spekulationsgewinnen bestraft würden. Auch die US-Kreditkrise im engeren Sinn scheint noch nicht überstanden zu sein. Im Communiqué erwähnt die UBS, dass nun auch Studentenkredite und so genannte Leveraged Loans, Kredite für Firmenübernahmen, abgeschrieben werden müssten.

Wie stark sich das Klima für die weltweit grösste Vermögensverwalterin verschlechtert hat, zeigt sich an den per Ende März verwalteten Vermögen. Diese haben sich von rund 3200 Milliarden Franken auf noch knapp 2800 Milliarden oder 13 Prozent reduziert. Das kommt einem regelrechten Einbruch gleich und dürfte wegen tieferer Kommissionen und Gebühren eine scharfe Bremsspur in den kommenden Erfolgsrechnungen hinterlassen. Auch rechnet die Bank mit teuren Rechtsfällen vor allem in den USA. Bereits hat sie dafür Rückstellungen von mehreren Hundert Millionen Franken gebildet. Auch der heute angekündigte Stellenabbau von knapp 7 Prozent über die ganze Bank zeigt, wie schwierig die UBS die kommenden Monate einschätzt. Sie verkleinert die Stellenzahl im Konzern von derzeit 83 800 auf voraussichtlich 78 300. Das Minus von 5500 Hundertprozentstellen betrifft nicht nur die Investmentbank, wo die horrenden Verluste entstanden sind und sich die Mitarbeiterzahl um 2600 auf noch 19 000 reduziert. Auch in der Vermögensverwaltung, welche die UBS weltweit und aus der Schweiz heraus betreibt, rechnet das Management mit einem tiefen Einschnitt und baut fast 3000 Stellen ab. Über sämtliche Bereiche hinweg (Investmentbank, Vermögensverwaltung, Corporate Center) könnte die UBS in der Schweiz bis Mitte 2009 rund 1500 Stellen abbauen, sagte Marcel Rohner an der heutigen Telefonkonferenz. Derzeit geht die UBS von rund 200 Entlassungen in der Schweiz in den kommenden Monaten aus.

Sozialplan gefordert

Wegen des Abbaus von 5500 Stellen bei der UBS fordert der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) einen grosszügigen Sozialplan für die Betroffenen. Die Verhandlungen müssten sofort aufgenommen werden, verlangte der SBPV.

«Der SBPV vernimmt mit Erstaunen, dass Mitarbeitende der Bank in der Schweiz die Konsequenzen von Fehlern, welche auf einem anderen Kontinent gemacht wurden, auch tragen müssen», schreibt der Bankpersonalverband heute in einem Communiqué. Zudem sei man besorgt um die Gesundheit der UBS-Angestellten, die nach den Entlassungen noch grösserer Arbeitsbelastung ausgesetzt seien.

Rohner: Kündigungen lassen sich nicht vermeiden

Der Abbau solle vor allem über natürliche Fluktuation erfolgen, die derzeit bei 9 Prozent liege, sagte Rohner heute in einer Telefonkonferenz: «Das bedeutet, dass wir in der Schweiz normalerweise 2500 bis 3000 Leute pro Jahr verlieren.»

Letztes Jahr habe die UBS rund 6000 neue Leute eingestellt. Dieses Jahr würden es weniger sein, so etwa 1000 bis 2000 Personen, sagte Rohner: «Wenn sich nichts ändert, wird dies zu einem tieferen Stellenbestand in einigen Monaten führen.» Kündigungen würden sich dennoch nicht vollständig vermeiden lassen.

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